Van Vlerken gewinnt Kraichgau-Krimi vor Gajer

Die Niederländerin Yvonne van Vlerken hat zum zweiten Mal nach 2011 die Challenge Kraichgau gewonnen. In 4:26:35 Stunden setzte sich die 34-Jährige in einem packenden Rennen gegen Titelverteidigerin Julia Gajer und Jenny Schulz durch.

Von > | 9. Juni 2013 | Aus: Szene

Yvonne van Vlerken | Yvonne van Vlerken

Yvonne van Vlerken gewinnt die Challenge Kraichgau 2013.

Foto > Frank Wechsel / spomedis

Es sah ein wenig danach aus, als würde Yvonne van Vlerken das Schicksal wieder erwischen. Beim Ironman 70.3 Mallorca lief Lisa Hütthaler im Halbmarathon an der 34-Jährigen vorbei, nachdem die Niederländerin auf dem Rad dafür gesorgt hatte, dass sich das Frauenfeld zerteilte. Beim Ironman 70.3 St. Pölten dann ein ähnliches Spiel – wieder Hütthaler vor ihr und obendrauf die Schwedin Eva Nyström. Und dann hörte van Vlerken bei der Challenge Kraichgau von hinten Julia Gajer kommen.

Es waren die letzten Laufkilometer eines packenden Rennens und eine Art Déjà-vu für Yvonne van Vlerken und Julia Gajer. Erst das positive Gefühl: Gajer stürmte auf der finalen von drei Laufrunden von hinten auf Platz eins zu. „Da habe ich schon an 2012 gedacht“, sagte die 30-Jährige. Bereits im Vorjahr hatte sich Gajer auf den letzten Kilometern im Kraichgau den Titel gesichert. „Aber damals war es eine Kurzdistanzlerin, die vor mir lag“, sagte Gajer später in der Erinnerung an die Norwegerin Line Jensen, der vor Jahresfrist kurz vor Schluss die Kräfte ausgegangen waren. Diesmal aber lag in van Vlerken eine der zähesten Athletinnen der Langstrecke vor ihr, die kämpfen kann, bis nichts mehr geht. Und bei der ebenfalls Erinnerungen wach wurden – an die harten Momente, die sie auf Mallorca und in St. Pölten erlebt hat, wie sich Hütthalers lange, mächtige Schritte von hinten an sie herangesogen hatten und vorbeigeflogen waren.

37 Sekunden entscheiden

„Das ist immer ein bisschen ein Risiko, wenn man führt“, sagte die Niederländerin später lächelnd, als es gut ausgegangen war. „Ich freue mich wahnsinnig“, jubelte Yvonne van Vlerken. Aber knapp war es: In 4:26:35 Stunden rannte van Vlerken über die Ziellinie, sie konnte Gajers Atem beinahe spüren, 37 Sekunden später folgte die Vorjahressiegerin auf Rang zwei und als Deutsche Meisterin. „Der Titel ist hart erkämpft“, erklärte Gajer, „man darf nicht vergessen, dass Jenny Schulz nicht gerade weit hinter mir war.“ Die 29-jährige frühere Läuferin aus Frankfurt an der Oder folgte nur 49 Sekunden nach der Zweiten ins Ziel.

Van Vlerken mit neuer Schwimmstärke

Gerade Jenny Schulz hatte nach dem Zieleinlauf jede Menge Grund zur Freude. „Ich bin total fertig“, sagte die zweimalige deutsche Duathlonmeisterin zwar. Ihr Gesicht sah auch müde aus, aber zugleich blitzte unbändige Freude aus ihrem Blick. Denn anfangs hatte sie in diesem Rennen viel weniger als eine Rolle gespielt – sie kam als 31. mit mehr als fünf Minuten Rückstand aus dem Wasser. Vorne schwamm die Karlsruher Altersklassenstarterin Carolin Ingelmann in 26:21 Minuten knapp vor Daniela Sämmler (26:35) als Schnellste durch den Hardtsee, dahinter folgte Julia Gajer als erste der Topfavoritinnen in 27:19 Minuten. Die Experten am Rand und vor allem die Fans von Titelverteidigerin Gajer stoppten die Sekunden, bis Yvonne van Vlerken aus dem Wasser kam: Als Zehnte stieg die Niederländerin in guten 28:23 Minuten aus dem Wasser. Damit war klar, dass die Wahlösterreicherin auf dem Rad schnell Druck machen würde. Und wer van Vlerken ausgangs der ersten Wechselzone mit Gewalt aufs Rad hüpfen sah, ahnte, was hier geschehen würde.

Auf der rutschigen Strecke, auf der unter anderem Daniela Sämmler nach einem Sturz im ersten Kreisverkehr ausschied, fuhr Yvonne van Vlerken nach knapp 20 Kilometern an die Spitze. Dahinter hielt sich zunächst die Ravensburgerin Laura Philipp vor ihrer Kollegin aus dem Erdinger-Team, Julia Gajer. Die weiteren Verfolgerinnen Natascha Schmitt und die starke Britin Corinne Abraham lagen bereits etwas zurück.

Hartes Ringen um die Plätze

Nach 50 Kilometern lag Yvonne van Vlerken bereits 1:51 Minuten vor Julia Gajer, die Laura Philipp nach sich zog; die Vierte Natascha Schmitt hatte bereits viereinhalb Minuten Rückstand. Allmählich schob sich aber im Alleingang Jenny Schulz nach vorne, mit 5:47 Minuten Abstand lag sie bereits auf Platz sieben. Als die schnellsten Frauen nach 90 Kilometern vom Rad stiegen, war Schulz dann Vierte, in der zweiten Wechselzone stürmte sie gleich an der Dritten Laura Philipp vorbei. „Ich bin richtig hart losgelaufen, damit die Mädels hinter mir gleich mal ein bisschen geschockt sind“, erklärte sie ihre Taktik, „es war ja noch ganz schön eng, und ich wollte den dritten Platz gerne absichern.“ Hinter Schulz folgten innerhalb von nur 15 Sekunden Laura Philipp und Corinne Abraham und mit etwas mehr als zwei Minuten Rückstand die starke Läuferin Natascha Schmitt. Dies sprach für ein hartes Ringen um den letzten Podiumsplatz, während die Lage an der Spitze des Feldes beim Start des Halbmarathons klarer zu sein schien: Mit 2:17 Minuten lag van Vlerken vorne, ein vermeintlich guter Puffer gegenüber Julia Gajer, Jenny Schulz lag sogar 6:15 Minuten zurück. Aber dann entwickelte sich das, was Gajer später als „guter Test für die Challenge Roth in vier Wochen“ beschrieb.

Packendes Finish

Auf der letzten von drei Laufrunden rückten die drei schnellsten Frauen eng zusammen, Laufspezialistin Jenny Schulz stauchte das Trio von hinten regelrecht zusammen. Sie lief in 1:21:32 Stunden den zweitschnellsten Halbmarathon des Tages und dadurch immer näher an Julia Gajer heran, die wiederum von Meter zu Meter dichter an Yvonne van Vlerken herankam. Das begeisterte Publikum feierte ein packendes Finish, das an Spannung kaum zu überbieten war, obwohl sich an den Platzierungen nichts änderte. Im Ziel wirkten alle drei Podiumsathletinnen glücklich. „Ich bin rundum zufrieden“, erklärte Gajer später stellvertretend, „es war ein richtig hartes und richtig gutes Rennen.“ 

Siegerehrung im Kraichgau | Siegerehrung im Kraichgau

Challenge Kraichgau 2013: Die Top Ten der Frauen

Foto > Frank Wechsel / spomedis

Challenge Kraichgau 2013 | Frauen

  1. Juni 2013, Bad Schönborn (GER)

Platz Name Land Verein 1,9 km Swim 90 km Bike 21,1 km Run Gesamt

1

Yvonne van Vlerken

NED

Tri Team Lustenau

28:23

2:29:21

1:26:01

4:26:35

2

Julia Gajer

GER

Team Erdinger Alkoholfrei

27:19

2:33:02

1:24:22

4:27:12

3

Jenny Schulz

GER

Skills 04 Frankfurt

31:45

2:32:39

1:21:32

4:28:21

4

Natascha Schmitt

GER

TuS Griesheim

27:28

2:38:55

1:25:30

4:34:32

5

Laura Philipp

GER

Team Erdinger Alkoholfrei

27:54

2:36:24

1:31:59

4:38:49

6

Corinna Abraham

GBR

29:17

2:35:06

1:32:20

4:39:30

7

Judith Mess

GER

AST Süßen

28:45

2:44:49

1:26:17

4:42:43

8

Julia Viellehner

GER

TSV Altenmarkt

34:33

2:48:24

1:18:55

4:44:38

9

Claudia Alfes

GER

ASC Darmstadt

29:52

2:37:35

1:37:47

4:47:50

10

Carolin Lehrieder

GER

Triathlon Potsdam

28:30

2:45:26

1:34:00

4:51:13

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