Ironman Wellington schnuppert an der Weltbestzeit

Langstrecke | 6. Juli 2008
Chrissie Wellington hat in beeindruckender Weise auch den vierten Ironman ihrer Karriere als Siegerin beendet. Die Hawaiisiegerin feierte beim Ironman in Frankfurt einen überlegenen Start-Ziel-Sieg - und ließ die Bestmarke von Paula Newby-Fraser wackeln.
Der Ironman Germany ist um ein denkwürdiges Kapitel reicher: Was Chrissie Wellington heute auf den 226 Kilometern durch die Rhein-Main-Region geleistet hat, verdient großen Respekt. Die 31-jährige Britin war nicht nur in allen drei Teildisziplinen die Schnellste, sie schaffte in ihrem vierten Ironmanrennen die zweitbeste jemals von einer Frau erzielte Zeit auf der Langdistanz.
Die Rekordhalterin Paula Newby-Fraser musste allerdings lange um ihre Bestmarke zittern, denn die Hawaiisiegerin lag auch wenige Kilometer vor dem Ziel noch auf Rekordkurs. Doch die smarte, fortwährend lächelnde Wellington kannte die Bestzeit überhaupt nicht - und sog lieber die Stimmung an der Strecke auf. Am Ende verpasste sie die 14 Jahre alte Marke von Newby-Fraser um die Winzigkeit von 31 Sekunden. Doch der Reihe nach.

Reinders will zu viel

Schon beim Schwimmen am frühen Sonntagmorgen rechtfertigte Wellington ihre Favoritenstellung. Einzig Ina Reinders war in der Lage, ihr im 23,5 Grad warmen Langener Waldsee einigermaßen zu folgen. Aber auch die 29-jährige Münchnerin musste die Überlegenheit der derzeit weltbesten Langdistanzathletin schließlich anerkennen. Knapp 70 Sekunden vor Reinders und fast zwei Minuten vor Titelverteidigerin Nicole Leder begab sich Wellington nach gut 50 Minuten auf den Weg Richtung Frankfurt. Reinders hatte sich aber offenbar auch auf dem Rad viel vorgenommen, fuhr die erste Runde immer in Schlagdistanz, um bei Kilometer 100 sogar zur Führenden aufzuschließen. Dass sich die Deutsche damit etwas zu viel zugemutet hatte, war spätestens bei der zweiten Wende in Bad Nauheim klar, denn dort hatte die plötzlich vollkommen kraftlos wirkende Referendarin bereits vier Minuten verloren. Kurz vor dem zweiten Wechsel, am "Heartbreak Hill" in Bad Vilbel schloss gar Wenke Kujala zu ihr auf.

Leder löst Versprechen ein

Als Wellington dann die Wechselzone in Richtung Mainufer verließ, bestanden angesichts ihrer Laufstärke kaum noch Zweifel daran, dass nur sie die Siegerin dieses Rennens sein kann. Zumal Nicole Leder, die Einzige, die ihr an einem guten Tag auf der Marathondistanz den Sieg hätte streitig machen können, auf den 180 Radkilometern fast 20 Minuten einbüßte. "Ich habe vor dem Rennen versprochen, bis zur Ziellinie zu kämpfen und dieses Versprechen wollte ich einhalten", umschrieb Leder ihren langen Kampf gegen den inneren Schweinehund.

Incredible Atmosphere

Und Während sich Wellington an der Spitze in die Herzen der hessischen Zuschauer lief, startete Leder eine Aufholjagd, der zuerst Lokalmatadorin Meike Krebs, später Ina Reinders und schließlich auch Wenke Kujala zum Opfer fielen. "Chrissie war heute in einer anderen Liga unterwegs", lobte die Darmstädterin die Leistung ihrer Bezwingerin. Die schüttelte auf den letzten Metern so eifrig Hände, dass sie die Weltbestzeit von Paula Newby-Fraser verpasste. "Die Leute haben mir zugerufen, dass ich den Rekord schaffen kann. Ich wusste allerdings gar nicht welche Zeit ich dafür schlagen muss", sagte Wellington später. Außerdem sei es ihr viel wichtiger gewesen, die "incredible atmosphere" an der Strecke aufzusaugen und den unglaublich vielen jubelnden Zuschauern etwas zurückzugeben. Ebenfalls von der Kulisse überwältigt, erreichten Nicole Leder und Wenke Kujala als Zweite und Dritte den restlos gefüllten Römerberg. Für Kujala, die das Rennen im Vorjahr bis auf die Laufstrecke angeführt, dann aber aufgegeben hatte, war der dritte Platz nicht nur gleichbedeutend mit der Qualifikation für Hawaii - es war auch der größte Erfolg in der Karriere der Hilpoltsteinerin. "Ich wollte etwas gutmachen und das ist mir gelungen", sagte die 31-Jährige überglücklich.
Ironman Germany European Championship
6. Juli 2008, Frankfurt
3,8 km Swim180 km Bike42,2 km RunGesamt
1Chrissie WellingtonGBR48:344:57:173:01:448:51:24
2Nicole LederGER50:045:11:453:11:209:17:26
3Wenke KujalaGER52:065:03:273:25:009:24:54
4Meike KrebsGER51:195:05:253:29:489:30:47
5Imke SchierschGER54:105:18:153:19:509:36:15
6Iris TiedekenGER53:535:22:103:17:089:37:43
7Ina ReindersGER49:515:07:443:38:039:39:10
8Joanna CarrittGBR1:00:315:17:173:20:469:43:19
9Simone AumannGER57:095:15:463:30:319:48:10
10Linda SchückerGER57:065:19:393:32:159:52:50