Siegfried Schmidt: "Mein Traumziel ist das Podium"

Am 10. Oktober 2015 wird Altersklassen-Athlet Siegfried Schmidt in der Bucht von Kailua-Kona den Startschuss zum Ironman Hawaii entgegenfiebern. Das Besondere: Er ist an diesem Tag bereits 72 Jahre alt. Sein Erfolgsrezept verrät der Berliner im Interview mit tri-mag.de.

Von > | 29. September 2015 | Aus: SZENE

Headerbild Siegfried Schmidt | Siegfried Schmidt

Siegfried Schmidt

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Herr Schmidt, mit 72 Jahren haben Sie sich für den Ironman Hawaii qualifiziert. Wie viel Zeit wenden Sie für Ihr Training auf?
Das ist natürlich unterschiedlich, je nach Jahreszeit und Wettkampfplanung! Durchweg, also auch den ganzen Winter hindurch, gehe ich jede Woche zweimal schwimmen, zweimal laufen, davon einmal über zwei Stunden, und zweimal Rad fahren. Im Winter nehme ich das Mountainbike. So kommen dann sieben bis neun Stunden pro Woche zusammen. Im Frühling und Sommer steigert sich der Umfang dann langsam: Vor allem im Frühsommer mache ich noch mindestens eine lange Radausfahrt von viereinhalb bis fünf Stunden pro Woche, sodass ich drei bis vier Monate vor einer Langdistanz – natürlich periodisiert – zwischen 10 und 14 Stunden pro Woche trainiere. Bis 14 Tage vorher, dann wird natürlich reduziert.

Trainieren Sie lieber im Verein oder allein?
Ich bin zwar bei den "Tri-Finishern Berlin" organisiert, trainiere aber das Schwimmen überwiegend allein. Beim Radfahren gibt es den einen oder anderen Trainingspartner - insbesondere bei den längeren Ausfahrten von mehr als zwei Stunden. Auch beim Laufen habe ich bis auf wenige Ausnahmen einen Laufpartner, schon allein um die sozialen Kontakte zu pflegen und sich eben nicht nur über Sport und Triathlon auszutauschen. Nur die wenigsten meine Sportpartner trainieren für einen Ironman, viele sind nicht einmal Triathleten, sondern haben andere sportliche Ziele wie Halbmarathon, Marathon, Volksläufe, Sprint- oder olympische Distanzen.

In diesem Jahr ist Ihr Trainingskonzept voll aufgegangen - Sie haben sich für die Ironman-WM auf Hawaii qualifiziert. Bei welchem Wettkampf und mit welcher Zeit ist Ihnen das gelungen?
Das war im August beim Ironman Kalmar in Schweden mit einer Zeit von 14:34:11 Stunden. Das war allerdings mein bisher schlechtestes Ergebnis, aber mangels Konkurrenz fehlte mir beim Marathon die Motivation und ich habe mich entschlossen, meinen Körper schon ein bisschen für Hawaii zu schonen. Die Regeneration in meinem Alter dauert doch erheblich länger als bei jüngeren Athleten.

Siegfried Schmidt Kalmar | Qualifiziert hat sich der Berliner mit einer Zeit von 14:34:11 Stunden beim Ironman Kalmar 2015.

Qualifiziert hat sich der Berliner mit einer Zeit von 14:34:11 Stunden beim Ironman Kalmar 2015.

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Wie oft waren Sie schon auf Big Island dabei?
Es wird mein vierter Start sein: 2008 bin ich auf dem sechsten Platz gelandet, 2010 auf dem achten und 2013 habe ich es als Fünfter endlich einmal aufs Podium geschafft. Die Zeiten schwankten immer um die 14-Stunden-Marke.

Haben Sie ein Erfolgsrezept?
Regelmäßig Sport treiben, und zwar auch im Winter, wenn auch vermindert. Ich achte darauf, über den Winter nicht mehr als zwei Kilogramm zuzunehmen. Man sollte möglichst immer mit Lust ans Training herangehen und sich die Leidenschaft für den Sport erhalten. Dazu gehört, auch mal Trainingseinheiten zu tauschen, zu verkürzen oder ganz ausfallen zu lassen, wenn das Wetter nicht mitspielt oder Motivation und Gesundheit streiken. Vor allem sollte man nicht nach einem starren Plan trainieren, sondern immer äußere Bedingungen beachten und soziale Kontakte pflegen, und deshalb immer zu zeitlichen und trainingsinhaltlichen Kompromissen bereit sein. Bei mir ist es zum Beispiel so, dass nicht alle meine Trainingspartner schon Rentner sind und ihre Arbeitszeit frei gestalten können.

Wie haben Sie sich im Training motiviert?
Mit der Lust am Sport, dem herrlichen Gefühl danach, der Entspannung beim Ausdauersport selbst, mit meinem Gesundheitsbewusstsein, dem Willen, schlank und beweglich zu bleiben, also eine hohe Lebensqualität zu bewahren und dem Alter angemessen, noch halbwegs ansprechend auszusehen. Die letzten Argumente sind natürlich einer gewissen Eitelkeit geschuldet, das gebe ich gern zu. Dazu kommen natürlich so schöne Momente wie der Zieleinlauf, sozusagen "der Lohn nach getaner Arbeit“. Und da kann man noch unterscheiden zwischen kürzeren Wettkämpfen, einer Mitteldistanz und einer Langdistanz. Unter den Ziellinie beim Ironman ist das allergrößte Erlebnis und ein geradezu euphorischer Moment das Einschwenken auf die Finishline auf Hawaii! Und da ich Big Island sehr schön und interessant und auch beim vierten Start noch immer nicht langweilig finde, wurde meine Motivation ganz besonders von dem Ziel gespeist, sich zumindest noch einmal dafür zu qualifizieren.

Das hört sich nach einer ganzen Menge Motivation an. Hat der "alte Hase" einen speziellen Tipp für das Langdistanz-Training?
Regelmäßig und das ganze Jahr über Ausdauersport betreiben, im Winter möglichst zusätzlich oder alternativ noch ein bis zwei Wochen intensiv Skilanglauf. Man sollte sich natürlich bewusst und gesund ernähren, soziale Kontakte aufrechterhalten und ausreichend pflegen. Außerdem: auch mal etwas ganz anderes machen! Konzerte, Theater und Ausstellungen besuchen, lesen, möglicherweise selbst literarisch schreiben, wie ich das mache. Wichtig ist, die letzten drei bis vier Monate periodisiert zehn bis 14 Stunden pro Woche zu trainieren. Und da orientiere ich mich sehr häufig an der Zeitschrift triathlon training, die mir sehr gut gefällt, natürlich auf meine Bedürfnisse, Möglichkeiten und vor allem auf mein Alter zugeschnitten.

Mit welchem Ziel gehen Sie in Ihre vierte Ironman-WM?
Meine Ziele sind abgestuft. Erstens: Einfach nur zu finishen und mich dabei noch einigermaßen gut fühlen; Zweitens: Unter den Top-Ten meiner Altersklasse zu finishen; Drittens - und das ist mein großer Traum: Noch einmal unter die ersten fünf meiner Altersklasse zu kommen. Ich glaube aber, dass dieser Podiumsplatz kaum möglich sein wird, denn ich bin zwei Jahre älter geworden, und es rücken mit jedem Jahrgang recht gute 70-Jährige nach. In meinem Alter kann jedes Lebensjahr entscheidend sein.

Sie wollen mehr Geschichten von und über Triathleten, die sich für den Ironman Hawaii qualifiziert haben? In der aktuellen Ausgabe der triathlon (Nr. 135) finden Sie Steckbriefe von Profis und Altersklassen-Athleten. Eine kleine Leseprobe gibt's hier: