Ironman Frankfurt Sieg des Geduldigen

Langstrecke | 5. Juli 2009
Er schien abgeschlagen, dann trumpfte er groß auf: Timo Bracht hat den Ironman Germany gewonnen und Chris McCormack und Eneko Llanos in die Schranken gewiesen. Andreas Raelert wurde Vierter.
Nach 30 Kilometern des abschließenden Marathon sah es noch nicht danach aus, als dürfte Timo Bracht nach 2007 seinen zweiten Sieg am Frankfurter Römer bejubeln. Denn zwei Minuten vor ihm hatte sich der Titelverteidiger Chris McCormack kurz zuvor an den bis dahin führenden Spanier Eneko Llanos herangepirscht - und auf seiner Jagd auch Timo Bracht abgehängt, mit dem er gemeinsam die erste von vier Laufrunden angegangen war. Doch Brachts Renntaktik war wohl die schlauste, seine Kräfteeinteilung die beste. Denn während McCormack und Llanos den Anstrengungen eines schnellen Rennens in die Gesichter geschrieben stand, drehte der Eberbacher auf dem letzten Teil der Laufstrecke noch einmal auf: Nach 37 Kilometern übernahm der 33-Jährige die Führung und durfte am Ende nach 7:59:16 Stunden neben seinem zweiten Sieg auch über einen neuen Streckenrekord, eine persönliche Bestleistung und eine Zeit unterhalb der Acht-Stunden-Marke jubeln. Erneut nur um eine gute Minute unterlegen war der Spanier Llanos, der nach dem Vorjahresrennen am Main und dem Ironman Hawaii zum dritten Mal in Folge bei einem großen Wettkampf mit der Silbermedaille Vorlieb nehmen musste. McCormack konnte sich als Dritter um nur 24 Sekunden vor dem starken Endspurt des Rostockers Andreas Raelert ins Ziel retten.

Raelert sortiert das Feld

Brachts Sieg zeigt einmal mehr, dass es beim Ironman manchmal ein großes Maß an Selbstbewusstein braucht und ebensoviel Coolness, um am Ende in einem starken Feld ganz vorn landen zu können. Denn lange Zeit sah es nicht gut aus für den Eberbacher. In der ersten Rennphase des Ironman waren es vor allem die Athleten, die erst kürzlich von der olympischen auf die Langdistanz umgestiegen waren, die mit einem hohen Tempo auf eine frühe Vorentscheidung drängten. Beim Schwimmen sorgte vom Startschuss weg der zweimalige Olympiateilnehmer Andreas Raelert für einen Rhythmus, den nur wenige Kontrahenten mitgehen konnten und der die Spitzengruppe mit den Favoriten schon auf der ersten von zwei zu schwimmenden Runden zerteilte. Nur Terenzo Bozzone aus Neuseeland, die spanischen Brüder Eneko und Hector Llanos, der Schweizer Mathias Hecht und Faris Al-Sultan konnten dem hohen Tempo folgen. Selbst so bekannt gute Schwimmer wie der Titelverteidiger Chris McCormack, Jan Raphael und Markus Fachbach oder der Lokalmatador Timo Bracht mussten nach dem Schwimmen einen Rückstand von zweieinhalb Minuten hinnehmen.

Llanos flüchtet im zweiten Anlauf

Diese Spitzengruppe arbeitete auch auf dem Rad gut zusammen. Die sechs Athleten konnten ihren Vorsprung sogar ausbauen: Nach 70 Radkilometern lagen Bracht und McCormack bereits dreieinhalb Minuten zurück. Fünfzehn Kilometer später ergriff der Vorjahreszweite Eneko Llanos die Initiative und konnte sich leicht von der Konkurrenz absetzen. Raelert und der Schweizer Mathias Hecht waren die einzigen, die diesen ersten Angriff des Spaniers parieren konnten und zu Llanos aufschlossen. Zunächst. Dann fiel als erstes Hecht dem Tempo des konzentriert in der Aeroposition verharrenden Spaniers zum Opfer, dann musste auch Raelert abreißen lassen.
Der Weg für den auch als schnellen Läufer bekannten Eneko Llanos schien frei, als er mit 2:19 Minuten Vorsprung auf Raelert als Führender auf die Laufstrecke entlang des Main ging. Mit lockerem Schritt startete der Vorjahreszweite in die 42,195 Kilometer lange Laufstrecke. Seine ersten Verfolger waren Chris McCormack und Timo Bracht, die Schulter an Schulter die Verfolgung aufnahmen. Bereits nach drei Kilometern sammelten die beiden Ausnahmeläufer den sichtlich angeschlagenen Raelert ein. Auf Llanos allerdings können die beiden aber zunächst keine Zeit gutmachen. Im Gegenteil: Llanos baute seine Führung auf der ersten Laufrunde noch aus.

Timo Bracht als lachender Dritter

Dann wuchs die Spannung an den schmalen Fußwegen auf beiden Mainufern spürbar. McCormack hatte sich von Bracht gelöst und jetzt schmolz der Rückstand zu Llanos Sekunde um Sekunde. Nach 28 Kilometern war der Australier dran und alles sah danach aus, als würde der Sieger wie im Vorjahr unter diesen beiden Athleten sein. Der kühlen Renntaktik eines Timo Bracht waren aber auch diese Weltklasseathleten an diesem Tag nicht gewachsen.
Ironman European Championship Frankfurt
5. Juli 2009, Frankfurt am Main
3,8 km Swim180 km Bike42,2 km RunGesamt
1Timo BrachtGER47:454:24:512:43:067:59:15
2Eneko LlanosESP44:594:24:242:47:218:00:21
3Chris McCormackAUS47:464:24:522:46:598:03:05
4Andreas RaelertGER44:564:26:382:48:108:03:29
5Mathias HechtSUI44:594:27:342:55:238:11:56
6Faris Al-SultanGER45:064:31:312:59:458:20:25
7Frank VytrisalGER47:574:24:443:08:338:25:20
8Nils GoerkeGER54:314:40:582:50:178:29:39
9Terenzo BozzoneNZL45:014:35:503:05:198:29:40
10Hans MühlbauerGER48:414:47:202:54:568:34:28