Niclas Bock schreibt Fanpost an den neuen 70.3-Weltmeister.

Ingo Kutsche

Niclas Bock im Porträt
Bilder 1/1

Bock bloggt Fanpost

Szene | 10. September 2012
Endlich ist der passende Moment gekommen! Sebastian Kienle hat den Weltmeistertitel gewonnen und gibt seinen Fans wieder jede Menge Grund zum Jubeln. Ich juble mit!
Jeder kennt das - wenn man Fan ist von irgendwem. Häufig ist es dann so, dass man in einer bestimmten Person ein Vorbild sieht oder jemanden, mit dem man sich identifizieren kann. In meinem Fall ist das ein junger Mann aus Karlsruhe. Ohne Zweifel gehört er zu den stärksten Triathleten der Welt, sonst hätte er nicht gerade eben die Weltmeisterschaft gewonnen: Sebastian Kienle, 28, Profitriathlet, coole Sau. Ich persönlich sehe immer zwei Teile, die eine großartige Persönlichkeit ausmachen.

Kienlix gibt alles
Zum einen ist das natürlich die sportliche Leistung. Mit dem leidigen Schwimmthema muss ich jetzt nicht wieder anfangen – jeder weiß, dass Kienle im Wasser nicht zu den Schnellsten zählt. Na und? Dafür winkt er während des Wettkampfs von der Schwimmstrecke aus seinen Fans am Rand (so geschehen bei der Challenge Roth 2011) zu. Und alle freuen sich ein Loch in den Bauch und feiern ihn dafür ohne Ende. Wenn er das Schwimmen erst mal „überstanden“ hat, geht es richtig los. Wie wild geworden mäht er durch die Wechselzone. Witzig, irgendwie muss ich dabei an Obelix denken, wenn er wieder mal eine Horde Römer auseinander nimmt und die Soldaten rechts und links nur so durch die Gegend fliegen. „Auseinander nehmen“ tut Kienlix dann auch – und zwar seine Konkurrenz. Viele kennen die Bilder, wenn er mit wiegendem Oberkörper über die Strecke bügelt und einen nach dem anderen am Straßenrand stehen lässt. Wahnsinn! Sowas ist doch cool, wenn jemand von Anfang bis Ende einfach mal Gas gibt und (so scheint es zumindest für die Beobachter) keine Rücksicht auf taktisches Geplänkel nimmt. Es geht darum, sein Bestes zu geben im Triathlon, jeder für sich. Und das macht er. Natürlich ist die zweite Triathlondisziplin das absolute Aushängeschild, aber wer den Weg von „Sebi“ verfolgt hat, der wird gemerkt haben, dass er im Laufen einige große und folglich schnelle Schritte nach vorn gemacht hat. Eine Zehn-Kilometer-Bestzeit von 31:23 Minuten und ein Halbmarathon in 1:12 Stunden bei der Challenge Kraichgau sagen mehr als 1.000 Worte.
Blick ins Innerste
So viel zum Sportlichen. Jetzt das menschliche. Ich mag es, wenn jemand sagt, was er denkt und man nicht ständig in irgendwelchen Phrasen „vor sich hingelangweilt“ wird. Gut, Kienle ist auch ein Meister darin, seine Aussagen auszuschmücken, aber immer auf eine ehrliche Art und Weise. Beispiel Challenge Kraichgau: Kienle macht ein super Rennen, kommt als Dritter ins Ziel und ist darüber enttäuscht und macht keine Anstalten, das zu verbergen. Er gratuliert den Anderen und verschwindet. Aber genau dieses Verhalten zeichnet einen guten Sportler aus. Es geht nicht darum, Schauspieler zu sein, so ein Verhalten ist doch menschlich und jeder kennt es. Klingt vielleicht komisch, aber auf gewisse Art und Weise tut es doch gut, zu sehen, dass es auch Profis so gehen kann. Beispiel Saison 2011: Nach seinem zweiten Platz und dem erneuten Sub-8-Finish in Roth scheint ihm die Luft auszugehen. In Wiesbaden hat er Pech und stürzt gleich dreimal. Das Spannende: Wie geht Kienle damit um? Er sagt den Rest der Saison und seinen Start bei der Ironman-70.3-WM ab und will neue Energie sammeln. Es gibt keine vorgeschobenen Gründe, vielmehr veröffentlicht er einen sehr persönlichen Blog auf seiner Homepage und sagt, was Sache ist. Und ein Jahr später gewinnt er das Rennen, das letztes Jahr noch ohne ihn stattgefunden hat. Boom - so macht man das also!

Ich bin der festen Überzeugung, dass sich Kienle durch seine Art Rennen zu gestalten und sein Auftreten eine riesige Fangemeinschaft aufgebaut hat. Durch seine Erfolge mittlerweile sicher auch in den USA, aber vor allem hier in Deutschland. Da gibt es unter anderem ein paar abgefahrene Jungs aus Kienles Heimatverein: Zehn junge Männer lassen sich immer wieder neue Aktionen einfallen, um ihr Vorbild zu pushen und anzutreiben! Dort, wo die Jungs an der Wettkampfstrecke stehen, ist die Party. Trommeln, Megafon und jede Menge gute Stimmung sind immer mit im Gepäck. Kann man sich durchaus mal anschauen!

Zum Schluss: Einen riesengroßen Glückwunsch nach Las Vegas! Sebi, verzock‘ dein Preisgeld nicht und genieß‘ den Erfolg, den du dir verdient hast! Viel Spaß auf Hawaii - deine Fans hier in Deutschland drücken dir die Daumen!

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