Verbandstag in Leipzig DTU vor dem Neuanfang

Szene | 2. September 2010
Nach dem geplatzten Verbandstag von Frankfurt Ende Juli galt dessen satzungsmäßige Wiedereinberufung am Freitag in Leipzig bis vor kurzem nur als ärgerliche Formalie. Doch nun könnte er das vorzeitige Ende der Ära Wisser besiegeln.
Neuer Streit ist bei der Wiederholung des Ende Juli geplatzten Außerordentlichen Verbandstags vorprogrammiert. Zwar schreibt die Satzung der Deutschen Triathlon Union (DTU) für dessen Einberufung eine Frist von sechs Wochen verbindlich vor, doch statt wie üblich die Tagung des obersten demokratischen Organs in Leipzig auf das Wochenende zu legen, trommelt das Präsidenten-Paar Claudia Wisser und Ralf Eckert die Chefs der Landesverbände schon am Freitag zusammen. Bereits um 12 Uhr morgen Mittag sollen sich die größtenteils berufstätigen Ehrenamtler aus den 16 Mitgliedsverbänden der DTU in Leipzig einfinden. "Sowas ist eine Frechheit", schimpft der Präsident des Rheinland-Pfälzischen Triathlonverbands (RTV), Helmut Menger, und vermutet dahinter - mal wieder - politisches Kalkül. Wie schon im Juli versuchten Wisser und Eckert offenbar, mit der Terminansetzung Einfluss auf das Abstimmungsergebnis zu nehmen. "Sie setzen wohl darauf", vermutet Menger, "dass viele kleine Verbände den Termin nicht wahrnehmen können" und die zuletzt linientreuen Landespräsidenten aus Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen so dem Paar bei der Abstimmung über die Dienstverträge endlich die ersehnte Mehrheit verschaffen könnten. Denn anders als im Juli ist das Gremium in einem zweiten Anlauf unabhängig von der Zahl der teilnehmenden Landesverbände beschlussfähig.

Zwei Jahre Stillstand

Auch deshalb galt das vom Verbandsgericht Anfang Juni geforderte Placet des Verbandstags zu den monatlichen Bezügen für Wisser und Eckert in Höhe von je 1.000 Euro plus Dienstwagen noch bis vor kurzem als sichere Sache. Inzwischen aber verdichten sich die Zeichen, dass nach dem Protest der Mehrzahl der kleineren Verbände auch einer der "drei Großen", der Landesverband aus Baden-Württemberg, die Linie des DTU-Präsidiums nicht mehr mittragen will. Die Rede ist inzwischen sogar von einem "kompletten Neuanfang"; die vom Präsidium Wisser/Eckert "bewusst auseinandergetriebenen Landesverbände", so sagt es einer der Landespräsidenten, hätten sich wieder zusammengefunden, um "dem Treiben in München im Sinne des Sports ein Ende zu setzen". Allenthalben herrsche große "Enttäuschung und Verbitterung" über die Bilanz der Präsidentschaft Wisser. Enttäuschung über den Umgang mit konstruktiver Kritik, über vertane Chancen im Anti-Doping-Kampf und über die mutwillige Beschädigung des Ansehens der DTU in der Öffentlichkeit ebenso wie innerhalb des europäischen und des Triathlon-Weltverbands. Verbitterung über den rüden Umgang mit verdienten Funktionären und Mitarbeitern, Veranstaltern und Verbänden. "In zwei Jahren Wisser ist in der DTU nichts passiert, nichts ist nach vorn gegangen", sagt Menger und fügt hinzu: "Für den Triathlonsport ist das ein gewaltiger Rückschritt."

"Der Gipfel der Provokation"

Am Mittwoch nun versuchte Vizepräsident Ralf Eckert überraschend, das Bild der präsidialen Arbeit mit einer Pressemitteilung aufzupolieren. "Mit einem sechsstelligen positiven Ergebnis 2009 und dem Ausblick auf ein ebenfalls sehr gutes Ergebnis für das Jahr 2010 verschafft sich die Deutsche Triathlon Union den notwendigen Freiraum, um ihren vielfältigen Aufgaben zur Förderung des Triathlonsports gerecht zu werden", schreibt er darin. Für Bieler und seinen Amtskollegen Helmut Menger aus Rheinland-Pfalz ist diese Pressemeldung "der Gipfel der Provokation". "Seit zwei Jahren fordern die Landesverbände Einsicht in die Finanzlage der DTU, damit sie tragfähige Entscheidungen treffen können. Doch bis heute hat das Präsidium noch nicht einmal die Zahlen für das Geschäftsjahr 2008 vorgelegt", sagt Bieler. Und vermutet, die Pressemeldung sei wohl "der letzte verzweifelte Versuch, den Landespräsidenten kurz vor den Neuwahlen im November wenigstens noch irgendwie die Zustimmung zu diesen Dienstverträgen aus dem Kreuz zu leiern."