Auf der Suche nach der Radform

Marieke vom Team Racing Aloha bereitet sich auf das Trainingslager mit ihren Teamkolleginnen vor. Weil es für das Rennrad aber zu kalt ist, sattelt sie spontan auf gröberes Profil um. Protokoll eines Waldausflugs.

Von > | 15. März 2016 | Aus: Szene

Racing Aloha | Racing Aloha

Marieke vom Team "Racing Aloha" sucht nach ihrer Radform

Foto > privat

Ein Blick aus dem Fenster: Traumwetter für eine kleine Rennradtour. Doch schon ein paar Schritte vor der Haustür erfüllt mich eine Eiseskälte. Der Beweis, dass auch blauer Himmel und strahlender Sonnenschein einen manchmal täuschen können. Rennradfahren? Wohl kaum. Aber Frau ist flexibel und sattelt auf grobes Profil um, denn bekanntlich zieht es im Wald weniger. Vor dem Kleiderschrank wartet schon die nächste Herausforderung: Betont lässiges Outfit mit Shorts oder doch lieber enganliegend und schnell aussehen? Für mich soll es heute das Raceoutfit sein, denn die Beine fühlen sich gut an.

Schnell die Trinkflasche gefüllt und in die Radschuhe geschlüpft. Und bloß nicht die Überschuhe vergessen! Das Mountainbike aus der Garage geholt, Luftdruck kontrollieren: 2 Bar, optimal. Damit es besser läuft, noch einen Tropfen Öl auf die Kette geben. Ein Knopf im Ohr bringt die nötige Motivation für Solofahrten (momentan höre ich die neue Platte von Macklemore). Mit Sonnenschein im Gesicht wird erstmal locker Richtung Wald pedaliert. Schon ruft der erste Berg. Also kein zu schwerer Gang, wir wollen die Beine ja nicht jetzt schon müde werden lassen! Puh, geschafft. Jetzt erst mal mit einer hohen Trittfrequenz die Beine lockern.

Pfütze? Na klar!

Nun aber Schluss mit der Träumerei und volle Konzentration auf den ersten Trail. Bloß keine Wurzel auslassen. Viele Mädels zahlen ein Heidengeld für eine Schlammpackung, da kann diese Pfütze 20 Meter vor mir wohl nur gut sein. Also mitten durch! Immer im Hinterkopf das Leitmotiv: Geschwindigkeit stabilisiert, und wer bremst verliert. Noch ein paar Schlucke trinken und nicht vergessen, die Aussicht zu genießen. So viel Zeit muss sein. Doch wir sind hier nicht auf einer touristischen Radfahrt. Es gilt, jeden Berg mitzunehmen und über ein paar Sprinteinlagen Intensitäten zu setzen.

Letzter Berg. Eine rote Jacke leuchtet vor mir auf. Genau die Art von Motivation, die ich zum Schluss noch gebraucht habe. Jetzt noch mal alles zusammen nehmen und mit Vollgas hinterher. Nur noch zehn Meter vor mir, erstmal die Waden meiner Konkurrenz gecheckt. Fazit: gut trainiert, doch die Atmung verrät, dass das mein Mitstreiter bereits leidet. Leise hänge ich mich ans Hinterrad, um noch mal Kräfte für den Endspurt zu sammeln. Mit der Spitze des Berges vor Augen ziehe ich aus dem Windschatten und düse mit einem Grinsen vorbei. Nur keine Schwäche zeigen. Weiter auf schmalen Pfaden bis hin zur letzten Abfahrt. Im Stehen stürzte ich mich den Abhang hinunter. Nicht vergessen: Körper nach hinten verlagern, Lenker gut festhalten, mit den Armen die Stöße des Untergrunds abfedern. Und bloß nicht zu viel bremsen, damit das Rad nicht ins Rutschen kommt! Zu Hause angekommen erstmal die Fahrt auf Strava laden. Zwei QOM’s (Queen of the Mountain) erobert - ein erfolgreicher Tag für mich. Schnell noch eben das Rad geputzt und ab unter die Dusche.

Für eine gute Radform muss man nicht unbedingt in die Sonne fliegen oder Stunden auf der Rolle verbringen. Spontanität und Motivation sind der Schlüssel zum Ziel. Für mich ist das Mountainbiken immer eine meiner Lieblingseinheiten: Es bringt mir eine gute Fahrtechnik und die nötige Sicherheit auf dem Rad. Durch die ständigen Tempowechsel erlangt man auch eine gutes Durchhaltevermögen und die nötige Tempohärte. Doch die Kälte macht auch mir oft zu schaffen. Deswegen freue ich mich umso mehr darauf, das Osterfest zusammen mit den anderen Mädels in der Sonne zuverbringen.

Also immer am Ball bleiben!
Eure Marieke