Felix Walchshöfer: "Natürlich ist auch eine Weltmeisterschaft ein Thema für uns."

Frank Wechsel / spomedis

Felix Walchshöfer
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Roth-Chef Walchshöfer im Interview "Wir setzen auf die Altersklassenathleten!"

Langstrecke | 6. Juli 2012
Zum elften Mal schon findet die traditionsreiche Rother Langdistanz am Sonntag unter dem Challenge-Label statt. Im Interview spricht Felix Walchshöfer über sein derzeitiges Verhältnis zum Ironman, die Schwerpunktsetzung auf die Altersklassensportler und die Weiterentwicklung der Marke Challenge.
Felix Walchshöfer, Sie haben den Komfort Ihrer Wohnung für die Rennwoche der 11. Challenge gegen die spartanische Enge eines Wohnmobils eingetauscht, das Sie direkt neben dem Rother Triathlonstadion geparkt haben. Wie schläft und arbeitet es sich hier?
Es schläft sich relativ gut, auch wenn diese Nacht ein großer Gewitterschauer über das Gelände  gezogen ist,  der sich im Wohnmobil wie ein Trommelfeuer anhörte. Aber da die Hälfte unseres Teams hier draußen schläft, ist es auch mir sehr wichtig, dabei zu sein und zu sehen, dass alles läuft.
Felix Walchshöfer
Besondere Location: Das Interview unter der Markise des Headquarter-Wohnmobils.
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Dass Sie gern ganz dicht dran sind und, wenn nötig, auf dem Wettkampfgelände auch selbst mit zupacken, konnte man schon in den vergangenen Jahren beobachten. In diesem Jahr wirken Sie noch wesentlich gelassener, noch greifbarer - ist das auch ein bisschen als Statement zu verstehen?
Ja, das stimmt. Wir haben im Landkreis Roth eine völlig triathlonverrückte Bevölkerung und alle wissen, wo sie anpacken müssen. In diesem Jahr sind es insgesamt 5.600 Helfer, also nochmal 400 mehr als 2011. Auch die Mannschaft am Festplatz haben wir nochmal wesentlich aufstockt, sodass es dieses Jahr für alle ruhiger und gelassener läuft – sowohl für mich, als auch für die Wettkampfleiter. Es macht so nochmals ein Eckchen mehr Spaß, weil man sich auch wesentlich besser auf die Details konzentrieren kann.
So eng dran zu sein bedeutet auch Szenenähe, die ja auch ein bisschen das Markenzeichen der Challenge sein soll. Insofern: Auch ein Signal in diese Richtung?
Ja, sicher. Ganz sicher geht es dabei auch um die Nähe zur Szene. 
Trotz deren großen Zuspruchs - Sie mussten in den vergangenen neun Monaten ein paar schwere Enttäuschungen verarbeiten, als erst in Kapstadt die versprochene Unterstützung für das Rennen ausblieb und sie anschließend Ihr neues Juwel in Cairns an die World Triathlon Corporation verloren. Müssen Sie sich doch noch ein bisschen dickeres Fell zulegen?
Felix Walchshöfer
Felix Walchshöfer: "Ich weiß nicht, ob ich mir ein noch dickeres Fell zulegen muss."
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Ich weiß nicht, ob ich mir da noch ein dickeres Fell zulegen muss. Wir sind, was die Challenge-Family betrifft, gerade in der Umstrukturierungsphase, werden aber erst in einigen Monaten mit neuen Nachrichten rauskommen. Wir haben im vergangen Dreivierteljahr sehr viel hinter den Kulissen gearbeitet, sodass wir einiges an Neuigkeiten haben, damit es weiter mit Volldampf nach vorn gehen kann. Keine zu großen Schritte, für uns zählt weiterhin Qualität anstatt Quantität.
Die Geschehnisse haben also keine Spuren hinterlassen?
Nein, haben sie nicht. Aus Niederlagen lerne ich wesentlich mehr als aus Erfolgen. Da muss man sich auch einfach kritisch hinterfragen, muss Entscheidungen überprüfen. Aber für mich ist es auch immer ein positiver Effekt, wenn man reflektieren muss: Was ist gut gelaufen, was ist schlecht gelaufen? Das betrifft auch jede einzelne Veranstaltung. Jede hat Höhepunkte, jede hat aber auch Probleme, die es im Anschluss zu analysieren gilt.
In einem Interview mit der Frankfurter Rundschau schlagen Sie heute ungewöhnlich scharfe Töne gegenüber der World Triathlon Corporation (WTC) an, die ihr wichtigstes europäisches Rennen in Frankfurt auf den gleichen Tag gelegt hat. Ist die kurze Phase der friedlichen Koexistenz vorbei?
Wir haben uns in den vergangenen Jahren auf uns konzentriert und werden das auch weiterhin tun. Wir haben mit Kai Walter, dem Europamanager der WTC, keinerlei Probleme, und so möchten wir es auch weiterhin gern handhaben. Natürlich ist es aber so, dass das WTC-Headquarter bei uns nicht ganz so gut gelitten ist wie die Kollegen in Frankfurt.
Durch das mit dem vergangenen Jahr eingeführte Kona Pro Ranking und die reichliche Punkteausstattung des Frankfurter Rennens - wo der Zehnplatzierte immer noch mehr Punkte kassiert als für einen Sieg auf Lanzarote oder in Großbritannien - werden Sie auch künftig wohl auf viele Topathleten verzichten müssen. Wie sieht Ihr Gegenkonzept aus?
Wir haben mit dieser Situation schon die letzten Jahre gelebt, beide Veranstaltungen – Roth und Frankfurt. Beide müssen schauen, dass sie sich Topathleten sichern. Wir haben momentan einige Konzepte in der Schublade, von denen wir im nächsten halben Jahr einige bekannt machen werden. Es gilt aber nach wie vor: Wir wollen die Topathleten in Roth und wir haben die Topathleten in Roth, aber unseren Schwerpunkt setzen wir weiter auf die Altersklassenathleten. Mit vielen Qualitätsverbesserungen, die wir dieses Jahr in Roth eingeführt haben: Sei es die Challenge-App oder die neue Facebook-Applikation, die eingeschlagen hat wie eine Bombe: Momentan haben wir 1.500 Anmeldungen dafür. Zudem haben wir unsere Meldestelle hier in Roth komplett neu organisiert. Gerade solchen Details, von den all unsere Athleten profitieren, schenken wir sehr große Aufmerksamkeit.
Kann das Wir-Erlebnis der Challenge wirklich den Mythos des Ironman Hawaii ablösen?
Die Marke ist von meinem Vater von vornherein so aufgebaut worden: 'We are Triathlon' steht für das "Wir"-Gefühl, und damit meinen wir nicht uns als Organisation sondern genauso unsere Athleten, unsere Helfer, die Politik, unsere Sponsoren. So können wir die Idee sehr glaubhaft rüberbringen. Wer zu unseren Rennen kommt, spürt dieses Selbstverständnis, fühlt sich wohl und kommt gern wieder. Auf diese Qualität werden wir auch zukünftig setzen und ständig weiter daran arbeiten.
In einem halben Jahr wollen Sie Neuigkeiten bekanntgeben - spielen bei der Entwicklung eines gleichwertigen Gegenpols zum IRONMAN Gedanken an eine Weltmeisterschaft eine Rolle?
Felix Walchshöfer
Europameisterschaft 2012: Das Challenge-Logo hat für dieses Jahr einen Zusatz erhalten.
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Ich würde unsere Stärke nicht allein an einer Weltmeisterschaft festmachen wollen. Unser Vorteil ist vielleicht gerade, dass wir kein Hawaii hatten und uns mit anderen Ideen durchsetzen mussten. Unsere Rennen müssen so aufgestellt sein, dass die Sportler wegen des besonderen Erlebnisses, das jedes einzelne Event auf seine eigene Art bietet, dorthin kommen. Deshalb stecken wir sehr viel Fleißarbeit in die einzelnen Rennen und versuchen auch, die jeweiligen Möglichkeiten herauszuarbeiten. Wer am Walchsee startet, darf ein ganz anderes Erlebnis erwarten als in Roth oder Kopenhagen. Aber natürlich ist auch eine Weltmeisterschaft für uns ein Thema, für das es bereits Konzepte gibt, die wir weiterverfolgen. Wir haben sehr gute Kontakte zu den Verbänden: Im Kraichgau und in Roth finden ja in diesem Jahr die offiziellen Europameisterschaften statt, der ETU-Präsident Renato Bertrandi ist gekommen, um das Rennwochenende in Roth mitzuerleben, DTU-Präsident Dr. Martin Engelhardt ist hier - wir werden auch zukünftig versuchen, eng zusammenzuarbeiten.
Als vor einem halben Jahr die WTC ihren Deal mit dem siebenfachen Tour-de-France-Sieger und Triathlon-Rückkehrer Lance Armstrong verkündete, fühlten sich in dem gigantischen Hype viele verdiente Profis der Ironman-Szene zurückgesetzt. Was haben Sie davon mitbekommen?
Solche Stimmen haben wir auch gehört. Viele Topathleten haben Ihr Leben dem Triathlonsport verschrieben und müssen auch ihren Lebensunterhalt damit bestreiten, was im Vergleich zu anderen Sportarten wie beispielsweise dem Fußball nicht leicht ist. Und es ist einfach schlecht, wenn das von der Seite der Veranstalter nicht anerkannt und entsprechend gewürdigt wird.
Kommt dann auch ein bisschen Schadenfreude auf, wenn das Dopingverfahren der USADA die WTC plötzlich zur Umkehr zwingt?
Schadenfreude oder auch Genugtuung würde ich das gar nicht nennen, aber wir hätten uns nicht für Armstrong entschieden, weil das Problem absehbar war. Wir geben für unser Statement im Anti-Doping-Kampf mit Kontrollen vor und nach dem Rennen jedes Jahr etwa 40.000 Euro aus und machen das gemeinsam mit der DTU und der NADA (der Nationalen Anti Doping Agentur in Bonn, die Red.). Ein solcher Weg wäre schwer vereinbar mit der Verpflichtung eines solchen Sportlers.
Die WTC hat Armstrong mit der Eröffnung des Verfahrens schon vor einem Schuldspruch suspendiert, weil ihre Vereinbarung mit den Profis das vorsieht. Bei Ihnen - schrieb daraufhin ein britisches Triathlonmagazin - wäre Armstrong startberechtigt. Hätten Sie die WTC-Klausel nach solchen Rückschlüssen auch gern in Ihren Verträgen stehen?
Ich brauche eine solche Klausel gar nicht, denn ich habe Armstrong nicht eingeladen und werde das auch niemals tun - egal, wie das Verfahren ausgeht. Wir haben uns reiflich überlegt, wie wir einen fairen Sport gewährleisten können, und haben uns dafür entschieden, in unseren Verträgen das Regelwerk der dafür zuständigen Instanzen umzusetzen: Triathlonverband und NADA. Es steht uns nicht zu, Recht zu sprechen.
In den vergangenen Jahren dominierten jeweils neue Rekorde die Titelzeilen über Ihr Rennen. Welche Headline wäre Ihnen am Sonntagabend die liebste?
'Traumduell beim schönsten Triathlon der Welt.' Natürlich haben wir eine sehr schnelle Strecke und die beiden Weltbestzeiten im vergangenen Jahr waren eine tolle Sache. Aber so etwas brauchen wir nicht jedes Jahr, es ist ja auch kaum zu toppen. Und wir verstehen auch die, die uns danach gesagt haben: Ein super Rennen, aber irgendwie auch ein bisschen spannungsarm. In diesem Jahr haben wir mit den Verpflichtungen im Frauen- wie im Männerfeld ein ganz anderes Rennen aufgebaut. Wir haben alle Zutaten für einen sehr spannenden Wettkampf am Sonntag.
Felix Walchshöfer
Felix Walchshöfer (rechts) im Gespräch mit triathlon-Chefredakteur Jens Richter.
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