Andreas Böcherer "Auf einer Erfolgswelle"

Szene | 15. September 2011
Beim Ironman 70.3 Cancun will sich Andreas Böcherer am Wochenende den letzten Feinschliff für Hawaii holen. Der Fokus liegt in Mexiko aber nicht nur auf dem Sieg: Böcherer testet Ernährung und Hitze und tankt weiter Selbstvertrauen, erklärt er im Interview.
Andreas Böcherer, die Saison 2011 war Ihre bislang erfolgreichste. Was ist anders gelaufen als in den Vorjahren?
Physisch bin ich super durch den Winter gekommen und bis auf diese banale Zerrung im Juni verletzungsfrei geblieben. Zudem hat das Training von Lubos Bilek im jetzt zweiten Jahr richtig gegriffen, weil er mich jetzt sehr gut kennt und sich mein Körper an die Intensitäten gewohnt hat. Mental war es einfach glücklich, mit einer 8:08-Stunden-Ironmanperformance im April (2. Platz beim Ironman Südafrika, d. Red.) das Jahr zu beginnen. Das hat mir früh Druck genommen und sehr viel Selbstbewusstsein gegeben, das mit jedem Rennen noch größer geworden ist. So bin ich sozusagen auf einer Erfolgswelle gesurft. Und ich hatte dieses Jahr auch taktisch ein gutes Händchen. Vielleicht waren es aber auch die 10.000 Trainingsstunden, die es statistisch braucht, um in die erste Liga vorzustoßen.
Am Wochenende treten Sie beim 70.3 Cancun unter anderem gegen Tim Reed, Bryan Rhodes und Balazs Csoke an. Was haben Sie sich für das Rennen vorgenommen, wie schätzen Sie Ihre Form ein?
Cancun ist ganz klar ein Trainingsrennen, aber trotzdem möchte ich unbedingt mit einer überzeugenden Vorstellung gewinnen. Es ist sehr heiß hier und extrem feucht. Ich möchte mir beweisen, dass die Hitze kein Problem für mich darstellt und meine Ernährung testen. Als Europameister muss ich den europäischen Triathlonsport natürlich auch würdig vertreten.
Hawaii war für Sie bisher kein gutes Pflaster. Mit welcher Taktik wollen Sie das Rennen angehen, um Ihr volles Potenzial abzurufen?
Ich denke, ich habe jetzt das Selbstbewußtsein, das Rennen ruhiger zu gestalten, vor allem auf der Radstrecke. Ich habe keine Angst mehr, mit anderen Athleten vom Rad zu steigen und traue mir auch auf der Laufstrecke eine Leistung zu, mit der ich konkurrenzfähig bin.
Wie wird das Kona Pro Ranking das Rennen beeinflussen?
Für die Top-Ten-Athleten hat sich nicht viel geändert, aber dahinter wird sich sicher zeigen, dass es für den einen oder anderen Sportler doch zu viele Rennen waren. Der Abstand zwischen Platz 10 und Platz 30 wird sich vergrößern. Die Risikobereitschaft wird vermutlich sinken, da man bei einem Nullergebnis, also ohne Punktgewinn, ein anstrengendes Qualijahr vor sich haben wird. Man darf außerdem nicht vergessen, dass dieses Jahr nur 50 Profi-Männer und 30 Frauen starten dürfen. Das wird die hinteren Radgruppen massiv ausdünnen, für die schwächeren Schwimmer wird das Rennen schwieriger werden. Die Zusammensetzung der ersten Radgruppe, und damit auch das Rennen um das Podium, wird sich dagegen kaum ändern.
Und welchen Platz belegt Andreas Böcherer am 8. Oktober?
Rang 13.