Vom Bildschirm über die Bahngleise

Unseren neuen Blogger kennen Sie schon. Thorsten Schröder präsentiert Ihnen in der Tagesschau die Nachrichten - davor oder danach tauscht er den Anzug gegen seinen Sportdress und ist Triathlet. Die Vorbereitung auf den Ironman Germany in einer Woche ist allerdings an einer rutschigen Bahnschiene jäh ins Stocken geraten.

Von > | 1. Juli 2013 | Aus: SZENE

Thorsten Schröder, ARD, triathlonTV | Thorsten Schröder, ARD, triathlonTV

Thorsten Schröder, ARD, triathlonTV

Foto >Sina Horsthemke / spomedis

Meinen Oberschenkel ziert ein großer runder, roter Fleck. Er sieht aus wie ein großes Stoppsignal. Etwa ein Stoppsignal für den Ironman in Frankfurt in einer Woche? Bloß nicht! Aber der Fleck ist eine blutige Schürfwunde, die ich mir bei einem Fahrrad-Sturz eingefräst habe. Dabei hatte ich am Morgen noch gedacht: bleib lieber im Haus! Denn draußen nieselte es und drinnen nieste ich. Ich begrüßte den Tag nach dem Aufwachen gleich mit einer Haaaatschi-Salve. Bitte keinen Schnupfen, so kurz vor dem Ironman in Frankfurt, das muss wirklich nicht sein. Zumal mir gleich danach einfiel, dass mir schon mein latent schmerzendes Knie genug Sorgen macht. Erst vor einer Woche hatte sich das Knie plötzlich während des Laufens gemeldet. Nicht schlimm, aber es war auch nicht alles in Ordnung. Ich befürchtete, dass es mir bei der großen Belastung im Ironman-Marathon etwa bei Kilometer 30 sagen könnte: Aus, Schluss, nichts geht mehr. Und laufen schon gar nicht.

"Komm, mach dir keine unnötigen Gedanken, das sind nur hypochondrische Anwandlungen, die völlig normal sind vor so einem aufregenden Event", versuchte ich mich zu beruhigen. Schließlich trainiere ich seit dem vergangenen Herbst auf diesen einen Tag hin, da kann man kurz davor schon mal nervös werden. 

An mangelnder Fitness dürfte das Unterfangen jedenfalls nicht scheitern. Ich habe meinen Trainingsplan fast zu hundert Prozent erfüllt und gerade meine letzten richtig langen Einheiten absolviert. Ich war gerade 180 Kilometer auf dem Rad unterwegs mit anschließendem Koppellauf, ich bin vier Kilometer am Stück geschwommen und hatte diesmal überraschenderweise keine Probleme damit. Im vergangenen Jahr bin ich bei dieser Trainingseinheit noch fast gestorben - vor Langeweile. Es könnte daran liegen, dass mir Schwimmen mittlerweile tatsächlich viel Spaß macht.

Der Sturz "sah gut aus"

Weniger Spaß macht natürlich Radeln im Regen, aber 80 Kilometer standen am Wochenende nun einmal auf dem Programm. Der Regen war ein Fingerzeig, besser im Wohnzimmer auf der Rolle zu trainieren und bei der Tour-de-France-Übertragung um das gelbe Trikot mitzukämpfen. Aber ich wollte an die frische Luft. Ich war nach zweieinhalb Stunden schon fast wieder zu Hause, als ich mich der Hamburger Hafencity und den toten Bahngleisen näherte, die ich schon unzählige Male heil überwunden habe. Diesmal leider nicht, sie waren wohl zu rutschig und ich zu fahrlässig. So glitschte mir das Rad zur Seite und ich stürzte auf den Asphalt. Zum Glück hatte das hinter mir fahrende Auto genügend Abstand, sodass es nicht gefährlich wurde. Als ich mich aufrappelte, stoppte der Wagen und der Fahrer rief mir zu: ”Heftiger Sturz. Sah gut aus!” Ich antwortete gequält: “Danke, ich habe mir viel Mühe gegeben”.

Ich war etwas verdutzt, denn wäre ich der Autofahrer gewesen, hätte ich gefragt, ob alles in Ordnung sei und ich helfen könne. Aber der Mann hatte wohl gleich gesehen, dass es glimpflich ausgegangen war: nichts gebrochen und keine tiefen Fleischwunden. Ich war allerdings auf den Knochen oben am Oberschenkel geknallt und konnte nur unter Schmerzen gehen und nur mühsam nach Hause kurbeln.  

Notaufnahme zuhause

Meine Freundin Wiebke ist Heilpraktikerin und Osteopathin und muss sich vorgekommen sein wie in der Notaufnahme. Denn nachdem ich mich die Treppen hinaufgeschleppt hatte und in unsere Wohnung humpelte, sah ich, dass gerade Wiebkes Schwester wegen ihres Hexenschusses auf der Behandlungsliege lag. Ich war der nächste Patient.

Jetzt kann ich nur noch Hoffen und Bangen, rechtzeitig für den Ironman fit zu werden. Die letzten Trainingseinheiten werden wohl ausfallen. Aber solange ich beim Rennen selbst mitmachen kann, ist das in Ordnung. 

Übrigens: das Niesen kam nicht wieder und von Knieschmerzen war während des Radfahrens auch nichts zu spüren.