Cozumel Tajsich Zweite, Favoriten straucheln

Langstrecke | 28. November 2011
Die Schweizerin Simone Benz und Michael Lovato (USA) haben den Ironman Cozumel gewonnen. Benz verwies Sonja Tajsich auf Platz zwei. In einem kuriosen Männerrennen scheiterten fast alle Favoriten auf der Laufstrecke. Bester Deutscher war Markus Thomschke als Neunter.
Ein Ironmantitel als vorfristiges Geburtstagsgeschenk - das hatte sich Sonja Tajsich vor dem Rennen in Cozumel wahrscheinlich gewünscht. Am Ende reichte es nach einem langen Tag voller Wetter- und Materialkapriolen "nur" zum zweiten Platz. Dabei war ihr vierter Ironmansieg beim Radfahren schon zum Greifen nah. Doch dann kam der Hawaii-Siebten die Defekthexe in die Quere und kein Materialwagen zu Hilfe. Das alles ändert aber nichts daran, dass am 3. Dezember ein noch wertvolleres Geschenk auf Sonja Tajsichs Gabentisch liegen wird - nämlich das Ticket für die Ironman-WM 2012.

Frust-Marathon nach Zwangspause

So richtig freuen konnte sich Tajsich nach dem Rennen darüber allerdings noch nicht. Denn nicht ihre sportliche Leistung, sondern hauptsächlich die ärgerliche Reifenpanne auf der zweiten von drei Radrunden hatte ihren Sieg verhindert. Als 14. des Profifeldes - rund zweieinhalb Minuten nach Topfavoritin und Titelverteidigerin Yvonne van Vlerken und fast 15 Minuten hinter der späteren Siegerin, Simone Benz aus der Schweiz, war Tajsich zuvor aus dem Atlantik gestiegen. Bis auf den vierten Rang jagte die Dritte des Ironman Germany dann auf der ersten von drei Radrunden nach vorn. Alles umsonst, zunächst. Denn der Defekt am Rad warf sie wieder weit zurück. "Von einem Pannenwagen war in der 20 Minuten langen Zwangspause nichts zu sehen", ärgerte sich die 35-Jährige nach dem Rennen. Doch Tajsich kämpfte. Als Fünfte - mehr als eine halbe Stunde nach Benz - schlüpfte sie schließlich in die Laufschuhe. Und es schien, als wolle sie sich dort den Frust von der Seele laufen. Mehr als drei Minuten nahm sie der führenden Schweizerin schon auf den ersten sieben Kilometern ab. Auch danach lief sie jeden Kilometer rund 30 Sekunden schneller als alle anderen und belohnte sich dafür nicht nur mit dem zweiten Platz: In 3:02:54 Stunden beschenkte sich Tajsich zudem mit einer neuen persönlichen Marathonbestzeit. Rang drei ging an die Belgierin Sophie de Groote. Ohne das erhoffte Erfolgserlebnis verabschiedete sich die zweifache Cozumel-Siegerin Yvonne van Vlerken in die Saisonpause. Die Niederländerin gab das Rennen nach einem Insektenstich auf. Beim Radfahren war sie zuvor bis auf den dritten Platz nach vorn gefahren.

Hecht mit Vollgas, deutsches Duo lauert

Das kuriose Rennen der Männer gewann der US-Amerikaner Michael Lovato. Er kam mit den kurzen Regenschauern, dem heftiger Wind und der hohen Luftfeuchte auf der kleinen Insel vor dem mexikanischen Festland am besten zurecht. Ein "Ausscheidungsrennen" hatte der Deutsche Christian Ritter für den Marathon gegenüber tri-mag.de vorausgesagt. Und Recht behalten. Doch der Reihe nach: Denn zunächst schien das Rennen für die Favoriten nach Plan zu laufen: Mit Mathias Hecht, Horst Reichel, dem Belgier Axel Zeebroek, US-Boy Brandon Marsh und Ritter lagen nach dem Schwimmen gleich sechs Anwärter auf den Sieg an der Spitze. Danach machte Hecht sein Versprechen war: Dem Vollgas des Schweizers konnten zunächst nur Reichel und Zeebroek folgen. Knapp dahinter lauerten Ritter, Lovato, der Aussie Chris McDonald und Swen Sundberg, der sein 3-Minuten-Handicap nach dem Schwimmen mit einem Kraftakt auf der ersten Radrunde aufholte. Fast in der gleichen Reihenfolge lieferten die Profis ihre Rennmaschinen nach den 180 Kilometern beim zweiten Wechsel ab. Nur McDonald fehlte. Der war eingangs der dritten Runde mit einem Helfer kollidiert und musste aufgeben.

Krämpfe, Eisbeutel und ein langer Fußmarsch

Es folgte das von Ritter befürchtete Ausscheidungsrennen. Das erste Opfer: Mathias Hecht. Schon nach sieben Kilometern wurde der Schweizer langsamer und gab später auf. Sundberg und Reichel verabschiedeten sich nach etwa 20 Kilometern aus dem Titelkampf. "Bei Kilometer 19 bekam ich Krämpfe in den Beinen", twitterte der zwischenzeitlich führende Darmstädter später vom "härtesten Ironman seiner Karriere". Den Rest sei er spazieren gegangen, so Reichel enttäuscht. Noch härter erwischte es Christian Ritter, der bis Kilometer 30 sogar von seinem ersten Ironmansieg träumen konnte. "Ich bin noch so hart gegen eine Wand gelaufen", beschrieb der Merseburger, was zwölf Kilometer vor dem Ziel passierte. Ungefähr 30 Minuten habe er sich mit einigen Eisbeuteln in den Schatten legen müssen, dann sei er nach Hause gegangen, erinnerte er sich später vage. Der schmerzhafte Fußmarsch dauerte mehr als 180 Minuten und endete nach gut elf Stunden. Da dürfte Michael Lovato schon frisch geduscht gewesen sein. In 8:23:52 Stunden kam der 38-Jährige - etwas unerwartet - doch noch zu seinem dritten Ironmantitel - dem ersten seit fünf Jahren. Auch Landsmann Patrick Evoe auf Platz zwei und der Spanier Alejandro Santamaria, der mit der schnellsten Laufzeit des Tages (2:52:00 Stunden) aufs Podium kam, trotzten den Wetterkapriolen erfolgreich. Für Mitfavorit Zeebroek endete der Tag auf Platz zehn. Damit landete der Belgier noch einen Rang hinter Neuprofi Markus Thomschke, der als Neunter und damit bester Deutscher 880 Punkte auf seinem Kona-Pro-Ranking-Konto verbuchen konnte.
Ironman Cozumel, Frauen
28. November 2011, Cozumel (Mexiko)
3,8 km Swim180 km Bike42,2 km BikeGesamt
1Simone BenzSUI48:574:55:473:25:109:14:08
2Sonja TajsichGER1:02:325:13:083:02:549:23:15
3Sophie de GrooteBEL54:465:08-123:18:259:26:07
4Terra CastroUSA54:565:19:483:20:289:39:35
5Kristin AndrewsUSA1:02:405:20:183:14:079:42:14
6Sara GrossCAN54:445:38:293:18:189:56:29
7Sarah PiampianoUSA1:02:265:24:363:25:449:57:58
8Christine KenneyUSA1:06:115:30:293:14:379:57:59
9Sonja WieckUSA58:225:30:393:27:1610:00:33
10Francesca TibaldiITA58:225:16:473:40:2410:01:39
Ironman Cozumel, Männer
28. November 2011, Cozumel (Mexiko)
3,8 km Swim180 km Bike42,2 km BikeGesamt
1Michael LovatoUSA48:474:29:443:01:418:23:52
2Patrick EvoeUSA53:024:34:362:59:238:30:36
3Alejandro SantamariaESP54:124:43:242:52:008:32:50
4Zach RubleUSA48:594:49:452:52:218:34:51
5Andrey LyatskiyRUS45:414:50:523:02:358:43:05
6Trevor DelsautFRA52:334:54:152:53:328:44:03
7Brandon MarshUSA45:364:43:083:12:458:45:43
8Bruno ClerboutFRA51:174:52:412:59:188:47:07
9Markus ThomschkeGER54:344:38:073:14:448:51:23
10Axel ZeebroekBEL45:434:40:483:23:058:54:06
...
12Mike SchifferleSUI59:394:42:393:14:409:01:18
15Michael WetzelGER54:554:56:123:11:599:07:02