Fünf Wochen nach dem Triumph auf Hawaii will Leanda Cave ihren Titel beim Ironman Arizona verteidigen.

Frank Wechsel / spomedis

Leanda Cave
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Ironman Arizona Rookies, Champions, Punktejäger

Langstrecke | 15. November 2012
Im US-Bundesstaat Arizona geht die Ironman-Saison 2012 am Wochenende in ihre drittletzte Runde. Zwei Jahre nach Timo Brachts Sieg ist das Rennen am Tempe Town Lake wieder mit vielen starken deutschsprachigen Athleten und einer Hawaiisiegerin gespickt - doch nicht alle von ihnen denken auch an den Sieg.
Sie starten alle im selben Rennen, zur selben Zeit, bewältigen die selben, schnellen Strecken - doch die Ziele, mit denen die Profis beim Ironman Arizona am Sonntag (14:45 Uhr MEZ) an den Start gehen, könnten unterschiedlicher kaum sein. Beim drittletzten Ironman des Jahres versammeln sich fünf Wochen nach der Ironman-WM auf Hawaii fast schon traditionell einige der besten Triathlon-Profis der Welt. Manche von ihnen wollen gewinnen, einige nur Erfahrungen sammeln - und wieder andere wären wahrscheinlich schon zufrieden, wenn sie einfach nur das Ziel erreichen.

Frommhold debütiert, Ritter schielt Richtung Kona

Nils Frommhold beispielsweise gehört zur Kategorie jener Profis, die aus Arizona vor allem Erfahrung mitnehmen wollen. Der 26-jährige ehemalige Kurzdistanz-Spezialist, der nach langwierigen Verletzungsproblemen in dieser Saison wieder ins spezifische Triathlontraining gefunden hat, bestreitet in Tempe sein erstes Langdistanzrennen. Seit mehr als einem Monat bereitet er sich in Clermont (Florida) gezielt darauf vor. Unterbrochen nur von einem Testlauf über die halbe Distanz beim Ironman 70.3 Miami, wo er das Rennen durch beherzte Schwimm- und Radleistungen mitbestimmte, seinen Mut beim Laufen aber bezahlte und in einem starken Feld noch auf den fünften Platz zurückfiel. "Der Ironman wird ein Testlauf für zukünftige neue Herausforderungen", erklärt Frommhold gegebenüber tri-mag.de. Punkte für eine mögliche Hawaii-Qualifikation interessieren ihn zunächst nicht: "Wohin die Reise geht, weiß ich mit ein wenig Abstand nach dem Rennen", so Frommhold gelassen.
Christian Ritter hat da schon eine genauere Vorstellung, wo es ihn Ende des kommenden Jahres hintragen soll: Kailua-Kona heißt das Wunschziel des Leipzigers, der sich auf den Ironman Arizona zeitweise gemeinsam mit Frommhold vorbereitet hat. 1.170 Punkte und Rang 24 stehen im Kona Pro Pranking für Ritter nach dem achten Platz beim 70.3-Rennen in Miami und dem dritten Platz beim Ironman Wales Mitte September bereits zu Buche. Um weitere 2.000 Zähler könnte er sein Konto mit einem Sieg in Arizona aufstocken. Geschenkt wird er den aber nicht bekommen: Neben dem Vorjahresvierten und Ex-Partner von Hawaiisiegerin Leanda Cave, Torsten Abel, der aus Bayern stammt und mittlerweile in Arizona lebt, gehen auch Ritters Profikollegen Georg Potrebitsch, Daniel Müller, Stephan Vuckovic und Michael Wetzel, Sechster des Ironman Wales und ebenfalls den Ironman Hawaii 2013 im Blick, an den Start - und das sind nur die deutschen Profis.

Britischer Hattrick oder Sicherheitsfinish?

Aufgewertet wird die hochkarätige Startliste noch um einige weitere Athleten aus dem deutschsprachigen Raum: Die Schweizer Mathias Hecht und Jan van Berkel haben realistische Chancen auf eine vordere Platzierung. Wenngleich van Berkel, ähnlich wie Frommhold, "Wattdaten, Durchgangszeiten" und vor allem Erfahrungen sammeln will. Sein Fernziel: Hawaii 2015. "Ich erhoffe mir von dem Rennen Rückschlüsse auf die richtige Vorbereitung und Trainingsinhalte für meine Ironman-Leistung und will die richtigen Anpassungen für mein Training finden", so van Berkel gegenüber tri-mag.de. Auch der deutschsprachige Kanadier Luke Dragstra will am Sonntag vorn mitmischen. Und trotzdem wäre es noch nicht einmal ein Wunder, sollte der Männersieger nach etwas mehr als acht Stunden doch nicht Deutsch sprechen: Die Briten Fraser Cartmell und Tom Lowe, Dritter bei Brachts Sieg in Arizona 2010, Kiwi Bryan Rhodes, Richie Cunningham (AUS) und ein US-Quartett mit TJ Tollakson, Matthew Reed, Justin Daerr und Ian Mikelson ergänzen das breite Feld der Podiumsanwärter.
Für Leanda Cave, könnte man meinen, geht es nach ihrem Hawaiisieg Mitte Okober dagegen zunächst "nur" um das Pflichtfinish, das ihr die Qualifikation für Kona 2013 frühzeitig sichert. Abschenken wird sie den Titel aber gewiss nicht. Schon bei ihrem Sieg im Vorjahr bewies Cave, dass sie ein Langdistanzrennen wenige Wochen nach dem Ironman Hawaii in Topform bestreiten kann. Die Britin, die seit vielen Jahren in Arizona zuhause ist, bewies ihre gute Spätform zuletzt Ende Oktober, als sie das 70.3-Rennen in Miami gewann. Den nach Wellingtons Sieg im Jahr 2010 und Caves Vorjahres-Triumph dritten britischen Sieg in Folge verhindern, wollen die Zweitplatzierte des vergangenen Jahres und Siegerin des Ironman Austria 2012, Linsey Corbin, und die Vorjahresdritte Meredith Kessler (beide USA). Auch Kelly Williamson (USA), Sara Gross (CAN) und Mirjam Weerd (NED) rechnen sich Chancen aus. Die deutschen Farben im Startfeld der Profis vertritt die Bielefelder Sportwissenschaftlerin Kathrin Mannweiler.

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