Bock bloggt Hawaii Hangover

Szene | 15. Oktober 2012
Was für eine Nacht! Immer noch müde, immer noch begeistert. So kann ich meine aktuelle Form ganz gut beschreiben. Der Kinofilm „The Hangover“ ist euch vielleicht bekannt: Ein paar Typen sind nach einer durchzechten Nacht vollkommen benebelt und rekonstruieren Schritt für Schritt die vergangenen Vorkommnisse. Hier nun das Drehbuch für die hawaiianische Variante.
Noch ganz kurz eine Anmerkung, damit es nicht zu Missverständnissen kommt: Ich weiß noch alles, und total benebelt war ich auch nicht. Zumindest nicht vom Alkohol, schon eher von den sportlichen Höchstleistungen der Athleten. Und – Mann oh Mann – ich will nicht wissen wie benebelt einige der Jungs und Mädels auf Hawaii jetzt noch sind. Hitze und Wind ohne Ende, ein Wettkampf an den Grenzen von gut und böse und dann die legendäre After-Race-Party im Lulu's.

Das Drehbuch

Fangen wir mit den Hauptdarstellern an. Man braucht etwa 1.800 Wilde, die man dazu bewegt, über mindesten acht und maximal 17 Stunden Sport in brütender Hitze zu treiben. Dazu kommen dann etliche freiwillige Helfer, die sich wochen-,  wenn nicht monatelang mit Aufbau und Organisation beschäftigen und die sich dann ebenfalls einen Tag lang in den Dienst des Ironman stellen. Drehort wäre idealerweise eine Insel, die möglichst weit von … ähm ja, möglichst weit von Allem entfernt liegt. Außerdem sollte es vorher nicht ganz klar sein, ob es 40 Grad oder noch heißer wird, ob es regnet oder stürmt oder beides. Sprich, der perfekte Ort wäre Big Island, Hawaii. Die Rahmenbedingungen wären nun also schnell und unkompliziert geklärt. Noch eine Randbemerkung: Die angesprochenen 1.800 Hauptdarsteller sollten natürlich freiwillig bereit sein anzureisen und jegliche Kosten selbst zu tragen. Belohnt werden Sie mit dem wohl erlebnisreichsten und emotionalsten Tag ihres Lebens.
Handlung und Spannungsbogen ergeben sich meist schon allein aus der Herausforderung eines Ironmanrennens. Grundsätzlich ist es ja so, dass wir Menschen uns am meisten für eine Sache begeistern, bei der es anderen Leuten schlecht geht oder irgendwelche Horror-Nachrichten zu erwarten sind. Freuen Sie sich also auf den Ironman Hawaii: Hier wird gelitten, geschwitzt, getaumelt und gekämpft. Jeder gegen jeden, Gott gegen alle. Ganz und gar nicht nach dem Motto: „Heute wird getanzt, gesungen und gelacht“ – hier holt jeder Einzelne das Beste aus seinem Körper heraus und gibt alles was in ihm steckt, um diesen Mythos zu überleben. Wohl jeder (egal ob Triathlet oder nicht) zollt dafür staunend und mit offenem Mund Respekt. Jahrelang.
Und dann gibt es noch das Publikum. Eben Leute wie wir, die sich eine ganze Nacht um die Ohren schlagen, nur um dem Happening jedes Jahr unsere volle Aufmerksamkeit zu schenken und davon noch tagelang fast genauso benebelt zu sein. Und wenn wir ehrlich sind, freuen wir uns doch auch darüber, die Athleten leiden und kämpfen zu sehen. Wir fiebern mit und wir leiden mit, weil viele von uns wissen, wie es sich anfühlt! Und (um noch kurz so zu tun, als sei ich ein Schlaumeier): Das ist der Grund, warum wir Triathleten uns gegenseitig respektieren sollten. Jeder leidet gleichermaßen, der eine eben nur eine Sprintdistanz lang, der andere eben über den Ironman – jedem das seine.