Challenge Roth Vierter Erfolg für Macca

Langstrecke | 24. Juni 2007
Chris McCormack hat mit Ankündigung zum vierten Mal in Folge die Quelle Challenge Roth gewonnen. Das Frauenrennen entschied überraschend Yvonne van Vlerken aus den Niederlanden für sich.
"Die letzten zehn Laufkilometer waren der Horror, die schlimmsten meines Lebens", so der Australier im Ziel, nachdem er mit insgesamt 7:54:23 Stunden zwar eine neue persönliche Bestzeit aufstellte, die angepeilte zehn Jahre alte Weltbestzeit von Luc van Lierde jedoch um fast vier Minuten verpasste. Ein neuer Rekord schien lange im Bereich des Möglichen, obwohl McCormack schon zu Beginn der 3,8 Kilometer im Main-Donau-Kanal seine Brille verloren hatte. Trotz dreieinhalb Minuten Rückstand auf nach dem Schwimmen auf die Spitze, fand er auf dem Rad schnell seinen Rhythmus und übernahm früh die Inititative.

Brennende Beine am Kalvarienberg

Zusammen mit einem sensationell aufgelegten Thomas Hellriegel stürmte er an die Spitze vor, wo er seinen Landsmann Pete Jacobs ablöste. Dieser hatte das Wasser zusammen mit dem spanischen Sieger des Ironman Lanzarote, Eneko Llanos, und  - erwartungsgemäß - dem schwimmstarken deutschen Nachwuchsathleten René Göhler verlassen. Während Jacobs nach den schnellen 46:12 Minuten im Kanal das Radfahren noch als Siebter beenden konnte, hatte Göhler schon auf der ersten von zwei Runden mit Problemen zu kämpfen: "Es läuft überhaupt nicht, meine Beine brennen", klagte der Sigmaringer im Anstieg zum Kalvarienberg, wo er McCormack, Hellriegel, Llanos sowie Andreas Niedrig und Maik Twelsiek endgültig ziehen lassen musste.
Während Göhler bei seiner Langdistanzpremiere, die er sich sicherlich anders vorgestellt hatte, immer weiter durchgereicht wurde, liefen McCormack und der zurückgekehrte Hellriegel zu immer besserer Form auf: "Auf den ersten 70 Kilometern ging es mir beim Radfahren nicht besonders gut, aber dann habe ich mich besser gefühlt", so McCormack. Nach starken 4:16 Stunden für den 180 Kilometer langen Radpart verließ der Challenge-Sieger der vergangenen vier Jahre als Führender die zweite Wechselzone, dicht gefolgt von Hellriegel und - mit etwas größerem Abstand - Niedrig und Twelsiek. Jetzt hätte eine Marathonzeit von 2:42 Stunden ausgereicht, um van Lierdes Weltbestzeit zu knacken - deutlich langsamer, als McCormack im Vorfeld zu laufen geplant hatte. Bis Kilometer 30 ging das gut, "doch dann war mir klar, dass ich das Tempo nicht mehr halten kann."

Jacobs mit schnellster Laufzeit

Sicher war dem Australier da aber der Sieg: Llanos hatte beim Radfahren mit technischen Problemen zu kämpfen und musste unterwegs auch noch einen Platten beheben. Auf der Laufstrecke am Main-Donau-Kanal konnte er zwar nacheinander Twelsiek, Hellriegel und Jacobs überholen, an McCormacks Laufzeit von 2:45:12 Stunden kam der Spanier jedoch nicht mehr heran. Während McCormack als jubelnder Sieger mit persönlicher Bestzeit über die Ziellinie lief, hatte Llanos noch rund drei Kilometer vor sich. "Am Ende hat mir einfach die Kraft gefehlt, was vielleicht daran lag, dass Lanzarote erst fünf Wochen her ist", so der Spanier, der dem Australier nach 8:06:06 Stunden über die Ziellinie folgte. Jacobs konnte mit der schnellsten Laufzeit von 2:4426 Stunden auf den letzten Kilometern noch Boden gutmachen und finishte als Dritter in 8:09:18 Stunden. Thomas Hellriegel bekam die Folgen einer Achillessehnenverletzung, aufgrund derer er hauptsächlich Schwimmen und Radfahren, nicht jedoch das Laufen trainieren konnte, auf den abschließenden 42,195 Kilometern zu spüren: "Da hinter dem Laufen ein Fragezeichen stand, musste ich ja beim Radfahren angreifen. Und die Renngestaltung von vorn liegt mir eigentlich auch. Aber die letzten Kilometer des Marathons waren wirklich übel." Mit Platz vier und einer Endzeit von 8:10:33 Stunden war der Bruchsaler dennoch mehr als zufrieden: "Schließlich bin ich in den letzten drei Jahren nicht mehr unter 8:30 geblieben." Als Fünfter lief in überraschend guter Form Olaf Sabatschus ins Ziel. Der 36-Jährige, der erst im vergangenen Jahr eine Krebserkrankung überstanden hatte, beendete die insgesamt 226 Kilometer durchs Frankenland nach 8:15:14 Stunden.

Party ohne Einladung

Im Rennen der Frauen sorgte die niederländische Triathlonmeisterin und Duathletin Yvonne van Vlerken für eine Überraschung: Sie war zwar mit über fünf Minuten Rückstand auf die lange führenden Joanna Lawn und Belinda Granger auf die Laufstrecke gestartet, holte auf den 42,195 Kilometern jedoch immer weiter auf. Nachdem van Vlerken zunächst die Vorjahreszweite Granger überholt hatte, arbeitete sie sich entlang des Kanals immer weiter vor, bis sie nach 24 Kilometern auf die führende Joana Lawn stieß und sie überholte. Die zwischendurch in Reichweite liegende Frauen-Weltbeszeit konnte die Niederländerin zwar nicht mehr unterbieten, mit einer Endzeit von 8:51:55 Stunden feierte sie dennoch eine erstaunliche Langdistanzpremiere. Erstaunt war van Vlerken auch selbst noch Stunden nach ihrem Sieg: "Ich bin kürzere Strecken gewohnt und hatte mit sehr großen Schmerzen unterwegs gerechnet. Nachdem ich auf dem Rad schon nichts gemerkt habe, habe ich auf der Laufstrecke schon regelrecht auf Schmerzen gewartet. Doch da kam einfach nichts, es ging mir gut."  Auch für die Topfavoritinnen Lawn und Granger war der Erfolg der Niederländerin völlig überraschend: "Sie war wie eine, die uneingeladen zu unserer Party gekommen ist", scherzte Lawn im Anschluss an das Rennen, das sie als Zweite nach 8:58:25 Stunden beendete - eine Zeit, die fast überall auch für einen Sieg gereicht hätte. Granger musste nach 9:07:56 Stunden mit Rang drei Vorlieb nehmen, war von der 20. Auflage des Rennens aber begeistert: "Hier ist Triathlon für mich mehr als nur ein Job. Hier ist es ein Lebenstil. Die Organisation, mein Home-Stay, die Zuschauer - hier möchte ich auch dann noch starten, wenn ich 50 bin."

"Am Solarer Berg stand halb Deutschland"

Zusammen mit ihrer Konkurrentin und Freundin aus Neuseeland, Joanna Lawn, hatte sich Granger nach dem Schwimmen an die Verfolgung der zunächst führenden Anja Ippach vom SC Riederau gemacht. "Wir haben abgemacht, dass ich am Solarer Berg vorfahren darf, und haben da die Stimmung genossen und die ganze Zeit vor uns hin gekichert. Ich wusste ja gar nicht, dass es in Roth so viele Menschen gibt - war nicht halb Deutschland da?" Nicht ganz, aber mit geschätzten 140.000 Zuschauern zeigte sich der Rennleiter Felix Walchshöfer mehr als zufrieden: "Alles ist glatt gelaufen, es gab keine schweren Unfälle und die Zuschauerzahlen sind für uns das schönste Geschenk zur 20. Auflage." Belinda Granger bestätigt, dass das Radfahren während des gesamten Rennens fair abgelaufen sei: "Es gab überhaupt keine Probleme, das war ein sehr ehrlicher Wettkampf." Auf Rang vier kam hinter van Vlerken, Lawn und Granger nach 9:09:32 Stunden Erika Csomor ins Ziel. Während die Ungarin die Erwartungen eher nicht erfüllte, konnte Christine Waitz sie in ihrer Heimatstadt übertreffen: Das 22-jährige Nachwuchstalent verbesserte seine Bestzeit aus Hawaii auf 9:33:39 Stunden und wurde überraschend Fünfte. Heidi Jesberger und Susanne Buckenlei, ebenfalls Lokalmatadorinnen, belegten die Plätze acht und neun.
Quelle Challenge Roth, Frauen
24. Juni 2007
3,8 km Swim, 180 km Bike, 42,195 km Run
1Yvonne van VlerkenNED8:51:55
2Joanna LawnNZL8:58:25
3Belinda GrangerAUS9:07:56
4Erika CsomorHUN9:09:32
5Christine WaitzGER9:33:39
6Maja NielsenDEN9:42:12
7Anja IppachGER9:44:36
8Heidi JesbergerGER9:46:56
9Susanne BuckenleiGER9:49:40
10Julia KönigGER9:57:37
Quelle Challenge Roth, Männer
24. Juni 2007
3,8 km Swim, 180 km Bike, 42,195 km Run
1Chris McCormackAUS7:54:23
2Eneko LlanosESP8:06:06
3Pete JacobsAUS8:09:18
4Thomas HellriegelGER8:10:33
5Olaf SabatschusGER8:15:14
6Maik TwelsiekGER8:17:03
7Markus ForsterGER8:20:41
8Luke DragstraCAN8:24:26
9Chris McDonaldAUS8:24:42
10Damien Favre-FelixFRA8:25:45