Interview in Ingolstadt Reichel und Potrebitsch über Hawaii, Frankfurt und Höhentraining

Langstrecke | 19. Juni 2013
Horst Reichel und Georg Potrebitsch können nach ihren Siegen in Ingolstadt am vergangenen Wochenende zuversichtlich in den Triathlonsommer blicken. Während der eine das Ticket nach Hawaii so gut wie gebucht hat und in Frankfurt die Konkurrenz beobachten will, hofft der andere auf ein Top-Resultat bei der Challenge Roth. Wir haben nach dem Rennen in Ingolstadt mit dem Duo vom Powerhorse Triathlon Team gesprochen.
Horst Reichel, vor zwei Wochen der Sieg in Italien, jetzt Ingolstadt. Zwei überragende Leistungen binnen so kurzer Zeit. Haben Sie selbst eine Erklärung für diese kleine Siegesserie?
Vielleicht ist mein Erfolgsgeheimnis in diesem Fall, dass ich in der Woche vor Ingolstadt zwei Tage krank im Bett lag und einfach mal die Ruhe über mich kommen ließ. Da hilft es auch wenig, ein schlechtes Training zu absolvieren. Man sollte besser langfristig an den weiteren Verlauf der Saison denken.
Apropos Saisonverlauf – der scheint Sie ja geradewegs nach Hawaii zu führen.
Ich bin eigentlich zuversichtlich, dass mein Punkestand von gut 4.000 Punkten im Kona-Pro-Ranking schon jetzt für die Hawaii-Quali reicht. Man weiß natürlich nie, welche Athleten sich besonders bei einem Rennen wie Frankfurt, wo es auch für die Platzierten viele Punkte gibt, noch einmal nach vorne katapultieren. Dann kann es plötzlich doch wieder eng werden.
Haben Sie einen Plan B oder würden Sie im ungünstigen Falle auch auf den Ironman Hawaii verzichten?
Es gibt einen Plan B, der mich im August eventuell noch einmal nach Schweden führt. Das wäre nach Absprache mit meinem Trainer Ralf Ebli aber auch nur dann realistisch, wenn gesundheitlich alles nach Plan verläuft. Zunächst arbeite ich auf ein gutes Ergebnis beim Ironman 70.3 in Haugesund hin und warte den Ironman in Frankfurt aus der Zuschauerperspektive ab.
Georg Potrebitsch, Sie können das Ganze relativ entspannt verfolgen, weil Hawaii in diesem Jahr kein Ziel für Sie darstellt, richtig?
Ich habe in diesem Jahr nicht einmal eine WTC-Lizenz gelöst, weil ich mich voll auf die Challenge-Rennen konzentriere. Roth ist für mich der absolute Saisonhöhepunkt. Dort will ich ein Top-Resultat erzielen. Außerdem bin ich mir immer noch nicht sicher, ob das Klima auf Hawaii für einen Athleten meiner Statur überhaupt Sinn macht.
Wir hatten hier in Ingolstadt hochsommerliche Temperaturen um 30 Grad. War das schon grenzwertig?
Das ging noch ganz gut, aber es war ja auch nur eine Mitteldistanz. Grundsätzlich sind die kleineren und leichteren Athleten aber sicher im Vorteil.
Sie haben sich in den Schweizer Alpen, also in der Höhe, vorbereitet und sind direkt von dort nach Ingolstadt gekommen. Wie ist das Training in der Schweiz gelaufen?
Trotz der Strapazen, die solch ein Training natürlich mit sich bringt, hatte ich Riesenspaß in der gewaltigen Natur. Vor allem konnte ich meine Intervalle auf dem Rad mit einer schönen Aussicht verbinden. Das macht es doch ein bisschen einfacher und ich fühle mich deutlich gestärkt.
Sie sind erst einen Tag vor dem Wettkampf angereist. Ging es nicht anders oder steckte Kalkül dahinter?
Ich habe in Davos mit einigen Leuten gesprochen, die in Bezug auf Höhentraining viel Erfahrung haben und natürlich auch wissen, wie es die Wintersportler machen. Die haben mir gesagt, ich soll einen Tag vor dem Wettkampf wieder ins Tal gehen, weil man am zweiten Tag müde wird. So habe ich das dann gemacht und es ging gut. Auch deshalb war das sicher nicht das letzte Höhentraining für mich. Vielleicht nutze ich für die Roth-Vorbereitung sogar gleich noch einmal.