Bock bloggt Bye-bye Leistungssport

Szene | 31. Oktober 2012
Langsam, aber sicher geht das Jahr dem Ende entgegen und es beginnt die Zeit, in der sich der Triathlet Gedanken macht: Wie war die letzte Saison? Wie geht es nächstes Jahr weiter? Und irgendwann stellt man dann fest, dass sich eigentlich nichts ändert. Außer vielleicht die eigenen Ansprüche …
Im März durfte ich hier auf tri-mag.de mit „Bock bloggt“ starten. Meinen ersten schriftlichen Auswuchs nannte ich „Triathlon-Profi in der Ausbildung“. Ich muss ehrlich sagen, dass ich mir zu diesem Zeitpunkt sehr viel für die Saison 2012 vorgenommen hatte und ich war wirklich guter Dinge, dass es auch einige richtig starke Rennen geben wird. Ganz groß stand der Wettkampf in Buschhütten auf meinem Zettel (den Zettel gibt es tatsächlich, er klebt noch zu Hause an der Pinnwand), dann sollte es beim Bonn Triathlon ganz nach vorne gehen und außerdem der dritte Platz aus 2011 bei der Deutschen Meisterschaft über die Mitteldistanz verbessert werden. „Der Bock, so ein Träumer! Der hat ja überhaupt nix gerissen, außer sein Maul auf!“ Stimmt. Jeder, der das sagt, hat damit auch vollkommen Recht. Also wurde aus all den Plänen – mit Ausnahme der beiden dritten Plätze in Bonn und Erding – nix. Stattdessen bin ich verletztungsbedingt zu den Wettkämpfen gefahren, um dort als Helfer einzuspringen, auf der Messe für meine Sponsoren zu jobben oder einfach nur als Zuschauer meine Freunde auf der Strecke anzufeuern.
Ein Saison-Fazit zu ziehen ist aber trotzdem nicht so schwer. Ich könnte jetzt hergehen und behaupten: Saison 2012? Gab es nicht. Genau wie Bielefeld, die Stadt gibt es auch nicht! Ist natürlich Schwachsinn, in Bielefeld wurde ich schon geblitzt. Und es wäre ein großer Fehler, meine Saison zu vergessen. Denn ich habe wirklich noch nie so viele Eindrücke und Erkenntnisse über Triathlon gewonnen wie in diesem Jahr. Es ist einfach "nur" ein Sport. Ein Sport, den sehr viele Leute dazu nutzen, um sich selbst zu profilieren. Extrem viele Leute sind super und ich bin froh, so viele Triathleten getroffen zu haben, die eine Menge Spaß an dem haben, was Sie in ihrer Freizeit machen. Ich habe aber auch wirklich viele Leute gesehen, die sich für weitaus besser halten, als sie es tatsächlich sind. Klar, das gehört dazu und wenn man es richtig einschätzen kann, muss man darauf auch nichts geben. Aber dadurch wurde mir Triathlon als Leistungssport irgendwie fremd. Ich konnte mich nicht mehr damit identifizieren auf Bestzeiten-Jagd zu gehen, nur um danach behaupten zu können, was für ein toller Hund ich doch sei. Oder sich darüber zu ärgern, wenn der Trainingskumpel schneller war, anstatt sich gemeinsam zu freuen. Und wenn es dann andersrum läuft, es jedem auf die Nase zu binden. Ich kenne kaum einen Triathleten, der sich still über seinen Erfolg freut oder über eine Niederlage ärgert. Es muss immer irgendwie breit getreten werden. Entweder man ist King Loui oder ein armer Sack. Ich will beides nicht sein, sondern mit dem zufrieden, was ich tue.

Meine Begeisterung für den Triathlon ist nach wie vor riesig und in meinen Augen ist Triathlon eine der schönsten und vielfältigsten Sportarten, die es gibt. Aber jetzt ist es Ende Oktober, sieben Monate nach meinem ersten Blog und ich habe mich dazu entschlossen, meine Ausbildung zum Profi vorerst auf Eis zu legen. Dieses Jahr hat mir gezeigt, dass man als Triathlet ein doch sehr begrenztes Leben führt und ich mir persönlich mehr vorstelle, als später auf einer Messe zu stehen und Laufschuhe zu verkaufen. Ich glaube, dass man für den Profi-Sport gemacht sein muss. Dazu gehören Höhen und Tiefen und im Idealfall eine gesunde Einstellung zum Triathlon und dem Leben daneben. Jetzt habe ich eben für mich herausgefunden, dass ich nicht dafür gemacht bin. Und wenn es so ist, sollte man den Mut haben, sich das einzugestehen und seine Prioritäten entsprechend neu verteilen. Bei mir ist es so: Eigentlich verteile ich sie nicht neu, ich verteile sie jetzt zum ersten Mal ganz bewusst. Jedenfalls ist es für mich nicht mehr schlimm, wenn ich mal ein oder zwei Tage nicht zum Training komme oder keine neuen Bestzeiten aufstelle. Triathlet bin und bleibe ich trotzdem mit Herz und Seele. Meine Ansprüche an den Sport und meine Ansprüche an mich selbst sind es, die sich ändern.
Zum Schluss noch ein Dankeschön an die Weißbier-Soldaten vom Team Erdinger Alkoholfrei, an K-Swiss für die materielle und menschliche Unterstützung und meine anderen Sponsoren für zwei lehrreiche Jahre Leistungssport. Ich hatte das große Glück, eine ganze Menge zu sehen und zu erleben und weiß das alles absolut zu schätzen! Leicht habe ich mir diesen Blog und die Entscheidung natürlich auch nicht gemacht - umso mehr freu' ich mich darauf, nächstes Jahr mit euch am Start zu stehen. Und was es sonst noch Neues im nächsten Jahr gibt, erfahrt ihr im nächsten Blog.

Let’s have some fun! Bis bald, euer Bocki