Sebastian Kienle: "Haben die Räder fast um die Kurven getragen"

Michael Rauschendorfer / triaphoto.com

Sebastian Kienle, Interview
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Die Stimmen aus Frankfurt „Rohe Eier in der Trikottasche“

Langstrecke | 8. Juli 2012
Die Sprüche und Stimmen von Sebastian Kienle und den anderen schnellsten Profis – direkt von der Pressekonferenz des Ironman Germany in Frankfurt.
Letztes Jahr habe ich das ganze Rennen hier überhaupt nicht genießen können, hatten Tausende negative Gedanken. Heute habe ich mich den ganzen Tage gut gefühlt – nicht supergut, aber in Ordnung. Ich würde lügen, wenn ich nicht an Hawaii gedacht hätte, dieses Rennen war eine Art Generalprobe: das erste auf dem neuen Rad. Ich bin einfach gern in Frankfurt am Start und froh, dass ich mein Ergebnis vom letzten Jahr ein bisschen wiedergutmachen konnte. Wie ich die neue Radstrecke fand? Ich habe gar keinen Unterschied bemerkt! Ganz ehrlich:  Ich bin nun das dritte Mal hier und weiß immer noch nicht, was hinter der nächsten Kurve kommt. Würde die ganzen Kurven gern mal zählen, das sind bestimmt über 200. Heute war richtig viel Wasser auf der Straße, das Radfahren war eigentlich noch schwieriger als letztes Jahr.“
Caroline Steffen (SUI), alte und neue Ironman-Europameisterin
„Ich bin nicht überrascht, ich bin überwältigt. Und wahnsinnig glücklich, dass ich mit diesem Ergebnis aus dem Schattendasein ins Rampenlicht gerückt bin. Mein großes Ziel ist nun der Ironman Hawaii, mal sehen wie viele Punkte dafür noch nötig sind. Aber ich denke, dass ich mein Konto im Kona Pro Ranking heute gut gefüllt habe. Ich will niemanden verletzen, aber bislang haben nur mein Mann und meine Familie an mich geglaubt, keine anderen Athleten und keine Veranstalter. Ich freue mich, dass ich es jetzt allen gezeigt habe.“
Anja Beranek (GER), 2. Platz
„Auf dem Rad habe ich richtig gefroren und die ganze Zeit versucht, mich irgendwie warm zu halten. Ich war froh, dass ich mental so stark war heute, das war auch nötig. Es war mein erster Start hier, aber trotz des Wetters heute werde ich auf jeden Fall wiederkommen – die Stimmung ist toll!“
Corinne Abraham (GBR), 3. Platz
„Ich weiß nicht genau, ob es mit den Punkten von heute für Hawaii reicht, die anderen Mädels rechnen da immer ein bisschen strenger als ich. Aber ich hoffe, dass es reicht. Wenn man Platz acht erwartet, dann ist man mit Platz vier natürlich sehr glücklich, ich bin überhaupt nicht enttäuscht, dass ich das Podium verpasst habe.“
Susan Dietrich (GER), 4. Platz
„Ich muss zugeben, dass das nicht mein wichtigster Ironman-Sieg war – noch ein bisschen wichtiger für mich war mein Weltrekord in Klagenfurt. Entschuldigung dafür! Aber für mich ist die Strecke hier einfach nicht so ideal wie in Klagenfurt. Ich habe mein Ding gemacht, wie ich es jedes Jahr in Klagenfurt mache, aber hier waren wirklich starke Konkurrenten und da wird es dann irgendwann schwierig, nur sein eigenes Rennen zu machem. Ich wäre doch alleine niemals so verrückt in diese Hügel reingefahren (mit Blick auf Sebastian Kienle, d. Red.)! Die ganze Woche hier war für mich schrecklich stressig. Ich kam mir vor wie ein kleiner Junge, der in die große Stadt kommt. In meinem Wohnort sind nur 1.200 Leute – wenn alle zu Hause sind. Es war sehr viel für mich alles, vor allem für meinen Kopf.  Vielleicht muss ich öfter herkommen, damit ich mich daran gewöhne ...  Ich will nun diesen Sieg genießen und mir ein bisschen Pause gönnen. Danach denke ich wieder an Hawaii. Natürlich ist ein Hawaii-Sieg mein Ziel – mein letztes großes Ziel – aber das sind jetzt Sorgen für morgen.“
Marino Vanhoenacker (BEL), Ironman-Europameister
„Dieser zweite Platz ist für mich etwa gleichzusetzen mit meinem 8-Stunden-Debüt in Roth vor zwei Jahren. Aber da erging es mir ähnlich wie Caroline (Steffen, d. Red.)  hier im letzten Jahr: Das war jenseits von Gut und Böse, ich habe gar nicht mehr alles mitbekommen. Die Zuschauer hier kann man gar nicht überhören, emotional war das heute etwas ganz besonderes.  Leider ist Andy ja gestürzt, kurz nachdem ich die Gruppe eingeholt hatte. Er war zwar wieder rangefahren, aber es hat mir in dem Moment schon leidgetan, dass ich dann attackiert habe. Aber so ist nun mal der Sport. In Wiesbaden bin ich letztes Jahr dreimal gestürzt und musste aufgeben – später haben mir die Leute gesagt: Wer weiß, wofür es gut war! Heute weiß ich, wofür: Ich bin diesmal gefahren, als hätte ich rohe Eier in der Trikottasche gehabt! Marino und ich haben unsere Räder fast um die Kurven getragen, damit nichts passiert. Es lief dann richtig gut. Aber irgendwann hat jeder Rausch ein Ende und man schlägt hart auf. Bei mir war irgendwann beim Marathon der Sprit alle und dann hat Marino (Vanhoenacker, d. Red.) bewiesen, warum und wie er dieses Rennen gewonnen hat: indem er seine Kräfte perfekt eingeteilt hat. Trotzdem war ich überrascht, wie gut das Laufen bei mir noch lief.“
Sebastian Kienle (GER), 2. Platz
„Ich habe von diesem Rennen wirklich nicht viel erwartet, denn ich war vorher krank. Vor allem mit meiner mentalen Leistung bin ich sehr zufrieden, zum Beispiel, dass ich auf dem Rad trotz allem Druck machen konnte . Ich hatte einen richtig guten Tag, mein Ziel waren eigentlich nur die Top-Acht. Ich will auf jeden Fall nach Hawaii.“
Clemente Alonso-McKernan (ESP), 3. Platz
„Nein, solange noch 20-Jährige hinter mir sind, mache ich noch ein bisschen weiter. Ich war letztes Jahr 13., das hat mich schon die ganze Zeit gewurmt, da ich es sonst eigentlich immer unter die Top.-Ten geschafft habe. Deshalb bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden.“
Uwe Widmann (GER), 8. Platz