Starykowicz: "Ich will gewinnen"

An Selbstbewusstsein mangelt es dem Chicagoer Andrew Starykowicz nicht. Vor dem Ironman Hawaii setzt er auf zwei Dinge: Er will den Radrekord von Normann Stadler brechen und das Rennen gewinnen.

Von > | 11. Oktober 2014 | Aus: SZENE

Andrew Starykowicz | Andrew Starykowicz geht voller Zuversicht ins Rennen - auf dem Rad will er allen anderen davonfahren.

Andrew Starykowicz geht voller Zuversicht ins Rennen - auf dem Rad will er allen anderen davonfahren.

Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Andrew Starykowicz hat sich noch nicht richtig zum Gesprächstermin an den Tisch gesetzt, da ist der entscheidende Satz schon gefallen. „Ich will das Rennen gewinnen“, sagt der 32-Jährige, der die Ironman-Welt schon ein paar Mal geschockt hat in seiner Laufbahn. Bislang waren es aber weniger seine Aussagen als vielmehr die Taten des Chicagoers, der beim Ironman Florida im vergangenen Jahr 4:02:17 Stunden gefeuert ist. Nur zur Erinnerung, das war damals keine Marathonzeit.

Flugrost schützt vorm Fliegen nicht

Was es bis dato an Fakten auf dem Rad vom US-Amerikaner zu sehen gab, war schlichtweg einschüchternd und mitunter auch schockierend für die Konkurrenz, die einem Staubwölkchen hinterherschaute, wenn Andrew Starykowicz vorbeihämmerte. „Es geht nicht darum, schön auf dem Rad zu sitzen, sondern effektiv“, sagt er. Inzwischen sitzt er am Esstisch in seinem Appartement in Kailua-Kona und zeigt auf sein Rad, das an der Wand lehnt. Andere Räder wirken wie mit Politur überzogen in den Tagen vor dem Rennen in Kona, bei Starykowicz hat sich an den Schrauben des Aerolenkers sogar schon etwas Flugrost angesammelt. Nicht nur für steht fest, dass es entscheidend ist, mit einer Performance im Rennen zu glänzen statt in den Tagen zuvor.

Andrew Starykowicz ist auf einer Mission, die zwei Titel trägt, „Radrekord“ lautet der eine, „Ironman World Champion“ der andere. „Dieses Jahr wird es beim Schwimmen ganz brutal werden oder ganz taktisch“, sagt er. „Alles hängt davon ab, was das Ego jedes Athleten in der Spitzengruppe macht.“ Damit spielt er auf Jan Frodeno an und auch auf andere Topschwimmer wie den Neuseeländer Bevan Docherty, die, wenn sie denn wollen, zusammen mit dem US-Amerikaner Andy Potts ganz früh Alarm machen könnte – je nachdem, was ihr Ego sagt. „Bei manchen kommt es vielleicht auch ein bisschen darauf an, ob sie ein entsprechendes Sponsoring dafür haben“, sagt er. Fest steht für Starykowicz nur, dass Andy Potts wieder der Erste sein dürfte, der nach knapp 50 Minuten am Pier von Kailua-Kona aus dem Wasser klettert. „Mit den Jungs kann ich mich im Wasser nicht vergleichen.“ Aber dann kommt: die Starykowicz-Show.

Klares Ziel: Normann Stadler ärgern

Lächelnd schaut Andrew Starykowiz herüber, erst smart, als er die ersten Worte spricht, dann wächst sich das Lächeln zu einem breiten, schelmischen Grinsen aus. Er antwortet gerade auf die Frage, was mit dem Radrekord von Kona ist, jenen 4:18:23, die Normann Stadler im Jahr 2006 auf den Kurs zimmerte. „Am Samstag wird es einen Radrekord geben“, sagt Starykowicz erst - und dann: „Es wird einen Jungen bei euch zu Hause geben, der am Samstag richtig sauer sein wird.“ Natürlich hänge wie immer in Kona alles vom Wetter ab, ob es sehr heiß wird, was der Wind macht und wie sein verhältnismäßig großer Körper mit den schwülen Konditionen zurechtkommt. Aber fest steht, dasser mit großem Vorsprung vom Rad steigen wird. Starykowicz erinnert sich daran, dass der US-Amerikaner Steve Larsen im Jahr 2001 satte 12 Minuten schneller war als Stadler und die Radzeit von Thomas Hellriegel sogar um 15 Minuten getoppt hat.

Es ist jedoch nicht so, dass Andrew Starykowicz am Samstag auf dem Rad als Feuerwerker fungieren will, der sich auf dem letzten Drittel der Strecke selbst entzündet. „Ich arbeite seit 2006 gezielt an meinem Laufen“, sagt er vielmehr, „ich muss einigen Vorsprung haben, aber ich will gewinnen. Du investierst so viel in die Vorbereitung auf dieses Rennen, also möchtest du auch zeigen, dass es darum geht, hier zu siegen.“ Je nachdem, wie taktisch Starykowicz fahren wird, könnten unter Umständen auch andere Monsterradler wie Sebastian Kienle oder Luke McKenzie zu ihm aufschließen.

Assistenz aus Australien?

Gerade der Australier Luke McKenzie fühlt sich in Topform, nachdem sein Start in Roth im Juli mit Platz zehn danebengegangen ist. „Das hat auch sein Gutes“, sagt McKenzie, „man ist im Kopf noch hungrig auf ein gutes Rennen.“ Das würde der Vorjahreszweite gerne am Samstag haben, und der Schlüssel dazu ist ein starker Radsplit. „Ich habe keine Taktik, dass ich vielleicht wieder mit Sebastian fahren will“, sagt der 33-Jährige, „aber ich möchte auf jeden Fall aggressiv fahren.“ Da wäre Starykowicz doch vielleicht ein guter Partner, wahrscheinlich sogar ein zu guter. „Ich bin zwei Kilo leichter als letztes Jahr“, sagt McKenzie lächelnd – und deutet damit an, dass mit ihm noch stärker als vor Jahresfrist im Marathon zu rechnen ist. „Letztes Jahr hat Freddie (Van Lierde) hier mit 2:50 im Marathon gewonnen, das wäre nach einem starken Radfahren auch für mich okay. Ich denke aber, dass ich noch schneller laufen kann.“

Schneller als 2:50 Stunden kann Andrew Starykowicz den Marathon auf keinem Fall laufen, wahrscheinlich kann er auch nicht an der 3-Stunden-Marke kratzen. Aber es gibt genügend Experten in Kailua-Kona, die ihn für so stark auf dem Rad halten, dass er selbst mit einem Laufsplit von 3:05 den Sieg in der Tasche haben könnte. Im vergangenen Jahr ging Starykowicz als Führender nach der besten Radzeit von 4:21:50 Stunden auf die Laufstrecke – und wurde letztlich 21. „Der Lauf letztes Jahr war ein Desaster“, sagt er, „es war eine Lehrstunde.“ Eine, auf die am Samstag keine zweite folgen wird. Da ist sich Anndrew Starykowicz sicher.