Segelschein im Sonnenschein

Wie gut, dass ich mal den Segelschein gemacht habe und aus dem windigen Norden komme. Hätte ich mich sonst so gekonnt mit meinem Rennrad gegen den sehr kräftigen Seitenwind lehnen können, um ein Abdriften nach Lee zu verhindern oder gar ein Kentern, äh, ein Umfallen? Ich war zum Trainieren auf Fuerteventura und weiß jetzt endlich, warum die Insel diesen Namen trägt.

Von > | 28. Februar 2014 | Aus: SZENE

Thorsten Schröder | Tagesschausprecher Thorsten Schröder bereitet sich auf den Ironman in Frankfurt vor.

Tagesschausprecher Thorsten Schröder bereitet sich auf den Ironman in Frankfurt vor.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Vor zwei Jahren bei meinem ersten Besuch dort wunderte ich mich noch, wo denn der angeblich so starke Wind blasen soll? Damals begleitete mich beim Radeln und Laufen nur ein laues Lüftchen. Jetzt aber wehte ein ganz anderer Wind und bescherte mir an diesem "Segeltag" erst intensives Kraftausdauertraining, und anschließend einen Geschwindigkeitsrekord. Denn als der Wind endlich auch mal von hinten kam und mich vorwärtskatapultierte, erblickte ich auf meinem Radcomputer in der Rubrik "Kilometer pro Stunde" die Zahl 78. Aber nur ganz kurz, denn bei der Raserei schaute ich doch besser wieder schnell auf die Straße, um nicht im Graben oder am Kühler eines Autos zu landen.

Sonst hätte ich auch einen Tag später nicht zusammen mit Sebastian Kienle trainieren können. Der 70.3-Weltmeister und ich benutzten zufällig dieselbe Schwimmbahn im Becken unseres Sporthotels und ich erlebte das, wovon viele andere Triathleten nur träumen können: mit gekonnten Kraulzügen zog ich zügig an Kienle vorbei. Zugegeben; noch beeindruckender wäre meine Leistung gewesen, wenn auch Kienle gekrault wäre. Doch er versuchte sich gerade im Rückenschwimmen und machte dabei für mich unerklärliche Übungen. Ums Tempo ging es ihm offenbar nicht.

Am Renntag im Juli beim Ironman In Frankfurt wäre ich schon zufrieden, wenn ich deutlich kleinere Kaliber als den Kienle hinter mir lassen würde. Denn in meinem dritten Anlauf will ich nicht wieder an der 11-Stunden-Marke scheitern, sondern in 10 Stunden plus x jubelnd die Arme hochreißen - oder zur Not mit letzter Kraft über die Ziellinie plumpsen. Deswegen war ich nun frühzeitig im Trainingscamp und das Training ist dieses Jahr etwas umfangreicher als bisher. So umfangreich, dass es mittlerweile keine Ausnahme mehr ist, wenn ich erst kurz vor Mitternacht von meiner Laufeinheit nach Hause komme und doch noch sagen kann: Pensum erfüllt. Ganz nebenbei muss ich schließlich noch arbeiten, und so sind schon jetzt all die Verpflichtungen nicht immer leicht unterzubringen in den gerade einmal 24 Stunden eines Tages. Und das, obwohl die trainingsintensivste Zeit erst noch kommt.

Als ich mich im Sommer für den Ironman anmeldete, träumte ich noch davon, mich mit entsprechendem Training um etwa eine Stunde und 10 Minuten zu verbessern und mit etwas Glück endlich nach Hawaii reisen zu dürfen. Jetzt muss ich sagen: Träum’ weiter! Denn mittlerweile bin ich realistisch und weiß, dass ein solcher Leistungssprung innerhalb eines Jahres für mich völlig utopisch ist. Aber anfangen kann ich ja schon mal mit dem Weg in Richtung Hawaii-Quali-Zeit – zur Not mit praktischen Segelübungen.