Die Sache mit der Polizei

Das Team von triathlonTV musste vor einigen Tagen auf Mallorca ein Bußgeld bezahlen - wegen zu langsamen Fahrens. Immerhin haben wir ein echtes Schnäppchen gemacht.

Von > | 14. März 2013 | Aus: SZENE

Mallorca Strafzettel | Mallorca-Camp Strafzettel

Mallorca-Camp Strafzettel

Foto >Sina Horsthemke / spomedis

Irgendwie ahnte ich, dass sie umdrehen würden. Denn ganz ehrlich: Als Polizist hätte ich das auch nicht durchgehen lassen. Eine Radgruppe auf der Ma-15 von Capdepera nach Artà? In einer Zweierreihe, die die halbe Fahrbahn in Beschlag nimmt? Überhaupt kein Problem! Das Problem waren wir. Wir rollten in unserem Van hinterher, schließlich muss man in einem Trainingslager auf Mallorca doch das Radfahren filmen! Zur Sicherheit und als Überholhinweis für herannahende Autofahrer hatte ich das Warnblinklicht angeschaltet. Viel Verkehr war nicht, aber am Anstieg hinter Capdepera hatte sich hinter uns dann doch so etwas wie eine Schlange gebildet. Ausgerechnet da kamen sie uns entgegen – zwei Motorradfahrer von der Guardia Civil. Sie fuhren vorbei – aber im Rückspiegel sah ich schon, wie sie sich umschauten und gestikulierten. In den nächsten Minuten passierte – gar nichts. Glück gehabt, dachten wir, und setzten unsere Begleitfahrt fort. Zu früh gefreut!

Follow me. Now.

Als unsere Gruppe kurz vor Artà am Straßenrand hält, tauchen die beiden auf ihren Bikes wieder in meinem Rückspiegel auf. Diesmal auf unserer Seite der Fahrbahn. Ein banger Blick zu meiner Kollegin – wir sind uns einig: cool bleiben und gucken, was passiert. Polizist Nr. 1 nähert sich der Fahrertür, das Fenster hatte ich vorsichtshalber schon mal geöffnet. Er guckt alles andere als begeistert, sagt einige Sätze auf Spanisch. Wir verstehen kein Wort. Als er das merkt, folgt nur noch eine knappe Anweisung: „To the petrolstation. Now. Follow us.“ Was bleibt uns anderes übrig? Wir winken noch kurz „unseren“ Radfahrern zum Abschied, dann rollen wir schuldbewusst hinter den Motorrädern her. Auf dem Tankstellenparkplatz 200 Meter weiter stellt sich zum Glück heraus, dass Polizist Nr. 2 ein bisschen Englisch spricht. Meinen Führerschein will er sehen, dafür muss ich an den Kofferraum. Und der ist voller Equipment – hoffentlich fragt er nicht nach einer Drehgenehmigung! Während sich die beiden mit meinem Führerschein zu ihren Motorrädern zurückziehen, in einem abgewetzten Katalog blättern, diskutieren, telefonieren, legen wir schon mal unser Bargeld zusammen – das werden sie sicher haben wollen.

Und genauso ist es: Wir seien zu langsam gefahren, erklären sie uns mit strenger Miene. Das dürfe man hier nicht. Ich bin verwirrt: zu langsam? Das ist alles? Nee, leider nicht: Es hätte auch keinen Grund gegeben, das Warnblinklicht anzuschalten. Aber – ach, ich halte lieber die Klappe. Denn wir haben noch einen dritten Fehler gemacht: eine Radgruppe begleitet, ohne das kenntlich zu machen. Wir hätten ein „Ciclista“-Schild am Heck anbringen müssen, dann wären auch das Warnblinklicht und das langsame Fahren kein Problem gewesen. Und jetzt?

Sonderrabatt für Sofortzahler

Die Sheriffs zählen noch mal unsere Vergehen auf und nennen dann die Summe: 40 Euro. Ich hatte mehr erwartet, bin halbwegs erleichtert und drücke Polizist Nr. 2 das Geld in die Hand. 50 Prozent Rabatt hätten wir bekommen, erklärt er mir freundlich – wenn man sofort zahlt, sei das in Spanien üblich. Ich habe schon Zweifel, ob die Kohle nicht direkt in seine eigene Hosentasche wandert, da präsentiert mir Polizist Nr. 1 eine akkurat ausgefüllte Quittung. „Sina, my friend, sign here, please.“ No problem, ich gestehe. Kritzle meinen Namen auf das Blatt und will schon wieder ins Auto steigen, da setzt Nr. 2 zu einer ausschweifenden Erklärung an: Hier habe er das Vergehen festgehalten, dort stünde die Summe, da der Rabatt, hier hätte sein Kollege unterschrieben, dort ich, da er … Meine Güte, denkt er daran, dass unsere Radgruppe gleich über alle Berge ist? Meine Kollegin nutzt die Gelegenheit und fragt Nr. 1, wo man denn wohl so ein Ciclista-Schild kaufen könne. Fürs nächste Mal, er wisse schon. Nr. 1 versteht kein Wort. Nr. 2 ist dann aber sogar so freundlich, uns eine Adresse in Palma mit auf den Strafzettel zu schreiben. Dort sei ein Shop, der solche Schilder verkaufe. Und die seien garantiert billiger als 40 Euro. Fürs nächste Mal, wir wüssten schon. Und übrigens, falls wir jetzt vorhätten, unsere Radgruppe zu suchen: Wir dürften die ruhig begleiten. Aber nicht hinterherfahren. Lieber überholen, parken, aussteigen, warten, überholen lassen, wieder überholen und so weiter. Diese Belehrung kostet uns weitere Zeit, und erst kurz vor dem Gemüsetal haben wir unsere Radfahrer wieder eingeholt. Und nun wirklich keine Zeit mehr zu verlieren – wir brauchen Radbilder! Also: Heckklappe auf, Kamerafrau rein, Kamera an. Hoffentlich kommt jetzt kein Polizist vorbei.