Dopingaffäre Zoubek weitet sich aus

Zwei Tage nach den schweren Dopinganschuldigungen des österreichischen "Kurier" gegen den Wiener Kinderarzt Andreas Zoubek melden sich weitere Zeugen zu Wort. Seit mehreren Jahren habe es Anhaltspunkte für entsprechende Aktivitäten des Mediziners gegeben.

Von > | 18. November 2008 | Aus: SZENE

"Was Zoubek macht, ist in Österreich seit vielen Jahren ein offenes Geheimnis", so ein Sportler gegenüber tri-mag.de. Er sei sicher, dass der Arzt auch andere zum Doping animieren wollte. So wurde auch der Hawaiisieger von 2004, Normann Stadler, im Sommer 2006 beim Waldviertler Eisenmann im österreichischen Litschau von Zoubek angesprochen. "Er kam zu mir und fragte mich, ob ich ihn kenne. Er sei Arzt und könne mir helfen", berichtet Stadler in einem Telefongespräch. Entsetzt habe er damals den Veranstalter über den Vorfall informiert. "Es gab für mich keinen Zweifel, was Zoubek mit seinem Angebot meinte." Noch am gleichen Tag hätten die Litschauer Kontakt zum Österreichischen Triathlonverband (ÖTRV) aufgenommen, bestätigt dessen Generalsekretär Herwig Grabner. Dies sei allerdings nicht der einzige Hinweis auf zweifelhafte Machenschaften des Mediziners gewesen. "Was wir in den vergangenen Jahren aus der Szene über Zoubek gehört haben, war für uns Anlass, die zuständigen Stellen zu informieren", berichtet Grabner, auch im Dopingfall des Langstrecklers Georg Swoboda sei man auf den Namen gestoßen. Man habe die NADA Austria und deren Vorläuferorganisation, das staatliche österreichische Anti-Doping-Committee (ADC), über die Vorfälle unterrichtet.

NADA ist alarmiert

Der Kurier zitiert am Dienstag aus einem Gespräch mit dem NADA-Chef Andreas Schwab, der bestätigt, dass der Name Zoubek dort bereits bekannt gewesen sei. Er habe die Rechtsabteilung beauftragt, mit der Kriminalpolizei in Kontakt zu treten. "Wir haben den Fall verfolgt, aber noch keinen Ermittlungsauftrag seitens des Gerichts erhalten", sagt BKA-Sprecher Helmut Greiner. Bereits gestern war Zoubek von seinem Arbeitgeber, der Kinderklinik St. Anna, vom Dienst suspendiert worden. Am selben Tag trat der in die Schusslinie geratene Mediziner von seinem Posten als Vorsitzender des Mödlinger Triathlonvereins "99ers" zurück.

Dass zum gleichen Zeitpunkt auch dessen sportliches Aushängeschild Michael Weiss den Verein verließ, sei nicht als Schuldeingeständnis zu werten, betont dieser. Der Ex-Mountainbiker ist nicht zuletzt durch die Affäre Zoubek unter Verdacht geraten, er habe die herausragenden Ergebnisse seiner ersten Saison als Triathlet nicht allein mit Talent erreicht. Der ehemalige Profi-Mountainbiker hat bei allen Rennen Podiumsplatzierungen erreicht, beim Ironman 70.3 Monaco und der Xterra-Weltmeisterschaft auf Hawaii ließ der Quereinsteiger als jeweils Zweitplatzierter zahlreiche Weltklassetriathleten hinter sich. Als "extrem ehrgeizig", "manchmal übermotiviert" und als "100-prozentigen Profi" beschreibt Max Renko, selbst ehemaliger Mountainbiker und eine der Nachwuchshoffnungen im österreichischen Triathlon, seinen Kollegen.

Schutzsperre des Radsportverbands

"Ich musste mir von Anfang an Unterstellungen anhören wegen meiner guten Leistungen", verteidigt sich Weiss. "Aber ich habe viel trainiert und bringe Talent mit, das sehen die Leute nur selten." Kaum bekannt ist allerdings, dass Weiss bei den MTB-Weltmeisterschaften ein Jahr zuvor in Schottland mit einer Schutzsperre belegt wurde und nicht starten durfte: Sein Hämatokritwert lag mit 51,4 Prozent weit über der Norm des Internationalen Radsportverbands UCI. Ein mehrwöchiges Training auf 2.000 bis 3.000 Metern Höhe in Colorado in den USA sei für die Vermehrung der roten Blutzellen verantwortlich gewesen, lautete damals die Begründung des Fahrers, der Ende 2007 von seinem damaligen Profiteam Bikin' Cyprus International wegen Erfolglosigkeit kein neues Vertragsangebot erhielt. Im Triathlonsport, den er nun professionell betreiben will, beantragte Weiss erst Mitte August eine Profilizenz und ordnete sich dem Kontrollsystem des ÖTRV unter. Eine Ausnahmeregelung, wie ÖTRV-Generalsekretär Herwig Grabner unterstreicht. "Das war nur möglich, weil Michael Weiss noch im Kontrollkader des Radsportverbands geführt wurde."

Fast wie ein Ziehsohn

"Ich glaube an Zoubeks Unschuld. Aber ich muss mich jetzt distanzieren, weil das nicht gut ist für meine Karriere und auch meinen Betreuerstab in ein schlechtes Licht rücken kann", sagt der 27-jährige Weiss, seit vielen Jahren so etwas wie ein Ziehsohn des 51-jährigen Arztes, wie Insider bestätigen. Inzwischen reichte Zoubeks Anwalt Michael Rami, ein ausgewiesener Spezialist für Medienrecht, Klage gegen den "Kurier" ein. Für den ist der Wiener Kinderkrebsspezialist allerdings wohl nur ein Teil des Dopingsystems.