Im Zeichen des Friedens

Das Spektakulärste am DTU-Verbandstag in Osnabrück war wohl, dass er so unspektakulär verlief. Im Rathaus des Westfälischen Friedens zeigten das DTU-Präsidium und die 16 Landesverbände, dass sie bereit sind, sich unter der Führung von Dr. Martin Engelhardt den Herausforderungen der Zukunft zu stellen. Gemeinsam.

Von > | 10. November 2014 | Aus: Szene

Rathaustür | Rathaustür

Türgriff am Rathaus des Westfälischen Friedens in Osnabrück

Foto > Frank Wechsel / spomedis

Der Ort hätte symbolträchtiger nicht sein können: Im "Rathaus des Westfälischen Friedens" zu Osnabrück hielt die Deutsche Triathlon Union ihren Ordentlichen Verbandstag ab. Im Jahr 1648 war hier und im 50 Kilometer südlich gelegenen Münster das Ende des 30-jährigen Krieges besiegelt worden. Und so stand auch der DTU-Verbandstag ganz im Zeichen des Friedens: Das DTU-Präsidium und die Delegierten aus allen 16 Landesverbänden zeigten am Samstag, dass sie sich den Herausforderungen der Zukunft in einer Geschlossenheit stellen, die bei der letzten ordentlichen Tagung dieses Gremiums vor vier Jahren noch undenkbar war.

Vier Jahre Aufräumarbeit

Ein Blick zurück: Fast auf den Tag genau vor vier Jahren hatte Claudia Wisser in Worms unter dem Druck ihrer drohenden Abwahl den Rücktritt vom Amt der DTU-Präsidentin erklärt. Die kurze Amtszeit des nordrhein-westfälischen Pfarrers und ehemaligen Bundestagsabgeordneten Reinhold Hemker vermochte danach kaum, die vielen Verwerfungen unter allen Beteiligten zu beruhigen - zumal Wisser und ihr damaliger Vizepräsident und Lebensgefährte Dr. Ralf Eckert zahlreiche Altlasten hinterlassen hatten: In vier Fällen ermittelten die Staatsanwaltschaften (drei Ermittlungen wurden ergebnislos eingestellt, in einem Fall wurde das Verfahren nach einer Zahlung von 4.000 Euro an wohltätige Zwecke beendet), der mächtige Bayerische Triathlonverband wurde zwischenzeitlich aus der DTU ausgeschlossen, viele ehemalige Leistungsträger waren aufgrund ihrer kritischen Haltung ausgebootet worden, die Kontrahenten überhäuften sich mit Negativ-Publicity und Klagen.

Nach Hemkers frühzeitiger Resignation war es der damalige DTU-Ehrenpräsident Dr. Martin Engelhardt, der den Verband aus der größten Krise seiner Geschichte führen sollte. Mit Erfolg, wie sich am Samstag endgültig zeigte: Im Beisein von Osnabrücks Sport-Bürgermeister Burkhard Jasper und dem niedersächsischen Innenminister Boris Pistorius schloss Engelhardt vor den Neuwahlen am Nachmittag im Osnabrücker Friedenssaal den Schlussstrich unter die Vergangenheit, bedankte sich bei zahlreichen Mitstreitern der vergangenen Jahre und rehabilitierte einige ehemalige Protagonisten, die sich im Unfrieden der Wisser-Ära freiwillig oder unfreiwillig aus dem Verbandsgeschehen zurückgezogen hatten. Die Deutsche Triathlon Union und ihre Landesverbände ziehen wieder an einem Strang, wie sich in der einvernehmlichen Verabschiedung von Satzungen, Änderungen der Sportordnung und einem einheitlichen Zukunftskonzept zeigte, und stellen sich gemeinsam den Herausforderungen der Zeit. Und die sind nicht klein.

Deutscher Triathlonsport vor großen Herausforderungen

Denn neben den vielen Erfolgen der letzten Zeit wie der Integration des Triathlons in den renommierten Wettbewerb "Jugend trainiert für Olympia", der Bildung einer Agegrouper-Nationalmannschaft, die "nicht mehr mit einem Pappschild vor der Brust antreten muss" (so der scheidende Vizepräsident Bernd Rennies), der Rückintegration der Bundesliga aus einer externen GmbH unter die Verantwortung des Verbands, 665 Dopingkontrollen im Training (unter den olympischen Spitzensportverbänden haben nur die Leichtathleten mehr) und weltweit herausragenden Veranstaltungen "made in Germany" gibt es zahlreiche Baustellen im und um den Verband. So erläuterte der Vizepräsident für den Leistungssport, Reinhold Häußlein, die nicht überall rosige Ausgangslage des deutschen Spitzensports weniger als zwei Jahre vor den Olympischen Spielen in Rio - und konnte zum Glück auf einige Lichtblicke im Nachwuchsbereich wie die international dekorierten Laura Lindemann und Sophia Saller verweisen. Volker Oelze malte als Anti-Doping-Beauftragter ein düsteres Bild, das ab dem Jahreswechsel droht: Die 138 Wettkampfkontrollen, die die DTU mit ihrem vorbildlichen Aus-, Weiterbildungs- und Finanzierungssystem in diesem Jahr durchgeführt hat, sollen ab 2015 allein von der NADA durchgeführt werden - zu deutlich höheren Kosten. Oelze befürchtet einen Rückgang der Kontrollen in Quantität und Qualität. Der Präsident des Triathlon-Verbandes Sachsen-Anhalt, Pitt Krüger, wies auf die prekäre Finanzlage der kleinere Verbände hin und appellierte an die Solidarität der größeren. 

Neues Präsidium unter bewährter Führung

Die Delegierten sprachen Engelhardt jedenfalls das Vertrauen aus - und bestätigten ihn für zwei weitere Jahre im Amt des Präsidenten der Deutschen Triathlon Union. Auch die Vizepräsidenten Reinhold Häußlein (Leistungssport), der die letzte Legislaturperiode ebenfalls zur Konsolidierung und Beruhigung in den Trainerreihen der DTU genutzt hatte, und Bernd Rollar (Finanzen) wurden in ihren Ämtern wiedergewählt. Neu im Präsidium ist Bernd Kapp, der den nicht erneut kandidierenden Bernd Rennies im Breitensportressort ablöst. Peter Richter kandidierte spontan und erfolgreich für das neu geschaffene Amt des Vizepräsidenten für das Kampfrichter- und Veranstaltungswesen. Ein besonderer Coup ist Engelhardt mit der Nominierung von Prof. Dr. Arndt Pfützner für das Amt des Vizepräsidenten „ohne besondere Aufgabenbeschreibung“ gelungen. Pfützner ist als Vorsitzender des Instituts für Angewandte Trainingswissenschaften (IAT) in Leipzig einer der profiliertesten Kenner der Spitzensportstrukturen in Deutschland und wird als Wissenschaftler und langjähriger Triathlon-Experte die „strategische Planung und die Aus- und Weiterbildung befruchten“. Die Landesverbands-Präsidenten Jürgen Helt (Hessen) und Hellmuth Lehmann (Hamburg) vertreten die Gesamtheit der Landesverbände im Präsidium, dem auch DTU-Geschäftsführer Matthias Zöll angehört.

Eine Kampfabstimmung gab es zum Schluss dann doch noch - und zwar die um den Austragungsort des nächsten DTU-Verbandstags 2016: Der Sächsische Triathlonverband setzte sich mit Leipzig gegen die Mitbewerber Saarbrücken und Münster durch. Ein gutes Omen, denn Leipzig gilt in diesen Tagen des Gedenkens an den Mauerfall vor 25 Jahren ebenfalls als Friedensstadt.

Das Präsidium nach dem DTU-Verbandstag in Osnabrück | Das Präsidium nach dem DTU-Verbandstag in Osnabrück

Das DTU-Präsidium nach dem Verbandstag in Osnabrück: Peter Richter, Bernd Kapp, Jürgen Helt (stellv. Sprecher Landesverbände), Bernd Rollar, Prof. Dr. Martin Engelhardt, Matthias Zöll, Prof. Dr. Arndt Pfützner, Hellmuth Lehmann (verdeckt, Sprecher Landesverbände), Reinhold Häußlein.

Foto > Oliver Kubanek / DTU