Kaum einen Blick für Norwegens Schönheit: Norseman-Xtreme-Siegerin Annett Finger im Fels-Trail zum Gipfel des 1.880 Meter hohen Gaustatoppen

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Norseman Xtreme Triathlon 2012, Siegerin Annett Finger
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Norseman-Jubiläum Zwei Tage, zwei Rennen, drei Rekorde

Langstrecke | 6. August 2012
Es war wohl die aufwendigste Triathlon-Party, die Norwegen je erlebt hat: Zur Feier der zehnten Auflage des Norseman Xtreme Triathlons fand das spektakuläre Langdistanzrennen in Südnorwegen gleich zweimal statt. Und beglückte dabei 450 Teilnehmer, ihre Supporter und Fans mit Traumbedingungen und drei neuen Streckenrekorden.
Genau 23 Stunden und 17 Minuten durfte sich die deutsche Norseman-Siegerin Julia Nikolopoulos aus Frankfurt über ihren am frühen Samstagabend aufgestellten Streckenrekord von 13:00:40 Stunden freuen, da hagelte es schon den nächsten. Der Grund: Wegen der großen Nachfrage nach Startplätzen bei der Jubiläumsausgabe, aber auch aus ökonomischen Gründen, hatten die Veranstalter entschieden, das Rennen in identischer Form gleich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen auszutragen. Und so stürmte am Sonntag bei erneut fantastischen Wetterbedingungen bereits die nächste Deutsche in Rekordzeit über den knallharten Fels-Trail zum Ziel unter dem 1.880 Meter hohen Gaustatoppen. Annett Finger aus Dresden drückte die Rekordmarke auf bisher für kaum möglich gehaltene 12:17:04 Stunden.

Showdown am "Zombie Hill"

Das Szenario eines Doppelrennens hatte das Team um Renndirektorin Line Hagen bereits im vergangenen Jahr hinter den Kulissen durchgespielt. Dennoch bedeutete die doppelte Starterzahl von beinahe 450 Athleten und ebenso vielen Supporter-Teams aus 32 Nationen nicht nur für die Organisatoren, sondern auch für die Infrastruktur einen Kraftakt. In der beschaulichen Kleinstadt Eidfjord, die zeitgleich auch noch den Besuch von zwei großen Kreuzfahrtschiffen verarbeiten musste, dürfte man sich für eine knappe Woche gefühlt haben wie der Nabel der Welt.
Mit gemischten Gefühlen wird dagegen die dreifache Norseman-Siegerin Susanne Buckenlei von Eidfjord aus den Verlust ihres Streckenrekords aus dem Vorjahr beobachtet haben. Den hatte die Rotherin, die in diesem Jahr dem schottischen Schwesterrennen "Celtman" den Vorzug gab, auf einer 20 Kilometer längeren Radstrecke aufgestellt - bei zum Teil strammem Gegenwind, der auf der damals also 200 Kilometer langen Punkt-zu-Punkt-Radstrecke mit über 3.000 Höhenmetern den Vorwärtsdrang kräftig bremste. Doch das kann die Leistungen ihrer beiden deutschen Nachfolgerinnen nicht schmälern. Während sich die Hawaii-erprobte Julia Nikolopoulos am Samstag mit der Unterstützung ihres ebenfalls triathlonerfahrenen Ehemanns in einer One-Woman-Show durch die wilde Natur zum Gipfel treiben musste, bekam es Annett Finger am Sonntag gleich mit mehreren starken Konkurrentinnen zu tun. Ständig ging es in einem Trio hin und her mit der Führung, erst im "Zombie-Hill", der nach 22 Laufkilometern beginnenden langen Serpentinenstraße zum Gaustatoppen, konnte Finger sich allmählich von ihrer letzten Herausforderin lösen.

Spezieller Finisher-Spirit

Ihren bildhaften Namen erhielt die Steigung übrigens einst von Norseman-Erfinder Paal Haarek Stranheim, dessen  tiefschwarzer Humor den 45-Jährigen zum Jubiläum "seines" Rennens auch selbst wieder an die Startlinie lockte - mit der Startnummer 1. Die hätten am stärker besetzten Sonntag allerdings auch Andere tragen können: Gleich vier ehemalige Norseman-Sieger trugen sich am späten Nachmittag auf dem Gaustatoppen in die Finisherliste ein. Nach dem frühzeitigen Ausstieg des führenden Schweden Björn Andersson, der sich nach langen Krankheitsproblemen im vergangenen Jahr noch nicht in der Form fühlte, das Rennen zu beenden, ging der Sieg an den Norweger Henrik Oftedal. Er ist damit nicht nur der bisher Einzige, der seinen Sieg beim Norseman wiederholen konnte. In 10:23:43 Stunden stellte Oftedal auch einen neuen Streckenrekord auf. Tags zuvor hatte der Franzose Arnaud Epp mit einer Zeit von 11:37:05 Stunden triumphiert.
Mit gerade einmal 25 Ausfällen kann das neben dem neuen "Celtman" härteste Langstreckenrennen der Welt übrigens ein weiteres Mal mit einer der geringsten Aussteiger-Quoten aufwarten. Es liegt wohl an dem besonderen Spirit des Norseman und an der beeindruckenden Leistung der individuellen Support-Teams, ohne die dieses Rennen nicht möglich wäre. Norseman-Erfinder Stranheim erreichte das Ziel übrigens nach 14:24:34 Stunden - auch für ihn war es eine neue persönliche Bestzeit.