Schildknecht und Bazlen holen sich den Sieg

Wenn bei einem Musik-Festival ein großer Teil der Stars absagt, ist das eine Katastrophe. Wenn beim Citytriathlon Heilbronn ein großer Teil der Stars absagt, ist das ein spannendes Rennen – bei dem am Ende Ronnie Schildknecht und Svenja Bazlen ganz oben auf dem Treppchen standen.

Von > | 23. Juni 2013 | Aus: SZENE

Ronnie Schildknecht siegt in Heilbronn | Hoch das Banner -- Ronnie Schildknecht siegt beim Citytriathlon Heilbronn 2013

Hoch das Banner -- Ronnie Schildknecht siegt beim Citytriathlon Heilbronn 2013

Foto >Carola Felchner / spomedis

Sebastian Kienle: bakterieller Infekt, Andreas Böcherer: verknackster Fuß, Eva Wutti: schmerzendes Knie, Julia Gajer: Erkältung. Allesamt mussten – teils sehr kurzfristig – ihren Start beim Citytriathlon Heilbronn absagen. Einerseits schade, zumal mit Kienle und Wutti (AUT) beide Vorjahressieger fehlten. Andererseits hat sich das Rennen in Heilbronn bereits in seinem vierten Austragungsjahr so im Rennkalender der Triathlon-Profis etabliert, dass noch immer genügend Topathleten am Start standen, um den Wettkampf mit einer ordentlichen Portion Spannung aufzuladen.

Angriff auf dem Rad

Unter dem Jubel des Heilbronner Publikums kletterte bei leichtem Nieselregen eine Vierergruppe mit Faris Al-Sultan, Daniel Unger, dem Tschechen Filip Ospaly und dem Schweizer Jungprofi Jan van Berken nach rund 22 Minuten als Erste aus dem trüben Neckarwasser. Die Gruppe um den späteren Sieger Ronnie Schildknecht folgte mit zirka einer Minute Abstand. „Ich hatte gehofft, dass ich im Schwimmen dranbleiben kann – das Rennen ist für mich perfekt gelaufen“, erklärt der sechsfache Sieger des Ironman Switzerland. Zusammen mit Andreas Dreitz vom Team Erdinger Alkoholfrei nahm er auf dem Rad die Verfolgung auf, nach etwa 30 Kilometern war die Spitze, bestehend aus Jan van Berken und dem ehemaligen Kurzdistanz-Weltmeister Daniel Unger, gestellt – und überholt. Ein Manöver, das auch dazu dienen sollte, die laufschnellen (Ex-)Kurzdistanzler wie Unger, Filip Ospaly oder Jan Raphael auf Distanz zu setzen. Und ein Unterfangen, das einiges an Fahrkönnen und Radbeherrschung forderte.

Denn der ohnehin schon anspruchsvolle Radkurs über verwinkelte, hügelige 70 Kilometer war durch einen Regenschauer nass, die Abfahrten teils rutschig. Doch Dutzende freiwilliger Helfer winkten Profis wie auch Altersklasseathleten zuverlässig auf den richtigen Kurs – und schon bald trockneten die ersten Sonnenstrahlen die Fahrbahn. Beim 15-Kilometer-Lauf entlang des Neckarufers und durch die Heilbronner Innenstadt, zementierte Ronnie Schildknecht seine Führung, während sich hinter ihm ein spannender Kampf um Platz zwei abspielte – obwohl es lange Zeit so aussah als wäre der Andreas Dreitz nicht mehr zu nehmen.

Der mehrfache Sieger des Ironman 70.3 St. Pölten, Filip Ospaly, zündete in der dritten Disziplin den Turbo. Von Platz vier kämpfte er sich zunächst an Daniel Unger vorbei, und überholte kurz vor dem Ziel auch noch den jungen Oberfranken. „Ich hatte gestern ja schon gesagt, dass der zweite Platz besser für mich ist als der erste“, freute sich Ospaly im Ziel. Dabei wäre die Heimfahrt nach Tschechien sicher komfortabel geworden, in dem mächtigen Audi, den die beiden Sieger nun für ein Jahr lang mit nach Hause nehmen dürfen. Diesmal wird der Wagen also Schweizer Nummernschilder bekommen. „Man kann immer noch was verbessern, aber ich bin sehr zufrieden“, resümiert Schildknecht seine Leistung.

Nicht ganz so zufrieden waren dagegen seine Profikollegen Faris Al-Sultan und Jan Raphael vom Powerhorse Triathlon Team: Beide als Podiumskandidaten gehandelt, schafften sie es nicht unter die Top 5. Ersterer war schon etwas angeschlagen angereist – leichte Erkältung, Rückenziepen, nach Lanzarote noch nicht wieder in Bestform. „Auf das, was ich heute gebracht habe, kann man nicht stolz sein“, räumt Al-Sultan ein. „Aber das ist Leistungssport und wenn ich nach jedem Rennen rumheulen würde, das nicht so gelaufen ist wie ich mir das vorgestellt hatte, käme ich zu sonst gar nichts mehr.“ Mit dem Steeltownman Linz steht bereits am 6. Juli das nächste Rennen an, bei dem er es besser machen kann. Dass es bei Jan Raphael nicht reichte, lag seiner Meinung nach wohl auch „am Trainingslager, das ich zwei Wochen lang hier in der Gegend mit meinem Teamkollegen Timo Bracht absolviert habe. Das waren einfach ein paar Höhenmeter zu viel.“ Spaß gemacht hat ihm der fordernde Kurs aber trotzdem. Jetzt will er bis zu seinem Start beim Ironman Germany die Beine etwas baumeln lassen, um am 7. Juli frisch in Frankfurt anzutreten.

Citytriathlon Heilbronn | Männer

  1. Juni 2013, Heilbronn (GER)

Name

Nation

Gesamt

2 km Swim

70 km Bike

15 km Run

1

Ronnie Schildknecht

SUI

2:57:02

0:23:24

1:44:06

0:48:01

2

Filip Ospaly

CZE

2:58:07

0:22:26

1:48:14

0:45:54

3

Andreas Dreitz

GER

2:58:10

0:23:21

1:44:07

0:49:07

4

Daniel Unger

GER

2:58:41

0:22:23

1:48:13

0:46:29

5

Johannes Moldan

GER

3:02:42

0:23:22

1:47:14

0:50:28

6

Tim Meyer

GER

3:03:40

0:23:29

1:49:46

0:48:42

7

Jan Raphael

GER

3:04:57

0:23:14

1:50:02

0:50:08

8

Felix Schumann

GER

3:05:37

0:23:22

1:49:56

0:50:33

9

Jan van Berken

SUI

3:07:26

0:22:23

1:52:51

0:50:34

10

Thomas Hellriegel

GER

3:09:20

0:23:21

1:50:01

0:53:48

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Bazlen marschiert durch

Bei den Frauen dominierte Svenja Bazlen das Rennen. Erst diese Saison von der Kurz- auf die längeren Distanzen gewechselt, dominierte sie den Wettkampf von Beginn an. Nach einem starken Schwimmen, zog sie auf dem Rad Sekunde um Sekunde zwischen sich und ihre Konkurrentinnen, bevor sie mit einem Vorsprung von 12 Minuten vor Jenny Schulz durch den Zielbogen auf dem Heilbronner Marktplatz schoss. Diese hatte sich am Neckarufer einen echten Laufkrimi mit der Vorjahreszweiten Daniela Sämmler geliefert, den die Deutsche Vizemeisterin auf der Mitteldistanz schlussendlich mit einer beachtlichen Laufzeit von 53:33 Minuten für sich entscheiden konnte. „Es hat im Großen und Ganzen so geklappt wie geplant“, freute sich Bazlen im Ziel.

Citytriathlon Heilbronn | Frauen

  1. Juni 2013, Heilbronn (GER)

Name

Nation

Gesamt

2 km Swim

70 km Bike

15 km Run

1

Svenja Bazlen

GER

3:14:49

0:23:16

1:56:13

0:53:40

2

Jenny Schulz

GER

3:26:52

0:28:16

2:03:03

0:53:33

3

Daniela Sämmler

GER

3:31:22

0:25:10

2:09:07

0:55:17

4

Tanja Erath

GER

3:40:39

0:25:29

2:05:32

1:07:47

5

Marion Hebding

GER

3:43:55

0:31:44

2:11:10

0:58:25

6

Anja Siegloch

GER

3:45:32

0:23:41

2:19:36

1:00:00

7

Kim Peßler

GER

3:54:11

0:29:54

2:16:45

1:05:16

8

Nadine Bucci

ITA

3:54:31

0:38:09

2:13:07

1:00:57

9

Petra Schmiedel

GER

4:00:52

0:35:06

2:18:11

1:05:09

10

Stephanie Nothof

GER

4:01:36

0:33:31

2:15:53

1:10:13

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