Carbon statt Kondition

Der Sportspinner - alias René Domke - setzt dieses Jahr alles auf eine Karte. Auf neuen Wegen: Er setzt jetzt konsequent auf Carbon statt Kondition. Denn es müssen Titel her.

Von > | 8. März 2016 | Aus: Szene

Sportspinner

Der Sportspinner setzt jetzt auf Carbon

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Sind wir ehrlich, Freunde. Am liebsten hätten wir gern alles aus Carbon. Nicht nur das Rad oder die Pedale. Am Besten auch den Neoprenanzug. Selbst Carbon-Schnürsenkel würden auf der Expo beim Ironman Frankfurt gehen wie heiße Semmeln. Wenn dann noch jemand sagt, dass du den Kilometer damit 20 Sekunden schneller läufst, ist dein Stand so schnell ausverkauft, wie Jan Frodeno bei der Challenge Roth im Sommer im Ziel sein wird. Zusätzlich wirst du als VIP-Gast zur Triathlon-Convention in die Weltstadt Langen eingeladen und darfst sogar Seminare geben.

Carbon, dieses schwarze Gold, ist vielen Triathleten lieber als eine funktionierende Beziehung. Gut, ich hab gerade keine. Aber ich steige mit ein ins Nerd-Geschäft. Ab jetzt gibt es nur noch Carbon oder Sachen, die mindestens genauso wenig wiegen. Wenn das Rad nicht unter 7 kg inklusive Wasserflaschen und Garmin wiegt, fahre ich halt lieber ohne Lenker. Oder ohne Schaltung. Meine Körperwaage hab ich dagegen schon vor längerer Zeit beim Nachbarn im Garten verbuddelt. Mit meinem Übergewicht von vier bis sieben Kilogramm, je nachdem, wie viel Hightech-Energy-Riegel ich mir gerade intravenös verabreicht habe, müsste ich nämlich sonst ohne Rennmaschine fahren, um das richtige Gewicht zu halten. Das geht ja nicht. Also, lieber Carbon statt Kondition, ohne Waage. Viel geiler.

Der Sport Triathlon kostet ja nach neuesten Berechnungen pro Hawaii-Jahr so knapp 20 große Scheine, da kann ich mir auch noch das „Oversized Pulley Wheel System“ für 500 Euro leisten. Spart auch noch 2,4 Watt. Fett, Alter! Nie mehr trainieren. Ich ruf meinen Bank-Berater mal an, ob noch mehr Dispo geht. Aber Moment mal: Hawaii!??! Dafür muss ich mich ja qualifizieren. Hat das schon mal jemand mit Carbon statt Kondition geschafft?! Aber selbst wenn nicht, auch egal. Dafür stell ich Sebastian Kienle mit meinem Equipment in den Schatten und sehe rattenscharf aus. Die Wechselzone wird mein Laufsteg, oh yeah. Ob mir das peinlich ist? Nee, wieso. Ich liebe es, Geld auszugeben. Das Auge isst ja bekanntlich nicht nur mit. Es guckt auch. Und irgendwann muss man ja mal Prioritäten setzen. Da geh ich doch lieber den Weg des geringsten Widerstandes - was für ein zufälliges Wortspiel - und setze auf Armut statt Fitness.

Eine einstellige Startnummer hab ich trotzdem noch nie bekommen, dafür aber einen Karton voller Weihnachtskarten von allen Firmen mit Gratulationen zum umsatzstärksten Kunden des vergangenen Jahres.

Back to Back.
Wenigstens ein Titel.
Besser als nix.

René - der Sportspinner - läuft seiner Form so hinterher, wie so manch einer Verflossenen im Teenie-Alter. Und zwar so stark, dass ihn sein Trainer Björn von STAPS schon feuern wollte. Soweit kam es aber nicht. Die Wirkung der neuen Triathlon-Kreativ-Droge nahm schnell ab. Gerade sitzt er mit Sicherheit auf dem Rad. Auf Carbon steht er nämlich trotzdem.