Innovationsfreudig: ITU-Präsidentin Marisol Casado

Sina Horsthemke / spomedis

Marisol Casado, ITU Science and Triathlon Conference
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Marisol Casado „Der Triathlonsport hat noch viel Potenzial“

Szene | 8. Februar 2013
ITU-Präsidentin Marisol Casado gehört einem britischen Fachmagazin zufolge zu den zehn innovativsten Persönlichkeiten der Sportwelt. Warum sie sich auf dieser Auszeichnung nicht ausruhen will, hat sie uns in Magglingen verraten.
Marisol Casado, das britische Magazin „SportBusiness International“ hat Sie als Neunte in die Top Ten der innovationsfreudigsten Persönlichkeiten im Sport gewählt. Was bedeutet Ihnen das?
Ich war sehr überrascht und diese Auszeichnung ist wirklich ein großes Kompliment für mich und meine Arbeit. Ich habe schon immer daran geglaubt, dass man Dinge vorantreiben muss, wenn man sich entwickeln will. Wenn ich auf etwas hinarbeite und einen Schritt weiterkomme, ruhe ich mich darauf nicht lange aus. Ich war immer schon ein Mensch, der schnell das nächste Level im Blick hat, wenn er etwas erreicht hat. Irgendwie passt es deshalb zu mir, dass ich in diesem Ranking stehe.
Sie sind die einzige Frau unter den besten 20 der Liste. Ist Ihnen das wichtig?
Um ehrlich zu sein: Das macht mich sehr, sehr traurig. Mir war es immer wichtig, dass auch Frauen etwas im Sport erreichen, und ich habe mich sehr dafür eingesetzt. Zum Beispiel während meiner Zeit im spanischen Olympischen Komitee. Wenn ich mir nun diese Liste ansehe, kommt mir das wie ein Rückschritt vor. Aber das ist nur ein Gefühl, ich habe keine wissenschaftlichen Belege dafür.
Einer der Gründe für Ihren Platz im Ranking ist Ihr großes Engagement für die Triathlon-Mixed-Staffel, die Sie im Eilverfahren ins olympische Programm bringen wollen. Wie steht es mit dieser Entscheidung?
Das wird im September noch einmal forciert diskutiert, wenn die IOC-Mitglieder in Buenos Aires tagen. Die endgültige Entscheidung fällt dann im November.
Und wie schätzen Sie die Situation ein, wird es 2016 in Rio Staffel-Rennen geben?
Wenn das IOC wirklich alles gewissenhaft prüft und sich anschaut, wie die bisherigen Rennen dieses Formats angekommen sind, dann dann gehe ich davon aus. Diese Mixed-Staffeln sind mir übrigens auch deshalb ein Anliegen, weil es die Frauen im Sport weiter voranbringen würde.
Was ist Ihnen noch wichtig, was wollen Sie in den nächsten Jahren erreichen?
Für den Moment bin ich sehr, sehr zufrieden mit der Situation. Der Triathlonsport hat eine rasante Entwicklung durchgemacht und wir sind auf einem guten Weg. Allerdings gibt es auch noch viel Potenzial. Zum Beispiel fände ich es toll, wenn die Profisportler selbst populärer würden, als Personen. Wie Filmstars vielleicht! So weit sind wir noch nicht, aber wie gesagt: Ich habe immer das nächste Level im Blick …
Wir unterhalten uns hier auf der 2. „ITU Science and Triathlon World Conference“ im Schweizer Magglingen. Der erste Kongress dieser Art hat vor zwei Jahren in Alicante stattgefunden, unter anderem durch Ihre Initiative. Was erhoffen Sie sich davon, Sport und Wissenschaft, Forschung und Training zu vernetzen?
Das ist auch eine Idee, die ich gern voranbringen würde. Ich wünsche mir einfach, dass Wissenschaftler, Trainer und Sportler mehr zusammenarbeiten, da sie alle so sehr voneinander profitieren können. Sie müssen ein richtiges Team werden und solche Konferenzen wie in Alicante und nun hier in Magglingen sind das Werkzeug dafür.  Rund 200 Menschen aus 33 Nationen sind hier – je globaler der Sport wird, desto besser.