Rennstart nach der Sintflut

Die Challenge Kraichgau 2013 dürfte den meisten Teilnehmern noch einige Jahre lang in Erinnerung bleiben. Bevor das Rennen überhaupt starten konnte, musste erst einmal ein Unwetter überstanden werden. Der Neopren-Anzug wurde im Dauerregen zum meistgetragenen Kleidungsstück.

Von > | 9. Juni 2013 | Aus: SZENE

Kraichgau-Wetter | Wetterkapriolen bei der Challenge Kraichgau 2013

Wetterkapriolen bei der Challenge Kraichgau 2013

Foto >Volker Boch

Normalerweise ist sonntagsmorgens um 8.30 Uhr bei Lidl in Ubstadt-Weiher ziemlich wenig los. Doch an diesem Morgen stehen sie Schlange vor der Tür des Discounters. Es ist eine ziemlich breite Schlange, die auch noch recht schräg angezogen ist für einen Einkauf. Viele tragen einen Neoprenanzug, andere haben Müllsäcke übergestülpt. Füße stecken in Plastiktüten, aus Jackenärmeln läuft das Wasser.

Kraichgau-Wetter | Lidl hat noch zu. Ist doch egal.

Lidl hat noch zu. Ist doch egal.

Foto >Volker Boch

Lidl hat zwar zu, doch für einige Teilnehmer der Challenge Kraichgau bietet das Vordach des Marktes wenigstens etwas Schutz. Vor dem prasselnden Regen, der über der neunten Auflage der Challenge Kraichgau niedergeht. Es ist deutlich mehr als die prognostizierten lokalen Schauer und ein Gewitter, das über dem Startort des Rennens niedergeht. Der Satz von den Harten, die allein in den Garten kommen, kursiert bereits, da ist das Rennen selbst noch weit weg.

"Krasses Wetter" 

Auf dem Supermarktparkplatz in der Nähe des Hardtsees stehen die Sportler unter dem Vordach, bevölkern den benachbarten – und geöffneten – Bäcker-Shop oder sitzen angesäuert im Auto. Sie warten auf das, was vielleicht noch kommen mag: ein schönes Rennen. „Ein krasses Wetter“, wird später Maik Petzold sagen. Der Olympionike hat schon so einiges erlebt in seiner langen Karriere. Aber bei seiner ersten Mitteldistanz hätte sich der Bautzener doch etwas anderes gewünscht. Wie eine Handvoll weiterer Topathleten kauert er in der Nähe des Startbereichs in einem der Ausstellerzelte und wartet sehnlichst darauf, dass es losgehen kann. Erst verschiebt das Organisationsteam den Start um eine halbe Stunde, doch das Wetter wird erst einmal überhaupt nicht besser. Pfützen überlagern den Uferbereich, jeder Schritt auf den Rasen am Hardtsee ist ein Tritt in den Matsch.

Kraichgau-Wetter | Jetzt ein Eis?

Jetzt ein Eis?

Foto >Volker Boch

Die Veranstalter geben sich hörbar Mühe, die Laune der Athleten oben zu halten. Der DJ macht mit Rockmusik (u. a. "It's Raining Men") gegen den Regen Feuer, aber manche hindert das nicht daran, ihr Rad wieder auszuchecken und sich auf den Heimweg zu machen. Mitfavorit Timo Bracht wirkt noch recht locker: „Das wird schon noch, das Wetter klart sich schon noch auf“, sagt er aus seiner dicken Trainingsbekleidung heraus.

Die Suche nach dem Draht nach oben

Aber unter den Verbleibenden herrscht bereits Galgenhumor. „Herr Pfarrer, mach mal was gegen den Regen“, erklärt Stephan Thomas bei seiner Andacht. Der 49-Jährige vom Verein Kraichgau Triathlon ist Pfarrer an der Berufsschule in Bretten und gibt bei seiner kurzen Ansprache vor dem Start wieder, was er an diesem verregneten Morgen am häufigsten von anderen Teilnehmern gehört hat. Auch Thomas hat die Stunde vor dem Start im wärmenden und wasserdichten Neoprenanzug verbracht, um nicht zu sehr zu frieren.

Pfarrer Stephan Thomas | Frühandacht: \"Herr Pfarrer, mach mal was gegen den Regen!\"

Frühandacht: "Herr Pfarrer, mach mal was gegen den Regen!"

Foto >Volker Boch

Mit seiner Bitte um Segen „von oben“ für das Rennen geht es spürbar bergauf. Der Regen hört auf, und der Tag wird später sogar noch richtig warm. In 5:01:40 Stunden kommt der Pfarrer selbst zufrieden ins Ziel. Diejenigen, die vor dem Start unverrichteter Dinge abgereist sind, dürften sich später mächtig ärgern. Denn die meisten, die unter dem Lidl-Vordach ausgeharrt haben, erlebten einen sportlich erfolgreichen Tag.