Kienle und Frodeno: Kernbrennstoff vorhanden

Eine Hotelterasse im kanadischen Mont Tremblant, wenige Stunden nach der Ironman-70.3-Weltmeisterschaft. Zwei Athleten, die nicht ganz zufrieden sind mit dem Rennverlauf, ein nächstes großes Ziel: Hawaii. Sebastian Kienle und Jan Frodeno über Können, Konkurrenz und Kona. Jetzt in triathlon Nr. 125 - im Zeitschriftenhandel.

Von > | 23. September 2014 | Aus: SZENE

Kienle und Frodeno | Sebastian Kienle, Jan Frodeno

Sebastian Kienle, Jan Frodeno

Foto >Silke Insel / spomedis

Sebastian Kienle, nach zwei Siegen bei der Ironman 70.3 World Championship reichte es diesmal nur für Platz 18. Wie groß ist die Enttäuschung?
Ich hatte ja gewusst, dass es eines absoluten Übertags bedarf, um den Sieg zu wiederholen. Diesen Übertag hatte ich leider nicht, nicht mal einen guten Tag, eher einen gebrauchten. In so einem Feld kriegst du dann richtig auf die Fresse. Ich würde mir wünschen, dass ich eine Entschuldigung hätte, aber die habe ich nicht. Es ist halt so. Aber am Ende ihrer Karriere können wohl nur sehr wenige Leute sagen, dass sie mehr Rennen gewonnen als verloren haben. Javier Gómez ist wahrscheinlich einer davon.
Jan Frodeno: Ich krieg’ das auch jeden Tag zu Hause zu hören.
Sebastian Kienle:(lacht) Ja gut, Emma (Frodeno, geb. Snowsill, ehemalige Profitriathletin, d. Red.) hat das von Frauen­seite wahrscheinlich auch.
Jan Frodeno: So einen Vizeweltmeistertitel wie jetzt in Mont Tremblant bekomme ich da schon gleich zum Frühstück aufs Brot geschmiert.

Kienle und Frodeno | Absolute Giganten: Sebastian Kienle und Jan Frodeno am Tag nach der Ironman-70.3-WM in Mont Tremblant.

Absolute Giganten: Sebastian Kienle und Jan Frodeno am Tag nach der Ironman-70.3-WM in Mont Tremblant.

Foto >Silke Insel / spomedis


Jan Frodeno, an welcher Stelle würden Sie Ihren WM-Tag einordnen?
Es wäre nicht mehr allzu viel gegangen. Selbst wenn ich noch eine Woche früher angefangen hätte zu tapern, wäre es mit Javier zumindest eng geworden. Wenn das dann mit einer Silbermedaille belohnt wird, ist das aber schon irgendwie frustrierend. Es klingt komisch, aber ich bin da einfach mal so ehrlich und sage: Freuen ist anders.

Sebastian Kienle, können Sie das nachvollziehen?
Ja, absolut. Und das ist eines der Dinge, die ich an Jan ziemlich gut finde. Der eine oder andere legt ihm das ja gern als Arroganz aus. Aber ich, als einer, der selbst in diesem Sport unterwegs ist, finde es bewundernswert, dass man sich Ergebnisse, die man nicht befriedigend findet, nicht in irgendwie schön­redet. Ich denke, wir wollen alle gewinnen. In unserem Sport wird zwar oft auch ein zweiter und dritter Platz entsprechend honoriert, aber man hat natürlich hohe Ansprüche an sich selbst. Und die kann Jan auch berechtigterweise anmelden.
Sebastian Kienle | \"Als ich gelesen habe, dass Jan 2015 Hawaii gewinnen will, dachte ich: Da hat er aber ein bisschen tiefgestapelt.\"

"Als ich gelesen habe, dass Jan 2015 Hawaii gewinnen will, dachte ich: Da hat er aber ein bisschen tiefgestapelt."

Foto >Silke Insel / spomedis



Jan, Sie sind im Oktober das erste Mal auf Hawaii am Start. Welche Fähigkeiten halten Sie für besonders wichtig, um dort zu bestehen?
Ich glaube, das Härteste – was ich zumindest in Frankfurt gemerkt habe – ist die Birne. Man muss damit rechnen, dass es hart wird, und bereit sein, an und über seine Grenzen zu gehen. Die Belastung, so schätze ich das zumindest ein, wird konstanter sein als hier. Aber dementsprechend summiert sich das halt auch nach sechs bis sieben Stunden, und es könnte schon noch mal eine intensive Nummer werden. Okay, recht originell. Das hat sicher noch keiner vor mir gesagt.
Sebastian Kienle: Als ich gelesen habe, Jan will Hawaii 2015 gewinnen, dachte ich: Na ja. Aber da hat er sogar noch ein bisschen tiefgestapelt. Ich war – ich will nicht sagen überrascht –, dass Jan das Rennen in Frankfurt nicht aufgegeben hat, obwohl er vom Schicksal geprüft wurde. Nicht nur einmal. Das ist genau eine der Eigenschaften, die man auf der Langdistanz generell und speziell in Kona braucht. Man hat nie das perfekte Rennen, es läuft immer irgendwas nicht optimal. Wenn auf der Kurz­distanz was nicht klappt, ist das Rennen gelaufen, weil alles so eng ist und es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit immer einen Athleten gibt, bei dem es perfekt läuft. In Kona ist das bei niemandem so. Ich denke, Jan hat in Frankfurt schon gezeigt, dass er von der Birne her ganz vorn mit dabei ist.
Jan Frodeno: (lacht) Frei nach dem Motto: „If it hurts me, it’s killing them.“

Jan, wie wichtig ist Ihnen der Hawaiisieg im Vergleich zum Olympiasieg?
Faris Al-Sultan verzapft ja viel, wenn der Tag lang ist, aber er hat irgendwann mal zu mir gesagt: „Es gibt zwei Rennen im Triathlon, die zählen: Olympia und Hawaii.“ Das ist auf jeden Fall richtig. Olympia ist im Sport allgemein das Event schlechthin. Aber was unsere Sportart angeht, ist Hawaii schon das Größte. Ich stehe nicht jeden Tag auf und versohle mir den Arsch, um dort dann als Fünfter zu stehen. Oder als Zweiter.

Jan Frodeno | \"If it hurts me, it\'s killing them.\"

"If it hurts me, it's killing them."

Foto >Silke Insel / spomedis


Und Sie, Sebastian, würden Sie Ihre beiden 70.3-Titel für einen Hawaiititel eintauschen?
Das sind so Fragen … Wenn ich tauschen könnte, dann würde ich auch einen Las-Vegas-Titel für den in Mont Tremblant eintauschen. Aber es geht halt nicht. Deshalb: Nein, ich glaube nicht. Den Hawaiisieg hole ich mir aber trotzdem.

Das vollständige Interview mit Jan Frodeno und Sebastian Kienle sowie eine umfangreiche Vorschau zum Ironman Hawaii 2014 und alles über die Eurobike in Friedrichshafen lesen Sie in triathlonNr. 125, die jetzt im Zeitschriftenhandel oder digital erhältlich ist.

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