Faris Al-Sultan: „Ich brauche nicht noch ein Finisher-Shirt zuhause.“

Eigentlich ist es erst jetzt offiziell, das Karriereende von Faris Al-Sultan. Also richtig offiziell. Denn der Altmeister hängte seine Badehose an den Nagel – ganz wörtlich.

Von > | 11. Januar 2016 | Aus: Szene

Faris Badehose bei Power Bar

Faris Badehose

Foto > Power Bar

Faris Al-Sultan: „Ich brauche nicht noch ein Finisher-Shirt zuhause.“

Die knappe Badehose war das Markenzeichen von Faris Al-Sultan. Seinem Sponsor schenkte der Ironman-Weltmeister von 2005 eines der letzten Exemplare. Damit ist auch für Al-Sultan selbst klar: Die Rückkehr in den Profi-Sport kommt für ihn nicht infrage. Im Interview spricht der Bayer über die knappe Klamotte und blickt auf seine Erfahrungen als Profi zurück.

Faris Al-Sultan, Ihre Konkurrenten trugen aerodynamische Rennanzüge, die im Windkanal getestet wurden. Warum sind Sie bei der Badehose geblieben?

Als ich mit Triathlon angefangen habe, haben alle Triathleten so eine Badehose getragen. Und ich habe mich einfach nicht umgestellt. Es war für mich bequem und ich mochte die Hose. Ich habe das ja nicht gemacht, um bewusst ein Markenzeichen zu kreieren, so wie das heute vielleicht der ein oder andere macht. Das war einfach so, das hast du nicht hinterfragt.

Faris Badehose bei Power Bar

Selbstverständlich wird das gute Stück sorgfältig verpackt

Foto > Power Bar

Haben Sie sich keine Gedanken gemacht, dass Sie einen Nachteil durch die Badehose haben könnten?

Das kam erst in den letzten drei Jahren, als viele mit Kleidung experimentiert haben. Da hat man festgestellt, dass gewisse Materialien einfach aerodynamischer sind als die Haut.

In den letzten 20 Jahren hat sich im Triathlon viel getan. Sie waren die ganze Zeit dabei. Wie sah der Sport zu Beginn Ihrer Karriere aus?

Das war früher eine ganz andere Nummer. Man hat sich beispielsweise anders ernährt. Ich kann mich noch an den ersten Ironman erinnern: Da haben die Jungs sich noch selbst versorgt. Das heißt, wir hatten einen Rucksack dabei oder haben an der Tankstelle angehalten. Zudem wurde teilweise mit Dörrobst experimentiert. Was passiert, wenn du sechs getrocknete Feigen während des Wettkampfs isst, kann sich jeder vorstellen. Da braucht man schon einen ganz besonderen Magen.

In Sachen Ernährung ist die Zeit der Experimente vorbei. Sie arbeiten schon lange mit ihrem Verpflegungs-Sponsor zusammen.

Ich war besonders an PowerBar interessiert, weil sie qualitativ extrem hochwertige und viele unterschiedliche Produkte anbieten. Das ist für einen Profisportler enorm wichtig und vereinfacht die Arbeit extrem. Schließlich hast du sehr hohe Anforderungen im Trainingsalltag und willst zudem nicht immer den gleichen Riegel essen.

Hatten Sie Verbesserungsvorschläge?

Natürlich. Ich habe den Mitarbeitern oft Rückmeldung gegeben und erklärt, was ich von den Produkten halte und wo es Verbesserungsbedarf gibt. Dieser ständige Austausch ist wichtig. Auch deshalb hat sich viel getan in den letzten Jahren. Das liegt aber nicht nur an mir, sondern an vielen Leuten, die immer wieder Rückmeldung geben. Es ist ja ein großer Unterschied, ob ein Wissenschaftler in einer stillen Kammer das Produkt bastelt oder ob es in Kooperation mit dem Sportler entwickelt wird. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Athleten das Produkt auch tatsächlich brauchen können.

Inwiefern profitieren Sie dabei von Ihrer großen Erfahrung?

Natürlich kann ein Profi ein anderes Feedback geben, als ein Athlet, der nur ein Produkt am Tag zu sich nimmt. Nur Einfluss auf Geschmacksrichtungen habe ich leider nicht. Alles mit Schokolade ist immer super, weil es einfach gut schmeckt.

Cannes International Triathlon 2015 - Laufen 06

Der Cannes International Triathlon 2015 war eines der letzten Rennen von Al-Sultan

Foto > José Luis Hourcade