Drafting: Die anderen haben aber angefangen

Wenn ich mich zurzeit auf Facebook, in Foren und allgemein im Netz so umschaue, scheint mir das Thema Drafting immer dominanter zu werden. Gerade nach der Ironman-EM in Frankfurt und dem Rennen in Klagenfurt gab es online richtig viel zu lesen. Allein die Lösungsvorschläge fehlten.

Von > | 27. August 2014 | Aus: SZENE

Drafting Challenge Roth 2014 | Challenge Roth 2014

Challenge Roth 2014

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Es wird laut geschrien. 'So geht es nicht weiter', 'die Veranstalter müssen etwas machen', 'das ist nicht mehr mein Sport' oder auch 'Die Profitgier muss ein Ende haben. Es müssen wieder weniger Athleten auf die Strecke'. Was man hingegen sehr selten liest, sind anständige Lösungsvorschläge. Mittlerweile schlafe ich schon bei einem 150-Zeichen-Facebook-Post auf halbem 'Leseweg' ein, da es immer die gleiche Leier ist und wenig eigener Input kommt.

Genauso interessant ist allerdings, dass man von Veranstalterseite zum Teil gar nichts zu diesem Problem dazu hört. Oder zum Thema 'getrennter Schwimmstart Profi Herren und Profi Damen', um schon im Wasser ein faires Rennen zu garantieren, für mich schwer nachvollziehbare Aussagen wie 'wir haben dafür ein neues Konzept, dass wir allerdings noch nicht testen konnten, planen es aber bis ins nächste Jahr zu implementieren' entgegengebracht zu bekommen. Bitte was? Bitte wie? Ihr wart noch nicht in der Lage 'zu testen' wie man Profis männlichen und weiblichen Geschlechts mit 5 Minuten Abstand starten lässt?

Ich persönlich kenne ja auch überhaupt keinen Athleten, der jemals draften würde. Nicht einen einzigen. Ich kenne eine Menge, die eine Zeitstrafe für Drafting kassiert haben, aber die sind durch die Bank weg an herrschsüchtige Marshalls geraten oder gerade 'unglücklich' überholt worden und somit eigentlich, gar nicht, auf gar keinen Fall und überhaupt nicht selbst schuld.

Mit dem Ansatz, dass der Triathlet nie selbst draftet und die Strecken einfach zu voll sind, habe ich mich zum Beispiel auf den Weg zur Challenge Roth gemacht, um mir das Geschehen als Starter mal von 'innen' anzuschauen. Das Ergebnis: Ich habe das kalte Kotzen bekommen. Drei Mal ist das betrügende Volk in großen Gruppen an mir vorbeigezogen. Schön ab 3-10 Reihe im 30-40-Mann-Pulk mit den Fingerspitzen gerade noch so auf den Armpads, um so entspannt wie möglich zu sitzen, während vorne das unsichtbare Gummiband einen schön die Strecke entlang gezogen hat. Liebe Leute, das ist nicht was die Grünen in ihrem Wahlkampf mit 'Der Umwelt zuliebe Energie sparen' meinen. Nun wird der eine oder andere entsetzt rechtfertigen wollen, dass es ja gar nicht anders geht, wenn so ein 'Zug' vorbei geballert kommt und man im Sog mitgerissen wird. Klar, ich hatte nicht meinen besten Tag, aber bei mir hat es gereicht für ein paar Sekunden die Füße hochzunehmen, den einen oder anderen Drafter von der Seite dumm anzumachen und zack, schon war der Zug weg und ich konnte wieder mein eigenes Rennen fahren. Wer es noch nicht probiert hat: Ich kann nur empfehlen es mal zu versuchen. Ist ein cooles Gefühl, wenn man morgens mit gutem Gefühl in den Spiegel schauen kann. Außerdem macht es viel mehr Spaß über Radzeiten zu reden, die man sich selbst erarbeitet hat.

Und ehe sich hier jetzt jeder angegriffen fühlt. Ich glaube noch immer, dass wir wesentlich mehr faire Athleten im Triathlon haben, als Draftingsünder. Wenn mir drei Mal etwa 30-40 Leute auffallen, sind waren das etwa drei Prozent der Starter in Roth. Mindestens genau so viele habe ich gesehen, die lieber 15 Meter zurückgefallen sind, um ein faires Rennen zu fahren. Respekt an Euch und die übrigen, die sich an die Regeln gehalten haben. Eines habe ich bei dem Rennen ganz klar am eigenen Leib erfahren. Es geht.

Am Ende geht es hier im eine Sache. Nämlichd darum, den Spaß am Triathlon zu erhalten, gemeinsam eine Lösung gegen Drafting zu finden und zu garantieren, dass möglichst viele von uns ein faires Rennen haben.

Eine Spezies, die momentan sehr gern und lautstark kundtut, dass es so nicht weitergeht sind einige Profidamen. Das am häufigsten genannte Problem: Die Altersklassen-Männer sind zu nah beim Schwimmen dran und sammeln dann die langsamer schwimmenden Profidamen auf dem Rad ein und spülen sie nach vorn. Ein Problem, dass sicherlich bei vielen Rennen existiert und an welchem gearbeitet werden muss. Doch auch dafür gibt es wenig konstruktive Lösungsvorschläge. Das ausgerechnet einst des Dopings überführte und während eines Rennens mit Draftingstrafen belegte Athletinnen die Frontfrauen der Diskussion sind, wirkt für mich etwas weltfremd.

Um es mit einem bekannten Zitat zu sagen 'Wir brauchen Eier' und zwar auf allen Seiten. Die Veranstalter die Eier sich endlich einzugestehen, dass etwas geändert werden muss. Denn bei aller Ironie in diesem Blog, steht für mich außer Frage, dass die Rennen mit etwas Willen fairer gestaltet werden können. Schön wäre es hier von den Veranstaltern die Initiative zu sehen. Einer muss anfangen, den konstruktiven Dialog zu suchen. Eier brauchen aber auch wir Athleten. Die Eier mal die Füße hochzunehmen, wenn der Zug vorbei kommt, schon im Rennen die Leute direkt anzusprechen, anstatt hinterher nur zu schimpfen. Eier zu entscheiden unser eigenes Rennen zu fahren, auch wenn andere betrügen.

Wellenstarts, weniger Athleten pro Rennen, frühere Starts und dafür größere Abstände, starten nach Zielzeit und nicht nach Altersklassen... - wo sind Eure Lösungsvorschläge? Postet sie auf der triathlon-Facebookseite. Unter allen Teilnehmern verlosen wir einen Satz Tri-Top und Hose der dänischen Kultmarke Saysky mit dem ‚Don’t draft and be a star’-Slogan!

P.S. Drafting ist genauso Beschiss wie Doping.

Ist Triathlon tatsächlich noch ein Sport für Einzelkämpfer? Was große Veranstalter, Profis, Agegrouper und Kampfrichter zur aktuellen Drafting-Diskussion sagen, lesen Sie in triathlon Nr. 124, die jetzt im Zeitschriftenhandel und digital erhältlich ist.