DTU-Verbandstag Hemker löst Wisser ab

Szene | 6. November 2010
Die Deutsche Triathlon Union (DTU) hat einen neuen Präsidenten. Die Delegierten des Verbandstags in Worms wählten den ehemaligen Bundestagsabgeordneten Dr. Reinhold Hemker an die Spitze, Amtsvorgängerin Claudia Wisser hatte zuvor ihren Rücktritt erklärt.
Mit ihrem Rückzug gleich zu Beginn der Sitzung hatte Wisser am Samstagmorgen gemeinsam mit ihren Vizepräsidenten Dr. Ralf Eckert (Finanzen) und Ramon Gomez-Islinger bereits den Verzicht auf eine weitere Amtszeit klargemacht. Damit war der Weg frei für die am Donnerstag von einer "Findungskommission" präsentierten Kandidaten. Stellvertreter des aus dem nordrhein-westfälischen Rheine stammenden promovierten Theologen Hemker im neuen dreiköpfigen geschäftsführenden DTU-Präsidium werden der Finanzexperte Bernd Rollar (Rheinland-Pfalz) und der ehemalige Bundestrainer Reinhold Häußlein (Baden-Württemberg). Die Vizepräsidenten Dierk Brandewinder (Nordrhein-Westfalen, Ressort Veranstaltungen) und Bernd Rennies (Bremen, Breitensport) wurden von den Delegierten in ihren Ämtern bestätigt. Damit sind in der neuen Führungsspitze der DTU vier der 16 Landesverbände vertreten.

Hohe Erwartungen an Wissers Nachfolger

Den Wahlen vorausgegangen war eine engagierte Rede des ehemaligen DTU-Präsidenten (1987 bis 2001) und Vorsitzenden des Hessischen Triathlonverbands Dr. Martin Engelhardt, der die Amtsführung Wissers heftig kritisierte. Ihn hatte Wisser in ihrer zu Versammlungsbeginn verlesenen Rücktritsrede indirekt als Hauptverantwortlichen für ihr politisches Scheitern ausgemacht. Eine Woche vor dem Verbandstag hatte der mitgliederstärkste Landesverband Nordrhein-Westfalen erklärt, das Duo Wisser/Eckert nicht länger unterstützen zu wollen. Damit war ein weiteres Mandat für die im November 2008 als Nachfolger von Interimspräsident Rainer Düro gewählten Rechtsanwälte, die kurz darauf eine gemeinsame Kanzlei gründeten und später auch privat als Paar auftraten, unwahrscheinlich geworden, da sich auch die Mehrzahl der übrigen Verbände im Vorfeld des Verbandstags für einen Präsidiumswechsel ausgesprochen hatten.
Auf Hemker, der 226 der insgesamt 331 Stimmen (Bayern und Baden-Württemberg, die sich im Vorfeld zu Wisser bekannt hatten, stimmten gegen Hemker) auf sich vereinen konnte, ruht nun die Erwartung, den Dachverband neu zu einen. Der frühere Bundestagsabgeordnete gilt als umsichtiger Moderator mit guter Vernetzung in die Sportpolitik, der profunde Einblick in die verbandsinternen Strukturen dürfte ihm aber noch fehlen. Spätestens wenn es in den kommenden Wochen wieder um konkrete Sachfragen geht, steht für den 66-Jährigen eine erste Bewährungsprobe an. Die Entscheidung über die insgesamt 15 von Wisser in die Sitzung gebrachten Anträge wurde nach deren Rücktritt bis aus Weiteres vertagt.