Wer holt sich die Prestigetitel im Kraichgau?

Am Sonntag beginnt die Langstrecken-Saison 2013 in Mitteleuropa. Nach dem zum Duathlon verkürzten Ironman 70.3 St. Pölten und dem abgebrochenen Rennen in Rapperswil steht bei der Challenge Kraichgau der erste Härtedistanz über die Mitteldistanz auf dem Programm. Schwimmen wohl inklusive.

von | 7. Juni 2013 | Aus: Szene

Pressekonferenz Challenge Kraichgau

Das "Who is who" der Challenge Kraichgau 2013 bei der Pressekonferenz: Timo Bracht, Yvonne van Vlerken, Organisator Björn Steinmetz, Julia Gajer und Maik Petzold.

Foto > Frank Wechsel / spomedis

Mit einer Wassertemperatur von 17 Grad rechnen die Verantwortlichen bis Sonntag im Hardtsee, dem Schwimmrevier der Challenge Kraichgau. Das bedeutet: Triathlon, endlich. Der Saisonbeginn bringt vor allem für einen eine neue Herausforderung: Maik Petzold hat bisher das Kurzstreckengeschehen im Lande mitbestimmt, von Bautzen aus die olympischen Distanzen mehr und mehr dominiert. Er hat in seiner 20-jährigen Karriere nationale Meistertitel eingefahren, ein Weltcuprennen gewonnen, eine WM-Medaille geholt, ist zweimal bei Olympia gestartet. Nun widmet er sich im Herbst seiner Karriere den Mittel- und Langdistanzen. „Ich kann die Anstrengung, die ein solches Rennen mit sich bringt, noch nicht einschätzen“, gibt der Sachse Einblick in sein Seelenleben. „Aber am Sonntagabend weiß ich es.“

Bei dem vielleicht einzigen Rennen seiner Karriere über die Mitteldistanz gilt Maik Petzold als das Dark Horse - der Kurzstreckler, dem viele einen guten Start zutrauen und der sich schnell in der Rolle des Gejagten wiederfinden könnte. Denn mit Sebastian Kienle hat genau der Athlet krankheitsbedingt seinen Start abgesagt, der den Rennverlauf wohl von vornherein mit seiner brachialen Hauruck-Taktik auf dem Rad bestimmt hätte. Nun träumt auch Petzold wieder vom Sieg. „Über diese Strecke habe ich das Potenzial. Ich habe mich hier auf dem Kurs von Beginn an sehr heimisch gefühlt, fast wie in der Lausitz.“ Und vielleicht hat auch der jüngste Sieg des Olympiazweiten Javier Gomez bei der Challenge Barcelona Petzold weiteren Rückenwind gegeben, auch wenn „Gomez auch auf der Kurzstrecke sicher ein absoluter Ausnahmeathlet ist.“

Dark Horse vs. Power Horse

Während Petzold aus der Rolle des Dark Horse in diesem Starterfeld nur gewinnen kann, steht ein anderer nach der Absage von Sebastian Kienle und dem möglichen Startverzicht von Andreas Raelert unter einem ganz anderen Druck: „Ich bin Heimschläfer, hatte heute früh auf dem Navi 42,8 Kilometer von zu Hause nach hier“, verrät der nun zum Lokalmatador aufgerückte Chef des neuen Power Horse Teams. Gestern hat Bracht noch einmal eine längere Radausfahrt absolviert: 40 Kilometer bis zur Radstrecke, „einmal rum“ und zurück sind in der Summe 170 Kilometer – und damit ein Zeichen, dass die Deutschen Meisterschaften auf der Mitteldistanz für Bracht wohl eher eine Durchgangsstation sind, was er auch klar zugibt: „Mein Ziel im Sommer ist die Challenge Roth – mit Kraichgau immer im Hinterkopf“, so Bracht, der sich freut, dass er am Sonntag einen Kurs vorfindet, auf dem er sich einmal „so richtig austoben kann“.

Doch Bracht und Petzold sind nicht die einzigen Triathleten, die sich am Sonntag Hoffnungen auf den ersten Prestigetitel machen, der 2013 im Lande zu vergeben ist: Mit Joerie Vansteelant aus Belgien hat ein dreifacher Duathlon-Weltmeister gemeldet, Markus Fachbach möchte sich nach 2010 zum zweiten Mal als Deutscher Meister feiern lassen.

Julia Gajer will Vorjahrestaktik perfektionieren

Schon im vergangenen Jahr konnte sich Julia Gajer als Siegerin der Challenge Kraichgau feiern lassen. Das möchte sie gern wiederholen – im Vertrauen darauf, ihre Stärken weiter ausgebaut zu haben: „Beim Laufen bin ich sehr gut vorbereitet“, sagt die Stuttgarterin, „wenn es wieder auf eine Laufentscheidung hinausläuft, dann werde ich früher angreifen.“

Auf Angriff setzt auch die Niederländerin Yvonne van Vlerken – allerdings an früherer Stelle. Die starke Radfahrerin aus dem eher flachen Holland wohnt seit sieben Jahren in Österreich und ist auch im Kraichgau heimisch geworden – nicht nur, weil sie inzwischen beim Training auf der Strecke oft mit ihrem Namen angefeuert wird: „Die Energie und die Atmosphäre sind hier sehr gut, das ist für eine Athletin wie mich sehr wichtig“, weiß van Vlerken die Gastfreundschaft der Badenser zu schätzen. Mit diesem Rückenwind möchte sie ihren ersten Sieg auf einer Mitteldistanz im Jahr 2013 einfahren, warnt aber davor, das Rennen nur auf eine Duell zwischen der Radfahrerin van Vlerken und der Läuferin Gajer zu reduzieren. Vor allem die Britin Corinna Abraham hat die Niederländerin auf der Rechnung, auch mit Sonja Tajsich sollte am Sonntag zu rechnen sein.