"Der Teamspirit ist uns wichtiger als ein Extra-Podiumsplatz"

Mit dem IBH Tristore24 Team stürzt sich in dieser Saison erstmals eine Mannschaft aus Mitteldeutschland in den internationalen Profitriathlon. Die vier Freunde und früheren Kaderathleten sind hochmotiviert und wollen sich 2015 für die 70.3-WM in Zell am See qualifizieren. Wir haben mit Teammitglied Alexander Schilling über seine Vision eines Profiteams gesprochen.

Von > | 10. Februar 2015 | Aus: Szene

Alexander Schilling

Alexander Schilling

Foto > IBH Tristore24 Team

Alexander Schilling, man hat in den vergangenen Jahren einige Profiteams kommen sehen. Viele sind relativ schnell wieder verschwunden. Warum versuchen Sie es trotzdem in dieser Form?
Weil wir davon überzeugt sind, sportlich wie auch in der Vermarktung als Team erfolgreicher zu sein, als jeder individuell. Sportlich, weil wir alle die Teamstruktur im Triathlon kennen und sehr schätzen. Jeder von uns war in der Jugend im Landes- oder DTU-Kader und danach für ein Bundesligateam aktiv. Marcus Herbst und ich in Köln, Konstantin Seufert in Münster. Der Teamzusammenhalt motiviert extrem. Marcus und ich haben dazu noch das Privileg, in diesem Jahr mit Wolfram Bott (u.a. Coach der Raelert Brothers, Anm. d. Red.) als Trainer arbeiten zu dürfen. Wolfram hat inzwischen ja auch ein echtes Team, in dem sich die Athleten gemeinsam zu Bestleistungen antreiben.

Was versprechen Sie sich von der Vermarktung als Team?
Um ehrlich zu sein, hat man individuell als Jungprofi relativ wenig Mehrwert für einen Sponsor. Wer kennt schon den Zehnten eines Ironman 70.3 - mal abgesehen von echten Experten, der Familie und Freunden? Als Team kann man eine ganz andere Größenordnung und Reichweite erzielen, die für Sponsoren dann auch interessant ist. Die Sponsoren, die wir von unserem Projekt überzeugen konnten, hätten keinen von uns in der Form als Individualist unterstützt, da bin ich mir sicher. Also ist das Team in dieser Beziehung schon jetzt erfolgreich.

Sie haben den Sprung in die „nationale und internationale Spitze“ als Ziel formuliert. Ist das neben einem Studium wirklich eine realistische Vorgabe?
Ich denke es kommt immer darauf an, was man draus macht. Die Brownlee-Brüder haben einen Uni-Abschluss geschafft und waren schon während der Studienzeit äußerst erfolgreich. In Sophia Saller und ihrem U23-Weltmeistertitel neben einem Oxford-Studium haben wir ja in Deutschland das absolut beste Beispiel, wenn es darum geht, zu zeigen, wie viel man mit Motivation und sehr gutem Zeitmanagement erreichen kann. Und auch Michael Raelert hat bis zu seinem Durchbruch 2009 neben dem Studium noch einen Nebenjob gehabt und ist von dort aus auf direktem Weg zum morgendlichen Schwimmtraining gefahren. Da muss der innere Antrieb eben sehr groß sein. Wir möchten uns nicht mit den Brownlees oder Raelerts vergleichen, aber trotzdem als Team ein gutes Vorbild sein.

Mit Per Bittner gibt es einen weiteren bekannten und erfolgreichen Profi aus dem Raum Mitteldeutschland. Gibt es Pläne, ihn ins Team zu holen?
Wir hätten Per auch dieses Jahr gern schon im Team gehabt, aber er ist im Moment mit seiner Karriere etwas weiter. Auf dieses Level müssen wir mit dem Team erst noch kommen. Wir kennen uns alle schon seit 2003 aus gemeinsamen Kaderzeiten in Sachsen und haben in Sportler-WGs schon Einiges erlebt. Das ist eine echte Freundschaft. Vielleicht ergibt sich da in den nächsten Jahren etwas. Grundsätzlich planen wir, das Team noch zu ergänzen. Aber ohne Eile oder Druck von den Sponsoren. Der Team-Zusammenhalt ist uns aber deutlich wichtiger als ein Extra-Podiumsplatz. Das ist auch eine unserer Strategien, um die Langlebigkeit des Teams sicherzustellen.

IBH Tristore24 Team beim Training

Das IBH Tristore24 Team: Konstantin Seufert, Ulrich Hanusch, Marcus Herbst und Alexander Schilling (v.l.n.r.)

Foto > IBH Tristore24 Team

Bisher ist bekannt, dass Sie mit dem Team bei den 70.3-Rennen auf Mallorca, in Barcelona und im Kraichgau vertreten sein werden. Wie sehen die weiteren Saisonpläne aus?
Unser großes Ziel ist die Qualifikation für die Ironman-70.3-WM im August in Zell am See. Wir haben alle schon einige Punkte aus den Rennen am Ende des letzten Jahres, aber uns ist auch bewusst, dass die Quali ein hohes Ziel ist und vielleicht auch noch außer Reichweite. Ziele braucht man ja aber trotzdem. Wenn es dieses Jahr noch nicht klappt, öffnet sich am 1. August schon das Qualifikationsfenster für die 70.3-WM 2016 an der Sunshine Coast in Australien. Im Moment planen wir neben Mallorca, Barcelona und Kraichgau die 70.3-Events in Staffordshire (GBR), Haugesund (NOR), Wiesbaden und auf Rügen. National stehen sonst noch Starts am Chiemsee, am Arendsee und in Magdeburg im Rennkalender. Vielleicht verlängern wir die Saison im Herbst dann noch mit einigen Rennen in den USA.

Welche persönlichen Ziele haben Sie sich für die erste Saison im IBH Tristore24-Team gesteckt?
Es klingt vielleicht plump, aber ich möchte einfach über das ganze Jahr hinweg besser werden. Während meiner Zeit als Läufer an der Uni in den USA bin ich fast gar nicht geschwommen oder Rad gefahren. Dafür habe ich die eine oder andere Party besucht. Das bereue ich auch nicht, aber entsprechend sahen nach vier Jahren auch meine Belastungsverträglichkeit und Leistungsfähigkeit aus. In meinem ersten Jahr zurück im Triathlon war ich eigentlich dauerhaft müde. Wir arbeiten jetzt gezielt und mit viel Geduld daran, das zu ändern. Wenn dann mein letzter Wettkampf der beste war, bin ich sehr zufrieden. Wozu das dann reicht, kann ich im Moment noch schlecht einschätzen.