Tristar rechtfertigt Drafting-Freigabe

Die Ankündigung des Veranstalters, bei den TriStar-Rennen in Berlin und Madrid das Windschattenfahren zu erlauben, sorgt in der Szene für Protest. User des sozialen Netzwerks Facebook kritisieren die Änderung des Renncharakters und sorgen sich um die Sicherheit der Sportler.

Von > | 27. Mai 2011 | Aus: SZENE

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Foto >Frank Wechsel / spomedis

Bereits kurz nach der Verlinkung der entsprechenden Mitteilung auf der Facebook-Fanseite der triathlon-Redaktion hatten mehr als 40 User die Entscheidung der TriStar-Veranstalter kommentiert - und es hagelte überwiegend herbe Kritik. „Todesstoß, definitiv!“ oder: „Das ist weder innovativ, noch entspricht es einem fairen Wettbewerb. Und gefährlich wird es wahrscheinlich auch noch. Schwach!“ - so oder ähnlich lauten viele der Statements. Unter den Kritikern finden sich auch Sportler wie der 70.3-Altersklassen-Europameister Holger Lüning oder der ehemalige Triathlonprofi Jürgen Zäck, der schreibt: "Ich hoffe, die Radstrecken sind komplett gesperrt! Ansonsten ist es nicht das, was ich mir von TriStar erhofft habe!"

"Kein allgemeines Statement zum Windschattenfahren"

Ganz unvorbereitet trifft den Veranstalter diese Welle der Kritik wohl nicht. Die Grundsatzdiskussion um den wahren Charakter des Triathlon kennt der Geschäftsführer des TriStar-Veranstalters Star Produktions, Georg Hochegger, schließlich aus seiner langjährigen Arbeit in der österreichischen Triangle-Event-Agentur, die unter anderem die Ironmanrennen in Klagenfurt, Nizza und im südafrikanischen Port Elizabeth aufgebaut hat.

Natürlich ändere sich "mit dieser Regelung auch ein Stück weit der Renncharakter, doch das muss ja nicht zwangsläufig etwas Negatives sein. Es wird eine andere Art von Rennen werden, mit anderen Anforderungen und einer anderen Dramaturgie", schreibt Hochegger in einem Statement an die Redaktion von tri-mag.de und weist darauf hin, dass die Freigabe des Windschattenfahrens in Madrid und Berlin "kein allgemeines Statement von TriStar zum Thema Windschattenfahren" sei. Schließlich gelte "bei neun von elf TriStar Rennen das Windschattenverbot. Aber wir wollen eine innovative und realistische Entwicklung gestalten in unserem Sport, die auf die [jeweiligen] Gegebenheiten abgestimmt sind."

Zeitfahrlenker verboten

Dabei habe es durchaus auch eine Rolle gespielt, dass "ein Windschattenverbot unter [den lokalen] Umständen schwer kontrollierbar" und durchsetzbar sei. Man wolle erreichen, "dass die Athleten ein Rennen erleben können, in dem sie unbeschwert agieren können", so Hochegger. Die Sicherheit der Athleten stehe an oberster Stelle, man habe die Rennstrecke für den Verkehr voll gesperrt und "entsprechende Sicherungsmaßnahmen" ergriffen und werde zudem "vor allem der Vorbereitung der Athleten" große Beachtung schenken.

Der Hinweis darauf, dass die Windschattenfreigabe automatisch unter anderem ein Verbot von Zeitfahrlenkern beinhaltet, versteckt sich allerdings bisher nur klein in der Ausschreibung der Rennen. "Windschattenfahren ist gestattet. Die damit einhergehenden Regularien sind bindend und in der Sportordnung der DTU einzusehen", heißt es auf der entsprechenden Unterseite des Internetauftritts.

Vielleicht sind so doch eher die in der Bundesliga und Deutschen Meisterschaften erfahrenen und entsprechend ausgerüsteten Athleten die Zielgruppe der beiden Hauptstadt-Rennen der jungen TriStar-Serie. Oder die Pragmatiker. "Lieber die Windschattenfreigabe als ein Windschattenverbot, das nur die Ehrlichen (Dummen?) einhalten, während der Rest ungestraft davonkommt", vermuten die Facebook-User, dass es "auch hierfür einen Markt geben wird." Kurzum: "Ist nix für mich, aber wer's mag ..."