Zurück an der Weltspitze: Gelingt Yvonne van Vlerken in Roth der dritte Sieg?

Frank Wechsel / spomedis

Yvonne van Vlerken gewinnt die Challenge Kraichgau 2013.
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Challenge Roth 2013 Vierkampf in Franken? Van Vlerken, Steffen und zwei Deutsche

Langstrecke | 11. Juli 2013
Nach den Absagen von Titelverteidigerin Rachel Joyce und Ironmanweltmeisterin Leanda Cave ist für die Challenge Roth 2013 zumindest eins sicher: die Serie britischer Erfolge wird reißen. Alles andere als klar ist dagegen, wer das Rennen am kommenden Sonntag für sich entscheidet. Die aussichtsreichsten Kandidaten: Caroline Steffen und Yvonne van Vlerken. Doch auch Sonja Tajsich und Julia Gajer kämpfen um den ersten deutschen Sieg seit 2004.
Vier Wochen nach den überraschenden Absagen des britischen Topduos konzentriert man sich in Franken wieder auf's Wesentliche. So bitter die Nachricht vom verletzungsbedingten Aus von Titelverteidigerin Rachel Joyce und Ironmanweltmeisterin Leanda Cave auch gewesen sein mag - das Feld, das Felix Walchshöfer und sein Team am Sonntag an die Startlinie der zwölften Auflage der Challenge Roth gelockt haben, ist immer noch Extraklasse. Von den sieben verschiedenen Siegerinnen gehen vier auf die 226 legendären Kilometer. Nur Joyce, die dreifache Siegerin Chrissie Wellington und Nina Kraft, die Gewinnerin der Premiere 2002, fehlen. Beinahe sicher scheint auch deshalb, dass auf dem Siegerpodest am Sonntagnachmittag ausschließlich deutsch gesprochen wird.
Challenge Roth -
Alle Siegerinnen
 
2012: Rachel Joyce
2011: C. Wellington
2010: C. Wellington
2009: C. Wellington
2008: Yvonne v. Vlerken
2007: Yvonne v. Vlerken
2006: Joanna Lawn
2005: Belinda Granger
2004: Nicole Leder
2003: Nicole Leder
2002: Nina Kraft
 

Van Vlerken oder Steffen - Hattrick oder Premierensieg?

Allerdings gehen die Favoritinnen mit sehr unterschiedlichen Vorzeichen an den Start. Angetrieben von einem starken Frühjahr greift Yvonne van Vlerken nach ihrem dritten Sieg. 2007 und 2008 hat die Niederländerin das prestigeträchtige Rennen in Roth gewonnen. Bei den folgenden vier Anläufen, in Frankfurt Ironman-Europameisterin zu werden, sprangen - abgesehen von einem DNF - je ein zweiter, dritter und vierter Platz heraus. Vielleicht kehrt die in Vorarlberg (Österreich) wohnende 34-Jährige auch deshalb nach Franken zurück. Ihren in den vergangenen zwei Jahren etwas stotternden Motor hat sie jedenfalls rechtzeitig wieder in Gang gebracht. Mit dem zweiten Platz beim Ironman Melbourne im März, Podestplätzen bei den 70.3-Rennen auf Mallorca und in St. Pölten sowie dem Sieg bei der Challenge Kraichgau meldete sich van Vlerken in dieser Saison eindrucksvoll in der Weltspitze zurück. In Australien bezwang sie etwas überraschend sogar Caroline Steffen, der sie sich in Frankfurt zwischen 2010 und 2012 dreimal geschlagen geben musste. Doch die Schweizerin brennt darauf, gleich bei ihrem ersten Start im Triathlonmekka Roth, den Spieß wieder umzudrehen. Im Gegensatz zu ihrer niederländischen Rivalin passte bei Steffen in dieser Saison bei Weitem nicht alles zusammen. Letztes Kapitel der suboptimalen Vorbereitung: eine glimpflich ausgegangene Kollission mit einem Auto Mitte Juni im TBB-Trainingscamp im schweizerischen Leysin. Zuvor hatte Steffen aus gesundheitlichen Gründen darauf verzichtet, ihren Titel bei den ITU-Langdistanzweltmeisterschaften in Belfort (Frankreich) zu verteidigen. Dass sie in dieser Saison noch keine klassische Langdistanz absolviert hat, (bei ihrem dritten Platz in Melbourne wurde die Schwimmstrecke witterungsbedingt verkürzt) ist für die als Vielstarterin bekannte 34-Jährige ungewöhnlich - muss aber kein Nachteil sein. Auf den 3.800 Schwimmmetern im Main-Donau-Kanal dürfte sie van Vlerken am Sonntagmorgen problemlos einige Minuten abnehmen. Eine kleine Vorentscheidung könnte auf der Radstrecke fallen. Sollte Steffen sich auf den zwei Runden quer durch den Landkreis Roth noch weiter absetzen können, stehen ihre Chancen auf den ersten Titel gut. Wechselt van Vlerken dagegen in Reichweite in die Laufschuhe spricht Vieles für ein enges Finish, bei dem die Niederländerin die besseren Karten haben könnte.

Tajsich oder Gajer - Wer stoppt den Siegfluch?

Seit 2004 warten die fränkischen Triathlonfans auf einen deutschen Frauensieg in Roth. Und neun Jahre nach dem Triumph von Nicole Leder liegt der auch im Bereich des Möglichen. Das Podium im Rother Hexenkessel kennen Sonja Tajsich und Julia Gajer jedenfalls schon. Gajer lief 2011 bei ihrer Langdistanzpremiere sensationell auf den zweiten Platz und sprang im vergangenen Jahr als Dritte gleich noch einmal auf's Treppchen. Damals rahmte sie Rachel Joyce gemeinsam mit Tajsich ein. Wie van Vlerken scheint auch die Regensburgerin pünktlich vor ihrem ersten Saisonhighlight in Schwung zu kommen. Ein Sturz bei einer Laufeinheit auf Lanzarote hatte Tajsich im März einen dicken Strich durch die geplante Vorbereitung gemacht. Nach einem durchwachsenen Vorbereitungsrennen in Texas lief die 37-Jährige beim Ironman 70.3 in St. Pölten auf den vierten Platz und gewann kurz darauf die Mitteldistanz beim Triathlon in Ingolstadt. Ihren eigentlich geplanten Start bei der Challenge Kraichgau hatte sie wegen einer Erkältung kurzfristig absagen müssen. Trotz der holprigen Vorbereitung wird Tajsich in Roth wieder ganz vorn mitmischen. Der Papierform nach ist sie die stärkste Marathonläuferin im Feld. Ob das für den Sieg reichen wird, hängt aber davon ab, wie weit sie Steffen und van Vlerken beim Schwimmen und auf dem Rad enteilen lässt. Rein statistisch hat Julia Gajer die zwölfte Auflage der Challenge Roth schon gewonnen. Nach den Plätzen zwei und drei (2011 und 2012) fehlt der 30-Jährigen bei ihrem dritten Langdistanzrennen überhaupt nur noch der berühmte Platz an der Sonne. Wie der sich anfühlt, testete die studierte Apothekerin vor wenigen Wochen bei der Challenge Kraichgau. Dort unterlag sie zwar Yvonne van Vlerken - sicherte sich aber den Titel der Deutschen Meisterin. Und Gajers Formkurve könnte kaum einen besseren Verlauf haben: ihrem 14. Platz beim Ironman 70.3 California Ende März folgten im Mai die Ränge sieben und fünf in St. George (USA) und St. Pölten (AUT). "Jetzt noch am Radfahren feilen, dann kann's rundgehen in Roth", schrieb sie nach dem Rennen in Österreich auf ihrer Website. Auf den 180 Kilometern dürfte auch für Gajer der Schlüssel zu einer Topplatzierung liegen. Dort muss sie sich die Grundlage dafür schaffen, ihre Gegnerinnen beim Laufen noch ernsthaft unter Druck setzen zu können und das Publikum in der neu gestalteten Triathlonarena von Roth vielleicht tatsächlich mit dem ersten deutschen Frauensieg seit 2004 zu verzücken.

Leder und Granger - Legenden nehmen Abschied

Zwei Legenden der Challenge Roth werden die große Triathlonbühne am Sonntag zum letzten Mal betreten. Insgesamt drei Titel gehen auf das Konto von Nicole Leder und Belinda Granger. Beide gehören in Franken zum Inventar. Unvergessen ist Leders Doppelsieg 2003 und 2004. Keine wird in Roth derart geliebt wie Granger. Ein Rennen ohne die unverwüstliche Australierin ist nur schwer vorstellbar. Seit 2004 hat Granger einen Stammplatz in der Startliste - jedes Mal landete sie unter den Top Ten. Höhepunkt war dabei zweifellos ihr Sieg im Jahr 2005. Auch wenn es für Leder und Granger nicht um den Sieg gehen wird - das Rother Publikum wird beide wie Champions feiern, wenn sie am Sonntag zum letzten Mal in ihrer Karriere über den Zielstrich der Challenge Roth laufen.
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