Ein großes Interview mit Chrissie Wellington finden Sie in unserem Sonderheft zum Ironman Hawaii.

Sina Horsthemke / spomedis

Ein großes Interview mit Chrissie Wellington finden Sie in unserem Sonderheft zum Ironman Hawaii.
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Chrissie Wellington "Triathlon war nur ein Teil meines Lebenswerks"

Langstrecke | 7. November 2013
Beim Ironman Hawaii war Chrissie Wellington in diesem Jahr zum zweiten Mal in Folge nur Zuschauerin. Im Interview für unser Hawaii-Special spricht sie darüber, wie schwer das Ende ihrer Ironman-Ära zu akzeptieren war – und warum es trotzdem keinen Rücktritt vom Rücktritt geben wird.
Chrissie Wellington, was vermissen Sie seit Ihrem Rücktritt als Profi vor knapp einem Jahr am meisten?
Den Nervenkitzel des Wettkampfs. Es gibt nichts, das mich so erfüllt hat wie der Spaß während und nach einem Rennen – vor allem dann nicht, wenn ich es gewonnen habe. Das ist einfach ein unvergleichliches Gefühl. 
Christine Ann Wellington
 
Geburtstag: 18. Februar 1977
Wohnort: Bristol (GBR)
Familienstand: liiert (mit Profi Tom Lowe)
Größe: 170 cm
Gewicht: 60 kg
 
größte Erfolge 
1. Platz Ironman Hawaii 2007, 2008, 2009, 2011
1. Platz Ironman-EM Frankfurt 2009
1. Platz Challenge Roth 2009–2011
Warum haben Sie dann schon nach fünf – zugegeben sehr erfolgreichen – Jahren aufgehört?
Ich habe fünf Jahre meines Lebens gegeben, um das ­Maximale aus mir herauszuholen, ohne Kompro­misse und ohne etwas unversucht zu lassen. Fünf Jahre auf ­exzellentem Niveau sind doch viel besser als zehn im Mittelmaß, oder? Natürlich war das sehr intensiv, aber ich habe jede Minute davon genossen. Auf der anderen Seite war mir von Anfang an klar, dass sich mein Leben nicht dauerhaft um den Sport drehen und ich im Triathlon nicht meine einzige Erfüllung finden würde. Er war für mich wie der Zweig eines Baumes, ein Teil meines Gesamtlebenswerks.
Das klingt, als sei es Ihnen nicht besonders schwer gefallen, sich vom Triathlon zu verabschieden und in den Alltag zurückzukehren.
Ich gebe zu, dass das Jahr nach meinem Rücktritt psychologisch nicht ganz einfach war für mich. Es fiel mir wirklich schwer, nicht mehr vier bis sechs Stunden täglich zu trainieren. Mir fehlten die Struktur im Alltag und auch die sportlichen Ziele, die ich sonst vor Augen hatte. Dazu kam mein Kontrollzwang. Ich konnte zunächst nur schwer akzeptieren, dass die Ära Ironman jetzt vorbei sein ­sollte. Genau darin lag für mich aber auch eine große Herausforderung. Ich wollte mir ­beweisen, dass ich mit den emotionalen Konsequenzen klarkomme und lernen kann, wieder „normal“ zu leben. Mittler­weile möchte ich mein jetziges Leben auch nicht wieder gegen das alte eintauschen.
Sie hinterlassen Ihren Konkurrentinnen einige Bestmarken. Die Österreicherin Eva Wutti hat im August beim Ironman Copenhagen an Ihrer Ironman-Weltbestzeit ­gekratzt. Haben Sie Angst davor, Ihre Rekorde eines ­Tages zu verlieren?
Rekorde sind dazu da, gebrochen zu werden. Mir ist klar, dass ich meine nicht für immer behalten werde. Deshalb habe ich auch keine Angst davor, sie irgendwann zu verlieren. Ich hoffe, dass ich Athleten dazu inspiriert habe, meine Rekorde zu brechen. Zugleich ist es mir wichtig, ein Erbe hinterlassen zu haben, das über Siege und ­Rekorde hinausgeht.

Nicht erst seit dieser Saison mischen viele frühere Kurzdistanzprofis im Ironmanzirkus mit. Was glauben Sie, wie sich der Frauentriathlon auf dieser Distanz in den nächsten Jahren entwickeln wird?
Natürlich finde ich es toll, dass so viele ehemalige Kurzstreckler auf die Langdistanz wechseln. Viele von ­ihnen sind richtig schnell und werden vor allem in der 70.3-­Serie demnächst für noch spannendere und unter­haltsamere Rennen sorgen. Insgesamt bin ich ­davon überzeugt, dass die Zahl der weiblichen Teilnehmer an ­Ironman-Wettkämpfen weiter steigen wird. Es gefällt mir, Teil eines Sports zu sein, in dem Frauen sehr nah an die Leistungen der Männer heran­kommen und bei den ­Profis dafür auch das gleiche Preisgeld ­erhalten. In dieser Hinsicht ist der Triathlon vielen anderen Sportarten um einiges voraus.
Ironman Hawaii 2011 - Laufen
©Frank Wechsel / spomedis
Sie haben sich in einem Inter­view selbst einmal als „gnadenlosen“ Gegner bezeichnet. Abseits der Rennstrecken engagieren Sie sich seit Jahren für soziale Projekte. Ein spannender Spagat.
Im Rennen war ich immer ein gnadenloser Gegner. Das stimmt und war schon früher in der Schule so, weil ich immer die besten Noten haben wollte. Das heißt aber nicht, dass mir meine Umwelt und meine Mitmenschen in diesem Moment egal waren. Es gab für mich immer viele Gründe, für die es sich gelohnt hat zu ­gewinnen. Zum Beispiel die öffentliche Plattform, die mir die ­Siege gebracht ­haben. Die ­konnte ich ­nutzen, um Menschen zu inspirieren und Geld für karitative Zwecke zu sammeln. Man kann als gnadenloser Gegner und Champion auch großzügig und selbstlos sein. Das eine schließt das andere keineswegs aus.
Das komplette Interview mit Chrissie Wellington finden Sie in unserem Hawaii-Special, das Sie im gut sortierten Zeitschriftenhandel finden und auf verschiedenen Wegen lesen können:
Leseprobe aus Wellingtons Buch "Ein Leben ohne Grenzen"