Van Lierde und McKenzie gnadenlos, Kienle Dritter

Mit perfekt eingeteilten Rennen haben der Belgier Frederik van Lierde und Luke McKenzie aus Australien die Konkurrenz beim Ironman Hawaii hinter sich gelassen. Der einzige, der mit dem Duo mithalten konnte, war Ironman-70.3-Weltmeister Sebastian Kienle, der sich aufs WM-Podest kämpfte.

Von > | 13. Oktober 2013 | Aus: SZENE

Sebastian Kienle | Sebastian Kienle wird beim Ironman Hawaii 2013 Dritter.

Sebastian Kienle wird beim Ironman Hawaii 2013 Dritter.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Ein Triathlon besteht aus drei Sportarten, das wird in den letzten Jahren bei der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii immer deutlicher. Genügten früher oft eine Bestzeit im Marathon oder auf der Radstrecke durch die Lavawüste und zwei solide Leistungen in den beiden anderen Disziplinen, um sich mit dem begehrten Siegerkranz zu krönen, so braucht es mehr und mehr drei Topleistungen, um die immer enger zusammenrückende Konkurrenz zu bezwingen.

Bespielhaft gezeigt hat das der Belgier Frederik van Lierde, der nach dem dritten Platz aus dem Vorjahr nun in 8:12:29 Stunden seinen ersten Hawaii-Titel gewann. Beim Schwimmen hielt er unspektakulär Anschluss an die Spitzengruppe, um sich auch auf dem 180-Kilometer-Ritt durch die Hitze Big Islands zunächst selten in Szene zu setzen. Erst auf dem welligen und windanfälligen Weg hinauf zum Wendepunkt nach Hawi sortierte sich die Spitzengruppe - und van Lierde setzte sich bald gemeinsam mit Faris Al-Sultan und Dirk Bockel ab, um sich auf die Verfolgung der drei Ausreißer zu machen.

Die drei Rad-Musketiere

Denn bis dahin hatten andere das Rennen bestimmt. Allen voran - im Wortsinne - der US-Amerikaner Andrew Starykowicz. Nach dem Schwimmen in der ersten großen Gruppe dabei, legte er schon auf der ersten, kurzen Schleife durch Kailua-Kona das dicke Kettenblatt auf und presste sich selbst mit etwas unruhigem Fahrstil an die Spitze. Dahinter machte sich der Ironman-70.3-Weltmeister der letzten beiden Jahre auf die Verfolgung: Sebastian Kienle konnte zufrieden sein mit seiner einstigen Wackeldisziplin, dem Schwimmen. Nur wenig mehr als drei Minuten hinter dem Titelverteidiger Pete Jacobs (AUS), der als Erster aus der ersten Wechselzone kam, sprang der 29-Jährige auf sein Rad. Und drückte sofort aufs Tempo. Seine Begleiter um Andreas Raelert, der wie im Vorjahr einen schlechten Start erwischte und später ausstieg, schüttelte er schnell ab und schloss auch das Loch zu den Führenden schnell. Kurz nach dem Wendepunkt übernahm Kienle sogar die Führung. Gemeinsam mit McKenzie war er an Starykowicz herangefahren. Diese traute Dreisamkeit hielt aber nicht besonders lange. Denn überraschend war es Kienle, der dem Tempodiktat McKenzies nicht mehr folgen konnte oder wollte.

Bei nur geringem Gegenwind zerlegten auf dem Rückweg nach Kailua-Kona dann an der Spitze McKenzie und Starykowicz das große Feld komplett. Selten gab es in den letzten Jahren derart große Abstände an der Spitze, oft vereinzelt kamen die Stars in der Wechselzone an. Vorn war es Starykowicz, der sich auf den letzten Kilometers seines australischen Begleiters entledigte. Dann folgten McKenzie und mit etwas Abstand Kienle. Direkt dahinter hatte sich leise und heimlich der spätere Sieger herangepirscht.

Trio im Gleichschritt

Auf den ersten Kilometern änderte sich an der Reihenfolge nur eines: Starykowicz musste sofort anerkennen, dass seine Laufleistung nicht konkurrenzfähig ist, dahinter setzte sich McKenzie an die Spitze. Kienle lief erst näher heran, fiel dann wieder zurück. Bis van Lierde auf dem Weg zum Natural Energy Lab zuerst Kienle stellte und dann auch den mutigen Australier einsammelte. Ohne eine Miene zu verziehen, zog der 34-Jährige das Tempo an und lief nach 8:12:29 Stunden einem letztlich nicht mehr gefährdeten Sieg entgegen. Knappe drei Minuten dahinter bejubelte McKenzie den mit Abstand größten Erfolg seiner Karriere. Dahinter feierte Sebastian Kienle mit Rang drei ein Saisonende, das sich gewaschen hat. Nach einem verkorksten Frühjahr, mit einigen Trainingsausfällen und genau so vielen Selbstzweifeln ging Kienle vor einigen Wochen in Las Vegas an den WM-Start über die halbe Distanz, jetzt krönte der Deutsche dieses Ergebnis mit einem Podestplatz bei seiner erst zweiten Ironman-Weltmeisterschaft und verbesserte seinen vierten Platz von 2012 noch einmal.

Ironman Hawaii | Frederik Van Lierde feiert seinen ersten Ironman-Weltmeistertitel auf Hawaii

Frederik Van Lierde feiert seinen ersten Ironman-Weltmeistertitel auf Hawaii

Foto >Nis Sienknecht / spomedis

Bracht, Al-Sultan untd Ritter in den Top-15

Mit Timo Bracht und Faris Al-Sultan auf Rang neun und zehn konnten zwei weitere seiner Landsleute mit Weltspitze-Leistungen überzeugen. Während Bracht es zum ersten Mal in seiner langen Hawaii-Karriere in die erste Schwimmgruppe schaffte und erst beim Laufen etwas zurückstecken musste, zeigte Al-Sultan eines der mutigen Rennen, die man vom Sieger von 2005 gewohnt ist: Vorn dabei beim Schwimmen, auf dem Rad in Schlagdistanz und beim Laufen - musste der Münchner diesmal anderen den Vortritt lassen: "Im Natural Energy Lab bin ich explodiert. Aber da nimmt dich ja eh niemand mit zurück. Also bin ich zu Ende gejoggt." Und mit einem erneuten zehnten Platz belohnt worden. Mit einem ausgeglichenen Rennen verpasste Christian Ritter die Top-Ten um nur vier Minuten, darf sich aber über Rang 14 freuen.

Raelert steigt aus

Kein Glück hatte der Rostocker Podiumsabonnent Andreas Raelert, der es zum ersten Mal nicht unter die ersten Drei schaffte - er erreichte nicht einmal das Ziel in der Bucht von Kailua-Kona. Nach Problemen beim Schwimmen machte Raelerts Oberschenkelmuskulatur auf dem Rad nach Hälfte der Strecke nicht mehr mit - zum ersten Mal musste der ältere der beiden Raelert-Brüder ein Langdistanzrennen vorzeitig abbrechen und muss nun ein Jahr warten für einen erneuten Angriff auf den ersehnten Hawaii-Sieg.

Ironman World Champioship | Männer

  1. Oktober 2013, Kailua-Kona, Hawaii (USA)

Name

Nation

Gesamt

3,86 km Swim

180,2 km Bike

42,195 km Run

1

Frederik Van Lierde

BEL

8:12:29

51:02

4:25:35

2:51:18

2

Luke McKenzie

AUS

8:15:19

51:17

4:22:25

2:57:20

3

Sebastian Kienle

GER

8:19:24

54:13

4:22:33

2:58:35

4

James Cunnama

RSA

8:21:46

51:13

4:34:21

2:52:37

5

Timothy O'Donnell

USA

8:22:25

51:04

4:35:37

2:51:07

6

Ivan Rana

ESP

8:23:43

51:06

4:40:34

2:47:54

7

Tyler Butterfield

BER

8:24:09

51:24

4:30:10

2:58:22

8

Bart Aernouts

BEL

8:25:38

57:26

4:39:46

2:44:03

9

Timo Bracht

GER

8:26:32

51:21

4:34:46

2:56:07

10

Faris Al-Sultan

GER

8:31:13

51:19

4:29:56

3:05:46

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