Bock bloggt Die letzte Chance

Szene | 30. November 2012
Es tut sich was in Triathlon-Deutschland. Und zwar in Sachen Bundesliga. „Mal wieder“, sagen die einen. „Endlich“, die anderen. Eines ist jedoch sicher: Entweder packt man die Chance nun beim Schopf, oder man lässt es in Zukunft ganz bleiben.
Fakt ist, dass die Bundesliga in Deutschland bereits eine beachtliche Geschichte hinter sich hat. Schon seit 1996 gehen die stärksten Teams der Bundesrepublik Jahr für Jahr auf Punktejagd und kämpfen um den Deutschen Mannschaftsmeistertitel. Fakt ist aber auch, dass das bisher leider fast niemanden interessiert hat. Da stellt sich doch die Frage, woran das liegt. Wer behauptet, dass es an fehlenden Namen oder Top-Stars liegt, der liegt deutlich daneben. Ein Großteil der Bundesliga-Rennen wurde – und wird immer noch – mit den besten Triathleten der Welt gespickt, um das Interesse von Insidern, aber auch das der breiten Öffentlichkeit zu wecken. Die Rennverläufe sind meist spannend, knapp und actiongeladen. Also findet man hier schon mal nicht die Antwort.

Im Jahr 2011 haben sich einige Vereine zusammen getan und die Bundesliga GmbH gegründet. Deren Ziel soll es sein, die Wettkampf-Serie attraktiv zu machen, zu professionalisieren, über sehenswerte Rennen in Deutschland zu etablieren und endlich Anerkennung und Aufmerksamkeit zu bekommen. Die GmbH kümmert sich um Organisation, Struktur und Vermarktung der Bundesliga und hat allem Anschein nach verstanden, in welche Richtung es gehen muss. Zum Beispiel gibt es keine Holzpaletten mehr in der Wechselzone, sondern einzelne, ordentliche Plätze, die für jeden Athleten mit einem großen Schild, eigenem Namen und Nation versehen werden. Bei jedem Rennen ist der gleiche Moderator im Einsatz, der auch vernünftige Informationen über einzelne Athleten und Teams auf Lager hat. Und die Athleten rennen mittlerweile nicht mehr mit flatternder Startnummer durch die Gegend, sondern mit aufgeklebten Nummern auf Oberarmen und Beinen. Außerdem werden Distanzen verkürzt und mehr Rennen finden auf der Sprint-Distanz statt, um den Zuschauern kurzweilige Unterhaltung zu bieten. Dass es funktioniert zeigt der T3 Triathlon in Düsseldorf, der zusammen mit den Deutschen Meisterschaften der Altersklassen einen würdigen Rahmen in Sachen Außendarstellung bietet. Die kurzen und schnellen Rennen müssen in die Städte zu den Zuschauern. Man muss die Massen schließlich zuerst mal überhaupt erreichen, um sie für sich zu gewinnen.

Vielleicht klappt das schon mit dem neuen Saison-Auftakt in Buschhütten. Das Prestige der Veranstaltung bietet eine (vielleicht) einmalige Gelegenheit, die Bundesliga auf ein  neues Niveau zu heben. Kritische Beobachter gibt es sicher genug. Und wenn man denen jetzt ein echtes Sahne-Event präsentiert, kann man einen großen Schritt in die richtige Richtung gehen. Trotzdem sollten sich die Bundesliga-Macher bewusst sein, dass das Ganze nicht mit ein oder zwei Veranstaltungen steht und fällt, sondern über die ganze Saison gleichmäßige Qualität bei den Rennen herrschen muss. Dann kann es nicht mehr sein, dass die Termine für 2013 bisher noch immer nicht feststehen oder genannt werden. Anders als in den letzten Jahren sollten dann auch nicht mehr kurz vor knapp Termine abgesagt und ersatzlos gestrichen werden. Da muss man bei der Deutschen Triathlon Union und der Bundesliga GmbH gemeinsam an einem Strang ziehen und versuchen, etwas Gutes für Triathlon-Deutschland und die Bundesliga zu tun. Das Potenzial ist da, die letzte Chance auch. Denn wenn es mit diesem Anlauf nicht klappt, wird sich bald vielleicht nicht einmal mehr der harte Kern der Bundesliga-Fans für diese Serie interessieren. Ich hoffe, die Damen und Herren werden ihre Chance nutzen. Der Triathlon-Szene und der Kurzdistanz würde es gut tun.