Hardy fliegt

Mitten in der kalten Jahreszeit darf Hardy vollkommen unverhofft nach Fuerteventura ins Trainingslager zu den Raelerts fliegen. Hardy kann es kaum fassen. Seine Frau allerdings auch nicht…

Von > | 14. November 2014 | Aus: Szene

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Der Fuerte-Blog Teil 1

Foto > privat

Es war an einem kalten Dienstag. Mein Fahrrad und ich kämpften uns gerade fluchend durch Dunkelheit, Regen und die November-Depression. Wir froren bis auf den Rahmen. Da brummte plötzlich das Handy. Ein freundlicher junger Mann war dran und fragte, ob ich Hardy sei. Nachdem ich eine Weile über die Frage nachgedacht hatte, entschied ich mich für ein „Ja“. Die Stimme fragte mich weiter, ob ich in dem Fall nicht auch mal Lust hätte, ein paar Trainingstage auf Fuerteventura zu verbringen. 4-Sterne-Hotel, Sonne, Flug hin und zurück, mit allem Pi Pa Po.

Was war das denn für eine Frage? Ist das Aerolaufrad rund? Wollte mir da jemand eine Kaffeefahrt und Heizdecken verkaufen? Warum gerade Fuerteventura? Warum ich? War der Anruf eine kältebedingte Einbildung? Einsetzende Endorphinausschüttungen und Halluzinationen kurz vor dem Erfrieren… ? Egal! Es klang alles sofort viel zu gut, als dass ich lange zweifeln konnte! Ich dachte an  Palmen, Meer, Heizdecken und Aerolaufräder…. Mir wurde warm. Ich sagte zu.

Der Mann meinte, dass um diese Jahreszeit auch gerne mal die Raelert Brothers vor Ort wären und man ja eventuell ein bisschen zusammen trainieren könnte, wenn es sich ergäbe. Dann sagte die Stimme noch irgendwas, was ich aber nicht mehr verstanden habe, denn das Rauschen der Wellen war zu laut. Ich fuhr mit Michi und Andi schon auf einer langen endlosen Küstenstraße entlang. Kurze Hosen, T-Shirt und der warme Passatwind an den Beinen. Die Trinkflaschen randvoll und unsere 6 sündhaft teuren Laufräder sangen auf dem spanischen Asphalt. Ich frage euch: Wer braucht eigentlich Drogen, wenn einem schon eine simple unterkühlte Radausfahrt im Herbst solche Trips bereiten kann?

Soweit so fantastisch. Das Ganze wäre vielleicht auch weiter keine Nachricht wert gewesen, hätte da nicht auch noch am nächsten Morgen diese unbekannte Nummer auf meinem Display geblinkt. Seitdem denke ich nur noch an diese lange Küstenstraße und den Passatwind. Ich bin nervös wie ein Schuljunge vor dem ersten Wandertag.

Beim Frühstück fragte ich vorsorglich meine Frau, was sie eigentlich davon halten würde – nur mal angenommen…. -  wenn ich nächste Woche für ein paar Tage… wirklich auch nicht länger…. die Kanaren... die Raelerts…  sie wisse doch wer die Ralerts sind? Ich schlug vor, dass sie sich derweil ja mal ein bisschen Zeit für Haus und Kinder nehmen könne. Meine Frau lachte kurz und erwiderte trocken: „Hardy, vergiss nachher nicht die Spülmaschiene auszuräumen!“

Ich fand, dass das zwar kein "nein" gewesen war, aber die Antwort trotzdem nicht so klang, wie ich mir das eigentlich vorgestellt hatte. Warum sind Frauen immer so... so.... ? Ich schlurfte zur Spülmaschine.

Ich meine Fuerteventura! Im November! Und dann noch mit den Raelerts! Das ist doch so, als hätte man einem Kfz-Lehrling gerade angeboten, mit Sebastian Vettel und Nico Rosberg in Monza eine Woche lang ein paar Runden zu drehen und anschließend die Winterreifen zu wechseln. Die Frage kann doch gar nicht sein, ob man fährt oder nicht, sondern nur: „Was zieht man an? Rasiert man sich die Beine? Und was kostet hinterher die Scheidung?"

Kann ich den Raelerts überhaupt so untrainiert unter die Augen treten? Immerhin ist bei mir gerade offiziell trainingsfrei! Was, wenn die mir bei der Radausfahrt schon am Ortsausgangsschild wegfahren? Obwohl andererseits… Windschatten geht doch eigentlich immer. Aber es sind die Raelerts! Und Michi ist beim 70.3 in Mandurah gerade mit einem 45er Schnitt über die Straßen gefegt. Da wird unsereinem wahrscheinlich selbst im Windschatten die Luft dünn … Außerdem ist Windschatten auch was für warmduschende Kurzdistanzler.

„Hardy, die Spülmaschine…!“

„Ja, Schatz!“

Entschuldigt mich jetzt erstmal. Ihr seht ja, was hier los ist... Ich schreib euch später weiter...

Euer Hardy

P.S.: Wenn alles gut geht, und ich mich heute Nacht absetzen kann, schicke ich 5 von Euch nächste Woche eine Postkarte aus Fuerteventura. Ich geb‘ mein Bestes, dass die Postkarte dann auch die Unterschrift von einem (oder beiden) Raelerts tragen wird. Schreibt mir dafür einfach eure Adresse und die „eine Frage“, die ihr entweder Michael oder Andreas Raelert immer schon mal stellen wolltet, an: post@hardy-hartmann.de