Till Schramm beendet Nitschke-Serie

Fünfmal hintereinander hatte Christian Nitscke den Ostseeman an der Flensburger Förde gewonnen – jetzt gelang Till Schramm der Gegenschlag. Auch dem Niederländer Thijs Koelen musste sich Nitschke diesmal geschlagen geben.

Von > | 2. August 2015 | Aus: SZENE

Till Schramm | Sieger Till Schramm beim Ostseeman 2015 im Ziel

Sieger Till Schramm beim Ostseeman 2015 im Ziel

Foto >Sina Horsthemke / spomedis

Platz drei ist nicht gerade das, was Seriensieger Christian Nitschke vom Ostseeman gewöhnt ist. Doch der Rostocker, so sagte er im Ziel, sei diesmal froh, dieses überhaupt erreicht zu haben. Problem Nummer eins offenbarte sich ihm schon vor dem Start des 14. Ostseeman Glücksburg, nahe der dänischen Grenze: Als er am frühen Morgen letzte Handgriffe in der Wechselzone erledigen wollte, fand er sein Rad mit plattem Hinterreifen vor. Einen neuen Schlauchreifen aufkleben so kurz vor dem Start? Ein umständliches Unterfangen. Doch zum Glück half Nitschkes stärkster Gegner Till Schramm kurzerhand mit einem Hinterrad aus – und der Vorjahressieger konnte doch noch antreten zur Mission Titelverteidigung. Die lief zunächst auch ganz nach Plan für den Glücksburger Publikumsliebling.

Die Deutschen Sven Bergner und Matthias Epping sowie der Niederländer Martijn Paalman und auch sein Landsmann Thijs Koelen dominierten zwar das 3,8 Kilometer lange Schwimmen in der 16 Grad kalten Flensburger Förde, doch dann drehten die Favoriten auf. Hinter Paalman bildete sich auf den ersten von sechs 30 Kilometer langen Radrunden eine Verfolgergruppe mit den Favoriten Nitschke, Schramm und Koelen.

Zeitstrafe für Schramm

Die Rennsituation änderte sich, als Schramm „beim Überholen auf einem der schmalen Wege“ eine Zeitstrafe wegen Windschattenfahrens kassierte. In diesem Moment sei dem 30-Jährigen klargeworden, dass er seine Taktik ändern müsse. „Eigentlich war mein Plan, auf dem Rad mitzufahren und dann beim Laufen richtig Gas zu geben, aber mit der Pause in der Penalty Box konnte das nicht mehr funktionieren“, so Schramm. „Deshalb hatte ich beschlossen, die Konkurrenz lieber auf dem Rad zu zermürben.“ Um den schnellen Läufern vorzeitig den Stecker zu ziehen, setzte Schramm nach 100 von 180 Radkilometern eine Attacke nach der anderen, machte die Verfolgergruppe zur einer Handvoll Solisten und sammle noch vor dem zweiten Wechsel den führenden Niederländer Paalman ein. Die ganze Zeit mit dem Risiko, dass dieses Tempo nicht nur die Gegner, sondern auch ihn selbst zu viel Kraft kosten könnte.

Doch Schramms Plan B ging auf, nachdem er in der Wechselzone zunächst die Zeitstrafe absitzen und Koelen und Nitscke ziehen lassen musste. Nitschke startete den Marathon gewohnt schnell, überholte Koelen – bekam es dann aber mit Problem Nummer zwei dieses Tages zu tun: einer als ausgestanden geglaubten Hüftverletzung aus dem Winter. Die Beschwerden, die schnelles Laufen unmöglich machen, traten plötzlich wieder auf, Nitschke musste Tempo rausnehmen – und zulassen, dass die Verfolger immer näher kamen. Nachdem Schramm zuerst an einem sichtlich angeschlagenen Koelen vorbeigezogen war, überholte er in der dritten von fünf anspruchsvollen Laufrunden auch Dauersieger Nitscke. Damit war das Rennen entschieden – Schramm lief nach 8:37:28 Stunden als klarer Sieger vor Koelen (8:44:48 Stunden) ins Ziel, Nitschke wurde Dritter. „Ich bin nicht traurig über Platz drei“, so der Ostseeman-Dauersieger im Ziel unter Tränen. „Das war heute ein ganz besonderes Rennen und jedes andere hätte ich sicherlich heute nicht beendet.“ Auf die Frage, ob er es im nächsten Jahr wieder mit dem Sieg versuchen wolle, antwortete der 30-Jährige: „So wie heute kann ich mich hier jedenfalls nicht verabschieden.“

Pommes im Zoo

Auch Sieger Schramm konnte seine Tränen im Ziel nicht zurückhalten. „Für mich geht damit ein sportlicher Traum in Erfüllung. Ich habe zwei Kinder, die auf so vieles verzichten müssen. Die ganze Zeit habe ich mir vorgestellt, dass ich mir heute den Zoobesuch mit Pommes für uns alle verdienen muss.“ Koelen, der den Favoriten Nitschke bei Kilometer 30 überholte und sich damit im Gesamtklassement nach seinem dritten Platz im Vorjahr wieder einen Platz nach vorn gearbeitet hat: „Ab da war mir klar, dass das Podium sicher ist, ich freue mich sehr.“

Ostseeman | Männer

  1. August 2015, Glücksburg

Name

Nation

Gesamt

3,8 km Swim

180 km Bike

42,195 km Run

1

Till Schramm

GER

8:37:28

0:56:52

4:33:42

3:02:34

2

Thijs Koelen

NED

8:44:48

0:54:23

4:36:04

3:11:32

3

Christian Nitschke

GER

8:54:03

0:56:57

4:33:41

3:20:38

4

Martijn Paalman

NED

9:00:33

0:52:03

4:52:26

3:12:41

5

Sören Wallmen

GER

9:03:51

0:56:58

4:42:21

3:20:28

6

Leon Mattis

GER

9:13:22

0:59:15

4:47:33

3:23:05

7

Matthias Rosenkranz

GER

9:13:38

1:02:57

4:56:09

3:07:32

8

Sven Bergner

GER

9:20:48

0:51:54

4:51:32

3:33:26

9

Robert Kores

GER

9:22:16

0:57:00

4:55:51

3:25:59

10

Volkhard Wittchen

GER

9:26:49

1:11:51

4:45:37

3:23:25

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