"Wettkampfalter schützt vor Dummheit nicht"

Andreas Raelert hatte sich nach einer schwierigen Saison in letzter Sekunde für den Ironman Hawaii qualifiziert und war mit gedämpften Erwartungen ins Rennen gegangen. Trotzdem war beim Halbmarathon sogar noch Platz zwei hinter Sebastian Kienle in Sichtweite. Was dann geschah, erzählt Raelert im tri-mag.de-Interview.

Von > | 24. Oktober 2014 | Aus: Szene

Andreas Raelert | Andreas Raelert

Andreas Raelert

Foto > Frank Wechsel / spomedis

Andreas Raelert, Sie haben sich mit Ach und Krach für den Ironman Hawaii qualifizieren können und hatten eine schwierige Saison hinter sich. Trotzdem hatten Sie auf Hawaii beim Halbmarathon schon Rang zwei in Sichtweite. Was ist dann passiert?

Ich habe einen gravierenden Fehler im gesamten Rennen gemacht, für den ich urplötzlich viel Lehrgeld zahlen musste. Nach meinem energetischen Einbruch beim Ironman in Mont-Tremblant in Kanada, wo ich mich unterversorgt habe, wollte ich es in Kona besonders perfekt machen und habe mich deutlich überverpflegt. Auch höheres Wettkampfalter schützt vor Dummheit nicht.

Sie haben den Ironman Hawaii dann wandernd ins Ziel gebracht. Aus professioneller Sicht vielleicht nicht die „schlauste“ Entscheidung. Warum haben Sie sie trotzdem getroffen?

Weil der Moment des verletzungsbedingten Ausstiegs im letzten Jahr auf Hawaii so negativ prägsam war, dass ich unter allen Umständen die Ziellinie vor Mitternacht überqueren wollte.

Auf einer so langen „Wanderung“ hat man viel Zeit zum Nachdenken. Was ging Ihnen durch den Kopf?

Man hat viel zu viel Zeit zum Nachdenken. Auch wenn ich viele aufmunternde Zurufe erleben durfte, stellte ich so viele Dinge in Frage, dass es schwer war, überhaupt positive Gedanken zu fassen. Ich weiß, dass es so viele wichtigere Dinge im Leben gibt als diesen Ironman auf Hawaii, aber in der Situation ist man emotional sehr aufgeladen und nicht wirklich rational denkend. Ein kleines Highlight blieb dann doch: die wirklich tolle Atmosphäre im Zielbereich und das Beenden eines kleinen persönlichen Dramas.

Ihre letzten Rennen endeten, gelinde gesagt, katastrophal. Wie werten Sie da den Ironman Hawaii 2014?

Nach der holprigen Saison gibt es für mich viele schöne und positive Ansätze. Die Freude am Triathlon und am Sport ist zurückgekehrt und meine Aussichten für die nächsten Jahre sehe ich sehr vielversprechend. Das Rennen auf Hawaii gibt mir die Bestätigung, dass ich mich trotz einer suboptimalen Vorbereitung bis zum Halbmarathon mit der Weltspitze messen konnte. Auch wenn sieben Stunden Renndauer kein Vergleich zu acht Stunden Renndauer sind, und "hätte, wenn und aber" keine Argumente sind, nehme ich jetzt so viel Motivation in die neue Saison wie bei meinem Einstieg auf die Langstrecke.

Wissen Sie denn schon, wie es sportlich weiter geht?

Natürlich, nachdem sich Craig Alexander mit über 40 Jahren in diesem Jahr der Herausforderung Hawaii erneut gestellt hat, ist für mich noch lange nicht Schluss.

Sie wollen also auf Hawaii erneut den Angriff auf die Triathlonkrone wagen?

Dieser Traum endet erst, wenn ich meine Karriere beende.

Andreas Raelert im triathlonTV-Interview vor dem Ironman Hawaii 2014:

Alles über den Ironman Hawaii, Rennberichte und mit welchem Material Raelert auf dem Queen K Highway unterwegs war, lesen Sie in unserem 196 Seiten starken Hawaii-Special. 

Hier gibt's eine kleine Leseprobe