Ironman Hawaii 2011 Wellington kämpft sich zum vierten Sieg

Langstrecke | 8. Oktober 2011
Wenige Wochen nach ihrem schweren Radunfall hat sich die Britin Chrissie Wellington in Kona erneut die Krone im Ironman aufgesetzt. Doch sie geriet auf dem Weg zum vierten Titel mehrmals ins Straucheln.
Leiden und Lachen liegen extrem nah beieinander beim Ironman auf Hawaii. Kurz nach dem Zieleinlauf twittert eine Topfavoritin bereits aus dem Krankenhaus, während andere lachend über die Linie laufen. In diesem Fall ist die Rede von Julie Dibens, die das Rennen beim Laufen aufgeben muss, und von Sonja Tajsich, die es im Laufen zu einem Erfolg macht.

Dibens' Flucht nach vorn

Es ist ein Weltmeisterschaftsrennen, das in die Geschichte eingehen wird, nicht nur, weil Chrissie Wellington zum vierten Mal nach 2007, 2008 und 2009 gewinnt. Vor allem, weil die Britin Dibens früh das Feld sprengt. Die 36-Jährige übernimmt auf dem Rad sofort die Initiative und setzt in 4:44:14 Stunden eine Radbestzeit, die vielen Profi-Männern den Gesichtsausdruck gefrieren lässt. Wie ein Blitz wischt die Britin durch das Profifeld der Männer und steigt mit gewaltigem Vorsprung wenige Meter hinter dem Deutschen JAn Raphael vom Rad.
Die Abstände sind brutal: 11:05 Minuten liegt Verfolgerin Caroline Steffen zurück in der zweiten Wechselzone, 15:43 Minuten beträgt der Abstand auf die Drittschnellste nach dem Radfahren, Leanda Cave. Karin Thürig – die in 4:44:20 Stunden selbst nur sechs Sekunden langsamer fährt – liegt als Fünfte 20:19 Minuten zurück. 21:17 Minuten sind es für Chrissie Wellington, für Mirinda Carfrae sogar 24:38 Minuten. Abstände, die darüber spekulieren lassen, was Dibens wohl im Sinn hat. In erster Linie wird vermutet, dass ihre Fußverletzung zu massiv ist, um den Marathon beenden zu können.
Und tatsächlich beginnt Dibens schon nach wenigen Kilometern zu gehen, das Problem ist aber weniger der rechte Fuß, der in einem Tapeverband feststeckt, es sind Krämpfe und Probleme mit der großen Hitze. Die Britin zwingt sich zu laufen, muss wieder abbrechen, beginnt wieder zu laufen – und ist nach gut 13 Kilometern aus dem Rennen. Zur Vorsorge wird Dibens ins Krankenhaus gebracht – von dort twittert sie später, dass sie auf dem Weg der Besserung sei.

Wellington kämpft gegen den Schmerz

Im Rennen sind nach dem Ausstieg der Mitfavoritin andere plötzlich mächtig auf dem Weg. Caroline Steffen führt lange das Zepter, bis auch sie kurz vor dem Energy Lab die Hitze, die Belastung des Rennens und den Atem einer Konkurrentin spürt: Wellington, die nach dem Radfahren noch so weit weg war, ist plötzlich hinter ihr – und überholt sie eingangs des härtesten Teilstücks der Strecke. An Steffen preschen später auch noch zwei weitere Britinnen vorbei: Leanda Cave und Rachel Joyce. Und die Inhaberin des Marathonrekords auf dieser Strecke, Mirinda Carfrae aus Australien.
Bis zum Ziel entwickelt sich eine packende Jagd, ein Marathonrennen der Superlative. Vorn Wellington, die immer mehr anfängt, zu wackeln – dahinter Carfrae mit fliegenden Schritten. Eigentlich waren diese beiden nach dem Radfahren weitgehend aus dem Rennen , nun machen sie den Ironman Hawaii zu ihrem Duell: Der Vorsprung von Wellington schrumpft auf 2:40 zusammen, und je näher die beiden Führenden Konas Stadtgrenze kommen, desto mehr sieht es nach einer Sprintentscheidung aus.
Doch Wellington beherzigt, was sie vor dem Rennen angekündigt hat: dass sie über ihre Schmerzen hinweggehen wird. Sie quält sich bei jedem Schritt und zwingt sich, das Tempo beizubehalten. Erst auf dem Alii Drive ist sich die Weltrekordlerin sicher, dass sie ihren vierten Titel feiern darf. Wellington siegt dank einer Laufzeit von 2:52:41 Stunden in 8:55:08 Stunden – der zweitschnellsten, jemals in Kona erzielten Zeit. Carfrae – die in 2:52:09 Stunden erneut Rekord läuft – folgt in 8:57:57 Stunden vor Leanda Cave (9:03:29).

Tajsich auf Platz sieben

Hinter der dritten Britin, Rachel Joyce, folgt dann ein Schweizer Doppelpack: Caroline Steffen und Karin Thürig. Doch sie können sich kaum noch freuen, so fertig sind sie. Ganz anders Sonja Tajsich, die in 3:04:47 Stunden die fünftbeste Laufzeit hinlegt und strahlend direkt hinter Thürig auf Platz sieben läuft. Es ist ein passendes Bild zu diesem Rennen: links die ausgepumpte Thürig, rechts die strahlende Tajsich – die das beste Hawaii-Resultat ihrer Karriere feiert.
Ironman World Championship 2011
8. Oktober 2011, Kailua-Kona, Hawaii (USA)
3,8 km Swim180 km Bike42,2 km RunGesamt
1Chrissie WellingtonGBR1:01:034:56:532:52:418:55:08
2Mirinda CarfraeAUS57:175:04:172:52:098:57:57
3Leanda CaveGBR53:544:58:413:06:369:03:29
4Rachel JoyceGBR53:564:58:573:09:559:06:57
5Caroline SteffenSUI57:154:50:263:15:179:07:32
6Karin ThürigSUI1:12:194:44:203:13:319:15:00
7Sonja TajsichGER1:06:574:58:553:04:479:15:17
8Heather WurteleCAN58:434:59:103:15:299:17:56
9Caitlin SnowUSA58:475:20:572:53:519:18:11
10Virginia BerasateguiESP58:445:03:313:12:509:19:52