Einblick ins Zahlenuniversum Andrew Messick: "Ironman steht vor großem Wachstum"

Szene | 26. Januar 2016
In Los Angeles tauschen sich derzeit die wichtigsten Entscheider der Triathlonwelt über den Status des Sports zu Beginn des Olympiajahres aus. Bei seiner Keynote auf der Konferenz "Triathlon Business International" berichtete Ironman-Chef Andrew Messick über die Entwicklung der Marke, den geringen Frauenanteil in Europa und die Lotterie-Katastrophe.
Als Andrew Messick 2011 die Führung der World Triathlon Corporation übernahm, war Ironman ein „US-zentriertes und amerikabasiertes Unternehmen“. Unter Messick schlug der Konzern einen beispiellosen Wachstumskurs ein: Heute richtet Ironman Rennen in 42 Ländern aus. Das Wachstum, gemessen an der Zahl einzelner Athleten, die bei einem Ironman oder Ironman 70.3 an den Start gehen, fand dabei vor allem in Europa statt: 75 Prozent mehr Triathleten als noch vor fünf Jahren gehen dort bei einem Rennen der Serie an den Start, in Amerika sind es 22 Prozent mehr. Auch die Region Asien-Pazifik trug mit 19 Prozent Zuwachs zum Wachstum bei.

Immer mehr Frauen - außer in Europa

Ein Teil der internationalen Wachstums führt WTC-Chef Messick auch darauf zurück, dass sich immer mehr Frauen für den Triathlonsport begeistern - vor allem in den USA. Dort stieg der Anzahl der weiblichen Teilnehmer bei den Rennen von 2012 bis 2015 von 29 auf 34 Prozent. Quoten, von denen europäische Triathletinnen nur träumen können: Ganze 16 % betrugt die Frauenquote 2015 bei den Rennen im EMEA-Raum, also bei den vielen Rennen in Europa und den wenigen im mittleren Osten und in Afrika. Selbst in Zentral- und Südamerika ist die Quote mit 20 % höher. Trotzdem sieht Messick auch in Amerika noch viel Potenzial: „Wir hängen noch sehr weit hinter den reinen Laufevents zurück.“ Bei Halbmarathonläufen in den USA beispielsweise sind inzwischen 60 % der Finisher weiblich.

Fokus liegt in China

Das Wachstum der Marke Ironman wird auch in der Zukunft vorangetrieben, zumal der größte Wachstumsmarkt noch gar nicht erschlossen ist: Durch die Übernahme von Ironman durch die chinesische Dalian Wanda Group wird der Fokus der Weiterentwicklung im fernen Osten liegen. Im Jahr 2012 finishten bei den weltweiten Ironman- und Ironman-70.3-Rennen ganze 75 Chinesen, 2015 waren es 398, davon nur zwei bei der WM in Kailua-Kona. Für Andrew Messick eröffnet das Ironman-Engagement aus und in China „den größten Wachtstumsmarkt für Sport aller Zeiten“, zumal die Chinesen trotz wiederkehrender Meldungen über eine Abbremsung des Wirtschaftswachstums „eine riesengroße Kaufkraft“ haben.

TV-Rechte im Paket

Ein in vielen Diskussionen in Los Angeles wiederkehrendes Thema ist die Übernahme der Hamburger Eventsparte von Lagardére durch Ironman. Messick sieht hier große Chancen, „vor allem den Triathlonsport zusammen mit der International Triathlon Union zu crosspromoten“. So würden Fernsehrechte den Sendeanstalten zukünftig im Bundle angeboten: World Triathlon Series und Ironman-Rennen im Paket. Messick räumte ein, dass die weltweite TV-Präsenz selbst des Ironman Hawaii derzeit noch sehr zu wünschen übrig lasse - unter ausdrücklicher Ausnahme von Deutschland, wo die ARD das Rennen live aus Kailua-Kona überträgt.

Lotterie-Aus: "Eine Katastrophe für die Athleten"

Kailua-Kona wird auch im neuen Ironman-Universum der Fixstern bleiben. Derzeit nähmen 90 Prozent der Qualifizieren weltweit ihr Startrecht auf Hawaii auch wahr. Eine Niederlage musste Messick bei allen euphorisch präsentierten Zahlen dann aber doch einräumen: Das Verbot der Ironman-Lotterie, bei der sich Interessierte per Loskauf und Glück einen Ironman-Hawaii-Startplatz ergattern konnten, sei „eine Katastrophe für unsere Athleten“, für die er keine Lösung sehe - schon gar nicht kurzfristig für 2016. Die amerikanische Justiz hatte Ironman das Lotterieverfahren untersagt, aber die Hintertür durch eine kostenlose Startplatzverlosung offen gelassen. „Die ist jedoch nicht in unserem Sinne, da dann viele Bewerber von außerhalb unserer Community kämen“, so Messick. „Wenn dann jeder gewinnen könnte, würde das einen Ironman-Startplatz entwerten.“ Und die Steigerung des Werts der Marke Ironman wird auch im Wanda-Universum ein wichtiges Ziel der World Triathlon Corporation bleiben.