Martin Engelhardt "Den Triathlon weiterentwickeln"

Szene | 11. November 2011
Wenige Tage nach seiner Wahl zum neuen DTU-Präsidenten blickt Dr. Martin Engelhardt zuversichtlich in die Zukunft des Verbands. Kompromissbereitschaft und konstruktive Zusammenarbeit stehen für den Mediziner in den nächsten Monaten im Vordergrund.
Dr. Martin Engelhardt, warum kehren Sie nach so langer Zeit in ein bereits zu den Akten gelegtes Amt zurück?
In der Tat entsprach es nicht meiner Lebensplanung, wieder die Führung in der Deutschen Triathlon Union zu übernehmen. Als ich vor 10 Jahren nach fast 14 Jahren DTU-Präsidentschaft die Führung abgegeben hatte, zog ich mich auch aus beruflichen Gründen aus dem Triathlonsport zurück. In den letzten drei Jahren gab es jedoch eine traurige Entwicklung: Trotz glänzender sportlicher Erfolge und ungebrochenem Mitgliederzuwachs war der Verband extrem zerstritten, die menschlichen Umgangsformen inakzeptabel. Zudem war die DTU seit Februar ohne Präsident. Es musste etwas geschehen, um den Verband nach den öffentlichen Streitereien und Prozessen wieder handlungsfähig zu machen. Vor allem Reinhold Häuslein, der in dieser schwierigen Phase für das Präsidium die Hauptverantwortung übernahm und einige Landesverbände haben mich dann über Monate bearbeitet und gebeten, dass ich noch einmal mit Ihnen zusammen einen Neuanfang wagen solle.
Das klingt nach einer großen Mitgift, in welchem Zustand sehen Sie die Deutsche Triathlon Union?
Zum Glück hat der Sport in den drei turbulenten Jahren nur wenig gelitten. In der Vergangenheit wurden stabile funktionierende hauptamtliche Strukturen am Olympia-Stützpunkt im Saarland sowie in den Nachwuchs-Stützpunkten in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen aufgebaut. Auch die teilweise hervorragende Arbeit auf diesem Gebiet durch etliche Landesverbände ist unabhängig von den Querelen an der Verbandsspitze gut weitergelaufen. So konnten deutsche Athleten bereits fünf von sechs möglichen Startplätzen für Olympia 2012 in London durch Direkt-Qualifikation sichern. Auf diesem Gebiet sind wir für die Zukunft sicherlich gut aufgestellt.
Und auf der politischen Seite?
Die Querelen auf oberster Funktionärsebene haben dem Verband viel Glaubwürdigkeit gekostet. Dieser Verlust hat zu Irritationen in der politischen Sportführung, bei den Sponsoren und den Wirtschaftspartnern der DTU geführt. Trotz riesiger sportlicher Erfolge wurden Sponsorenverträge bei der DTU gekündigt und fähige Personen, die die Weiterentwicklung des Triathlon-Sports gefördert hatten ,wendeten sich angewidert von diesen Umgangsformen vom Verband ab. Durch diese Auseinandersetzungen wurden auch die eigentlichen Kernaufgaben und Serviceleistungen eines Spitzensportverbandes vernachlässigt.
Welche Aufgaben haben Sie sich selbst ganz oben auf Ihre To-Do-Liste geschrieben?
Für mich besteht zunächst einmal ein zeitlicher Orientierungsrahmen bis zum nächsten ordentlichen Verbandstag 2014. Dieser findet in der Friedensstadt Osnabrück statt – diese Fügung verstehe ich als Auftrag, dass wir in dieser Zeit den Verband befrieden und zu gemeinschaftlichem konstruktiven und erfolgreichem Handeln zurückfinden. Mit den Beschlüssen vom außerordentlichen Verbandstag in Frankfurt haben wir einen ersten Versuch unternommen, Kompromisse zu finden. Diese sollen auch dazu beitragen, dass die teilweise sehr unterschiedlichen Interessengruppen im Triathlon wieder zielgerichteter zusammenarbeiten. Dazu gehört auch, dass die kommerziellen Großveranstalter zusammen mit dem Dachverband die Zukunft des Triathlon-Sports in Deutschland mitbestimmen und dass wir gemeinsam in diese Zukunft als gleichberechtigte Partner investieren. Für die erfolgreiche Weiterentwicklung des Triathlon-Sports ist ein professionell arbeitender und auch gut ausgestatteter Dachverband unverzichtbar. Der neue junge Geschäftsführer Matthias Zöll wird zusammen mit seinem Team und dem DTU-Präsidium an diesem Punkt besonders hart arbeiten.
Was müssen Sie aus der jüngeren Vergangenheit noch abarbeiten?
In der nahen Zukunft werden wir die wichtigsten Problemfelder innerhalb der DTU herausarbeiten und dann anschließend in Kleinklausuren bearbeiten, welche Ziele wir anstreben und mit welchen Maßnahmen und Personen wir diese Ziele erreichen können. Wir fordern alle auf, sich an diesem konstruktiven Weg zu beteiligen. Mit intelligentem Handeln, harter Arbeit sowie der notwendigen Ausdauer und Geduld werden wir auch auf den anderen Gebieten wieder  Erfolge erzielen. Unsere Sportart bietet so viele positive Möglichkeiten, insbesondere für die Gesundheitsprävention der Bürger, zumal wir eine Sportart sind, die sich sowohl für Kinder und Jugendliche bis hin zu dem Sport für ältere Menschen hervorragend eignet. Im Triathlon besteht noch viel "ungehobenes" Potenzial sowohl von seiner Attraktivität her als auch von dem Potenzial der Menschen, die Triathlon betreiben.