Gute Laune mal sechs: Die Pressekonferenz bei der Challenge Roth 2013

Jan Sägert / spomedis

Gute Laune mal sechs: Die Pressekonferenz bei der Challenge Roth 2013
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Challenge Roth 2013 Steffen, Bracht und Co: Stimmen der Pressekonferenz

Langstrecke | 14. Juli 2013
Frisch geduscht und guter Laune erschienen die sechs schnellsten Profis bei der Challenge Roth 2013 auf der obligatorischen Pressekonferenz. Es ging um Wadenbeißer, explodierende Reifen und ungewöhnliche Streckenbesichtigungen. Wir haben die Stimmen zusammengefasst.
 
Caroline Steffen (SUI), Siegerin Frauen
"Ich bin mit meinem Schwimmen nicht ganz zufrieden. Ich hatte gehofft, hier unter 50 Minuten schwimmen zu können, weil ich wusste, dass es ein schneller Kurs ist. Ich weiß nicht genau was nach dem Start passiert ist. Ich habe die Gruppe verloren, in der ich eigentlich schwimmen wollte. So bin ich mit Julia aus dem Wasser gestiegen. Darüber war ich im Gegensatz zu ihr nicht wirklich glücklich. Aber mir war auch klar, dass zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 50 Minuten des Rennen vorbei waren und noch einige Stunden vor mir lagen. Also habe ich mich aufs Radfahren konzentriert. Auf den ersten 40 Kilometer habe ich mich mich schrecklich gefühlt. Meine Beine haben nicht das gemacht, was sie machen sollten. In der zweiten Runde habe ich mich dann besser gefühlt. Leider war die Gruppe, in der ich saß ein bisschen zu langsam, so dass ich zwei Optionen hatte: mich in Stücke zu reißen, damit eine oder zwei Minuten herauszufahren und den Marathon zu Fuß zu gehen oder in der Gruppe zu bleiben, mich von Yvonne einfangen zu lassen und den Marathon auf mich zukommen zu lassen. Das war eine neue Situation für mich. Normalerweise liege ich nach dem Radfahren vorn und werde dann beim Laufen eingeholt oder eben nicht. Dieses Mal war Yvonne vorn. Mein Trainer sagt mir immer wieder, dass ich endlich daran glauben soll, dass ich laufen kann. Er hat recht. Ich bin eine gut Läuferin. Ich bin nicht ganz zufrieden mit diesem Rennen, aber zugleich unheimlich stolz und glücklich mit meinem Marathon und mit dem Sieg natürlich."

"Ich hatte einige Höhen und Tiefen. Aber ich hatte mir fest vorgenommen, heute mein Rennen zu machen. Als Yvonne zu mir kam, habe ich versucht, mich allein auf mich zu konzentrieren. Ich wusste, dass sie eine starke Radfahrerin und eine gute Läuferin ist. Aber ich wollte dieses Rennen gewinnen und dafür musste ich meine Taktik ändern. Auch beim Laufen hatte ich zwei Optionen. Ich hätte sagen können: ich bin eine schlechte Läuferin, sie ist so schnell und ich bin mit dem zweiten Platz zufrieden. Die zweite war, zu sagen: okay, ich bin eine gute Läuferin und sollte genau jetzt auch daran glauben. Als ich dann wieder aufgelaufen bin, hatte ich Sorgen, dass sie mit mir mitlaufen, sich wie ein Hund in meiner Wade verbeißen und zehn Kilometer später immer noch an mir hängen würde. Also habe ich etwas ganz Verrücktes gemacht und bin einige Zeit lang 3:30 Minuten pro Kilometer gelaufen, um zu sehen wie sie reagiert. Das war heute erfolgreich - an einem anderen Tag könnte das mein Tod sein."
Dirk Bockel (LUX), Sieger Männer
„Ich möchte mich erst mal mich bei meiner Frau entschuldigen für die stressigen letzten Wochen. Ich war bestimmt nicht immer gut zu ertragen. Ich bin bereits für Hawaii qualifiziert und deshalb konnte ich endlich hier in Roth starten. Ich bin schon im Winter im Schnee die Strecke abgefahren, so sehr wollte ich hier ein gutes Rennen zeigen, ich wollte die Acht-Stunden-Marke knacken. Und dann wird es ein so verrückter Tag, das ist unglaublich. Ich habe hier persönliche Bestzeiten im Schwimmen, Radfahren und Laufen aufgestellt… Um es kurz zu machen: Das ist ein wahr gewordener Traum! Ich komme wieder, das ist überhaupt keine Frage!“
Yvonne van Vlerken (NED), Zweite
"Ich bin sehr zufrieden mit meiner Schwimmleistung - wie schon in den letzten Rennen. Das hat meine Art den Wettkampf zu gestalten verändern, weil es nicht mehr so lange dauert bis ich die Spitze erreiche. Das macht einfach viel mehr Spaß. Das Radfahren ist genau meins, da bin ich konstant gut und ich denke, dass ich bei meinen vergangenen Rennen immer die schnellste Radzeit gefahren bin. Der Marathon lief leider nicht so wie ich das geplant hatte. Aber das ist der Sport. Zwischenzeitlich hatte ich sogar Sorgen, meinen zweiten Platz noch zu verlieren, weil mir klar war, wie schnell Julia laufen kann. Ich bin sehr stolz und glücklich mit diesem zweiten Platz und hoffe, dass die Saison so weitergeht. Ich denke es ist keine Schande Zweite zu werden hinter Caroline Steffen. Sie ist auf Hawaii nicht umsonst zweimal Zweite geworden."
"Ehrlich gesagt, habe ich nicht damit gerechnet Caroline beim Radfahren einzuholen. Das hat meine Strategie ein bisschen über den Haufen geworfen. Ich wusste nicht wie ich reagieren soll und habe Jürgen Zäck gefragt. Der meinte ich soll hinter ihr bleiben. Ich weiß nicht warum, aber ich hab's gemacht. Vielleicht hätte ich das nicht tun sollen. Beim Laufen hat Caroline dann etwas sehr Interessantes gemacht: Ich dachte, wenn ich 4:10 Minuten pro Kilometer laufe, wird es ein sehr guter Marathon - dann kam Caroline und lief 3:30 Minuten pro Kilometer. Das war verrückt, so etwas wie Kamikaze. Ich wusste, dass ich hochgehen würde und dachte, dass ihr das auch passieren wird. Aber es ist nicht passiert. Caroline hatte heute einen extrem guten Lauf - sie hat gezeigt, dass sie sehr schnell laufen kann - auch wenn sie bisher nur für ihr starkes Schwimmen und Radfahren bekannt war. Ich freue mich für sie. Aber ich werde wiederkommen. Ich habe meiner Gastfamilie diesen dritten Löwen versprochen. Dann hoffe ich auf etwas kühleres Wetter - das liegt mir ein bisschen mehr."
James Cunnama (RSA), Zweiter
„Ich muss damit zufrieden sein, den zweiten Platz gewonnen zu haben. Ich hatte keinen perfekten Tag, aber Dirk hatte ihn. Bei jedem Start auf der Langdistanz merke ich wieder, wie viel zu einem guten Rennen dazu gehört. Ich habe es beim Laufen wirklich versucht, nachdem Schwimmen und die erste Hälfte der Radstrecke ganz gut liefen. Als Timo ausgefallen ist, musste ich mich entscheiden, ob ich bei Konstantin mitfahre oder ihn ziehen lasse. Ich habe versucht, mitzugehen, aber er war zu stark. In der Wechselzone habe ich von elf Minuten Vorsprung für Dirk gehört und dachte nur: Was??? Sag das noch mal! Der Vorsprung ist einfach nicht kleiner geworden, egal, was ich versucht habe.“
Julia Gajer (GER), Dritte
"Natürlich war das ein harter Tag heute, aber ich habe mich sehr stark gefühlt. Ich hatte ein großartiges Schwimmen, bin mit Caroline aus dem Wasser und war sehr glücklich darüber. Meine Taktik war aber, auf dem Rad nicht mit ihr zu fahren. Hätte ich das getan, wäre ich wohl nicht ins Ziel gekommen. Ich habe mich entschieden, mein eigenes konstantes Tempo zu fahren. Danach habe ich mich sehr stark gefühlt und bin richtig schnell in den Marathon gegangen. Zum Glück konnte ich das Tempo bis zum Schluss halten. Als ich mitbekommen habe, dass Yvonne Probleme hat, habe ich versucht noch ein bisschen schneller zu laufen. Am Ende war sie aber wieder stark. Deshalb bin ich kein bisschen unzufrieden mit diesem dritten Platz. Natürlich würde ich das Rennen hier eines Tages gern gewinnen. Aber ich bin noch jung, das hier war meine dritte Langdistanz. Ich noch ein paar Jahre Zeit, hierher zu kommen."
Timo Bracht (GER), Dritter
„Es war ein kleines Drama heute, ich bin gut geschwommen und habe mich auch auf dem Rad wirklich gut gefühlt. Das hat’s plötzlich geknallt und mein Hinterrad war platt. Ich wollte den Reifen wechseln und habe dabei gesehen, dass der Mantel und die Felge kaputt waren. Nach minutenlangem Warten bin ich weitergerollt und habe mir schon eine Bratwurst bestellt. Das Ersatzlaufrad, das ich bekommen hatte, war nur sehr flau aufgepumpt und endlich habe ich dann doch ein gutes Laufrad bekommen. Ich wollte das Rennen dann nur noch für meine Familie, mein Team und die Zuschauer hier fertig bringen. Ich habe viel über mich selbst gelernt. Das ist das Schöne am Triathlon. Ich bin stolz auf mich selbst. Dirk hat diesen Sieg aber wirklich verdient.“
 

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