Interview Sonja Tajsich "Roth - das brauche ich wieder!"

Langstrecke | 2. Juli 2012
Zehn Jahre nach ihrem Langstrecken-Debüt kehrt Sonja Tajsich als eine der besten deutschen Profis auf dieser Distanz zu ihren Wurzeln nach Roth zurück. Die Ansprüche sind deshalb völlig andere, sagt die 36-Jährige Regensburgerin im Interview.
Sonja Tajsich, Ihr Heimrennen über die Langdistanz ist in diesem Jahr gar kein richtiges Heimrennen. Denn Sie haben sich gegen den Ironman in Ihrer Heimatstadt Regensburg und für die Challenge in Roth entschieden. Warum?
"Roth war der Schritt auf die Langstrecke, mir war klar: Hier bin ich Zuhause.“
Dafür gibt es verschiedene Gründe, aber die zwei bedeutendsten sind, dass ich 2002 in Roth mein Langdistanzdebüt gefeiert habe und der Zieleinlauf so emotional war, dass ich wusste: „Das brauche ich wieder“! Das war der Schritt auf die Langstrecke, mir war klar: Hier bin ich zuhause. Seitdem wollte ich immer mal wieder nach Roth und diesen unglaublich stimmungsgeladenen Wettkampf machen, aber irgendetwas kam jedes Jahr dazwischen. Genau zehn Jahre später möchte ich endlich die Chance ergreifen und ich finde es wirklich spannend zu sehen, wie ich mich in diesen letzten zehn Jahren entwickelt habe, die von Studium, Auslandsaufenthalt, Vollzeitjob, Schwangerschaft und Geburt sowie einigen Jahren als Vollzeit-Profi geprägt waren. Außerdem ist die Challenge Roth heuer die Europameisterschaft, und einen Titel hätte ich wirklich gerne noch in meiner Sport-Vita verankert …
Sie starten schon fast traditionell etwas verhalten in die Saison. Sind Sie mit Ihren bisherigen Ergebnissen zufrieden?
Den Umständen entsprechend ja, nach den Ergebnissen nein. Ich hatte mir einen anderen Saisonstart gewünscht und dachte auch, das Zeug zu besseren Ergebnissen zu haben, doch es läuft nicht immer alles nach Wunsch und Traumvorstellung. Aber ich blicke nach vorn und bin froh, dass meine Hauptziele noch bevorstehen. Die Form stimmt wieder und ich freue mich auf die Highlights Roth und Hawaii!
Neben dem Sport haben Sie in diesem Sommer in Regensburg einen Laden eröffnet. Wie viel Energie hat das gekostet? 
Vielleicht mehr, als ich vorab angenommen hatte, aber die hauptsächliche Kraft musste im Frühjahr investiert werden und zu den anstrengendsten Zeiten hat mich mein Mann Tom, der mich nach wie vor unglaublich unterstützt, ins Trainingslager geschickt, um mich auf den Sport zu konzentrieren. Die Geschäftseröffnung war dann noch mal aufregend, aber durch die Krankheit im Mai wurde mir eine Zwangspause verordnet. Jetzt ist das Geschäft eröffnet und läuft und ich konzentriere mich auf den Sport und unsere Tochter Lisa.
Ihr Trainer Ralf Ebli sagt: „Nach den Gewöhnungsjahren ist die Schonfrist jetzt vorbei und wir können loslegen.“ Was hat sich für Sie geändert?
"Ich habe schon gestaunt, was ich alles trainieren soll. Und wie gut das ging."
Wir trainieren sehr fokussiert und überlegt. Es sind harte Trainingseinheiten dabei, richtig harte Phasen, aber auch Grundlagentraining und Erholungsmomente. Ralf arbeitet zielstrebig und wir stehen in ständigem Kontakt. Die letzten zehn Tage habe ich schon gestaunt, was ich alles trainieren soll und vor allem wie, aber interessanterweise ging das sehr gut. Macht Spaß!
Ihre Saisonziele haben Sie ziemlich hoch gesteckt: Sieg in Roth und das Treppchen auf Hawaii. Wie wollen Sie die starke Konkurrenz bei der Challenge schlagen?
Natürlich ist mir klar, dass es in Roth starke Konkurrenz gibt. Vor allem mit Rachel Joyce steht eine absolute Weltklasse-Athletin am Start, die meiner Meinung nach dieses Jahr auch in Kona um den Titel kämpfen wird. Allerdings bin auch ich nach überstandener Viruserkrankung wieder in Topform. Meine Strategie ist klar: den Rückstand beim Schwimmen möglichst unter zehn Minuten halten und beim Radfahren und Laufen Vollgas geben!
Knackt Sonja Tajsich in Roth erneut die Neun-Stunden-Marke?
Wenn ich ganz ehrlich bin: Davon gehe ich aus …