Eine Zeit von unter 2:25 Stunden hat Franz Löschke für den Frankfurt Marathon am Wochenende als Ziel ausgegeben.

Sina Horsthemke / spomedis

Franz Löschke
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Frankfurt Marathon Löschke auf den Spuren eines Olympiasiegers

Szene | 24. Oktober 2013
Jan Frodeno, Steffen Justus und Franz Löschke wollten sich beim Frankfurter Marathon am Sonntag ursprünglich den 42,195 Kilometern stellen. Tatsächlich an die Startlinie wird es aus dem DTU-Trio aber nur Youngster Löschke schaffen. Der hat kleine Experimente gewagt - und sich einen Marathon-Olympiasieger zum Vorbild genommen.
Franz Löschke, hinter Ihnen liegt eine lange Saison auf der Triathlon-Kurzdistanz, die meisten Kollegen pausieren gerade. Sie laufen Marathon. Wie kamen Sie auf diese Idee?
Der Marathon hat mich schon immer gereizt. Wäre ich nicht auf die Sportschule nach Potsdam gegangen und im Triathlon so erfolgreich geworden, wäre ich meinen ersten Marathon wahrscheinlich schon mit 17 oder 18 gelaufen. So, wie es kam, ließ sich das mit dem anspruchsvollen Triathlontraining aber nicht vereinbaren. Letztes Jahr habe ich mir dann gedacht: Ach, wird schon gehen. Ich wollte nicht direkt nach dem WM-Finale eine Pause einlegen. Also habe ich mir danach die GPS-Uhr geschnappt und bin auf meinen Trainingsstrecken in kontrolliertem Tempo die Marathondistanz gelaufen: Angepeilt waren 2:48 Stunden, es wurden 2:43:46 Stunden.
Wusste Ihr Trainer davon?
Nee, das wusste er nicht. Dazu kam dann auch noch, dass wir uns wochenlang nicht gesehen hatten: Erst war ich zur Vorbereitung am Olympiastützpunkt in Saarbrücken, dann beim Serienrennen in Yokohama, anschließend kam das WM-Finale in Auckland – und genau beim Halbmarathon-Durchgang auf meinem Marathon hat er mich dann zum ersten Mal wieder gesehen. Mehr als ein kurzes „Hallo“ war da von mir im Vorbeiflitzen natürlich nicht drin. Kurzfristig war er schon ein wenig sauer, weil ich nicht angehalten und ihn vernünftig begrüßt habe, aber seine Freundin hat ihn beruhigt und gesagt: Wer weiß, was er gerade vor hat.
Dieser Marathontest hat offenbar so viel Spaß gemacht, dass Sie es nun im Wettkampf wissen wollen.
Genau. Eigentlich hatte ich mir dafür den Berlin-Marathon ausgeguckt, weil der nur zwei Wochen nach dem WM-Finale in London terminiert war. Das habe ich im Training mit Jan Frodeno anklingen lassen – da meinte er: Hey, lauf doch in Frankfurt, Steffen (Justus, d. Red.) und ich wollen dort auch starten. Nun hat sich Steffen in der zweiten Saisonhälfte verletzt, Frodo geheiratet – jetzt bin ich eben der einzige DTU-Athlet, der dabei sein wird.
Wie lange haben Sie den Marathon gezielt vorbereitet?
Seitdem das WM-Finale in London gelaufen ist, also sechs Wochen. Die Laufumfänge mussten natürlich etwas steigen. Dabei habe ich mich am Trainingsplan von Waldemar Cierpinski in der Vorbereitung auf seinen Olympiasieg 1976 orientiert. Ich habe mir seine letzten sechs Wochen genauer angeschaut und das auf meine Planung, meine Umfänge, meine Zielzeit angepasst. Dazu habe ich natürlich noch einiges zusätzlich mit aufgenommen: Viel Athletik, Schwimmeinheiten – das hatte Cierpinski offenbar nicht im Plan.
Über welche für Trainingsumfänge und -Inhalte reden wir?
Es schwankte so zwischen 150 Wochenkilometern in der Spitze und 85 Kilometern, die ich in einer Entlastungswoche gelaufen bin. Ich hatte aber auch ein paar muskuläre Probleme und konnte nicht ganz so viel laufen, wie ich wollte. Inhaltlich – nun ja: Wer mich kennt, weiß, dass ich mir im Training ordentlich was einschenke. Da gab es schon viele Trainingseinheiten, bei denen ich vorher auf den Plan geschaut habe und dachte: Puuh! If you don't feel the workout, it's not hard enough.
Inwieweit haben Schwimmen und Radfahren da noch in den Plan gepasst?
In den ersten beiden Wochen bin ich auch Rad gefahren, weil ich noch ein Rennen in der französischen Liga vor mir hatte. Danach war dann weder die Lust, noch die Zeit zum Radfahren wirklich vorhanden. Geschwommen bin ich aber sogar mehr als eigentlich geplant, das hat mir einen gewissen regenerativen Effekt für das Laufen gebracht.
Triathleten und der Laufsport
Dass viele Elite-Triathleten schnell laufen können, ist bekannt. Läufer zweifeln die korrekte Vermessung der Triathlon-Laufstrecken allerdings häufig an - zumindest, bis sie einmal selbst gegen die Dreikämpfer angetreten sind. Das passiert zwar selten. Wenn doch, kam es dabei allerdings bereits einige Male zu Überraschungen. Allen voran Steffen Justus vertrat die Triathleten bereits mehrfach glänzend.
 
2008 lief der gebürtige Thüringer in München seine Marathonpremiere - und schaffte in 2:21:38 Stunden nicht nur den Sprung auf Platz zehn der deutschen Jahresbestenliste, sondern gewann den Lauf auch. Ein Jahr später legte Justus noch einmal nach: In 2:18:44 Stunden wurde er in Frankfurt bester Deutscher, war sechstschnellster Deutscher im Jahr 2009. Auch im Halbmarathonlauf (Bestzeit 1:05:01 - zweitschnellster Deutscher 2009) mischte Justus die deutsche Spitze bereits auf, bei den Deutschen Meisterschaften im Crosslauf gelangen ihm wie seinem DTU-Kaderkollegen Gregor Buchholz Medaillengewinne. Über zehn Kilometer schafften es -  ebenfalls neben Justus - beispielsweise Rebecca Robisch und Jenny Schulz schon in die Jahresbestenlisten des Deutschen Leichtathletikverbands.
 
Auch Jan Raphael und Normann Stadler sind in Frankfurt Marathon gelaufen: 2007 starteten sie zu karitativen Zwecken - Stadler ließ sich so zu 2:32:12 Stunden treiben, Raphael lief den Marathon in 2:41:31 Stunden. Im Jahr 2011 sorgte außerdem Matthias Graute, bis dahin vor allem im Duathlon und Bundesliga-Triathlon aktiv, für Aufsehen: Drei Wochen nach einem Start bei der Elite-WM im Duathlon gewann er in 2:20:57 Stunden den Essener Marathon und wechselte anschließend zum Marathonlauf. Auch der frühere DTU-Kaderathlet Falk Cierpinski, Sohn von Waldemar Cierpinski, - dem Marathon-Olympiasieger von 1976 - absolvierte noch im Jahr seines letzten Triathlons, 2007, in 2:19:06 Stunden einen Marathon, ist seither als Profi-Läufer aktiv. Im Folgejahr katapultierte er sich mit seiner noch immer aktuellen Bestzeit von 2:13:30 Stunden an die Spitze der DLV-Jahresbestenliste.
Können Sie von diesem Marathontraining auch im Triathlon profitieren?
Ich denke, dass es vor allem eine gute Grundlage für die neue Saison gebracht hat. Und ich behaupte, an Geschwindigkeit habe ich dabei auch nicht viel verloren, weil ich einige richtig schnelle Einheiten gemacht habe: 20 Kilometer mit 3:15 Minuten und 3:40 Minuten pro Kilometer im Wechsel oder 15 Kilometer, ebenfalls im Wechsel zwischen 3:10 Minuten und vier Minuten pro Kilometer zum Beispiel. Der Speed ist noch da.
Gerade der Marathonlauf bietet auch viele Möglichkeiten zum Experimentieren – sei es nun in der direkten Vorbereitung, wie mit der Saltin-Diät, oder im Training. Haben Sie etwas Neues getestet?
Weil die Umfänge extrem hart sind, habe ich einmal die Kältetherapie – also Eisbäder – als Regenerationsmaßnahme ausprobiert. Mein Eindruck ist, dass das sehr helfen kann. Beispielsweise bin ich im Laufe meiner 150-Kilometer-Woche binnen drei Tagen rund 100 Kilometer gelaufen – und am Abend des dritten Tages habe ich mich von den Beinen her immer noch so gefühlt, als hätte ich gleich nochmal 20 Kilometer dranhängen können. In das Triathlontraining werde ich die Methode aber eher nicht übertragen, weil durch die Anwendung von Kältetherapie die Bildung von Mitochondrien abgebrochen wird. Durch den Triathlon hatte ich bereits einen sehr hohen Fitnesslevel, auf dem ich in Sachen Mitochondrienbildung nicht mehr viel zulegen konnte, sodass ich das in dieser Phase in Kauf nehmen konnte.
Mit welcher Zielzeit gehen Sie am Sonntag nun ins Rennen?
Ich habe angepeilt, schneller als 2:25 Stunden zu laufen. Ich habe mir ein paar Durchgangszeiten zur Orientierung notiert. Geplant ist, mit etwas Bonus anzugehen und danach möglichst nicht nachzulassen. Das heißt, den Halbmarathon will ich in 1:11:30 Stunden angehen. Die Profi-Anmeldung war eigentlich nur für Männer offen, die unter 2:20 Stunden laufen. Ich habe trotzdem mal hingeschrieben und erzählt, wer ich bin und was ich vor habe. Zwei Tage später kam die Antwort, dass ich unter den B-Profis starten darf, ein paar Meter hinter den A-Profis.
Start ist in Frankfurt am Sonntag um 10:30 Uhr. Das hr-Fernsehen überträgt von 12 bis 14:30 Uhr live, außerdem soll es auf hr-online.de sowie auf der Veranstaltungswebsite einen Livestream geben. Neben Löschke werden auch Anne Haug und Jan Frodeno in Frankfurt laufen - allerdings nicht über die volle Distanz. Die beiden laufen in einer Staffel für einen ihrer Sponsoren.
Das klingt offensiv – und doch schimmert auch Respekt vor der Distanz aus dieser Zielzeit. Zumindest gemessen an Ihren Zehn-Kilometer-Zeiten könnte es sogar noch schneller gehen.
Das kommt natürlich auch auf die Vorbereitungsdauer an. Wenn wir meine Zehn-Kilometer-Zeiten nehmen, sollte ich damit rein rechnerisch sogar etwa um 2:15 Stunden laufen können. Dafür bräuchte ich aber wirklich mehr Zeit für die Vorbereitung.
Haben Sie vor, sich diese Zeit irgendwann einmal zu nehmen?
Nun ja, dieser Marathon am Sonntag ist noch gestattet, aber für die nächsten Jahre bis zu den Olympischen Spielen in Rio wurden mir solche Projekte erst einmal untersagt (lacht). Mich würde es reizen, einmal ein komplettes Jahr marathonspezifisch zu trainieren. Vielleicht kommt das nach meiner Triathlonkarriere – wobei ich ja auch noch einen Ironman machen will. Das steht sich alles noch so ein wenig entgegen.
Ihr Nationalmannschaftskollege Steffen Justus hat bereits zwei Marathonläufe hinter sich. Haben Sie mit ihm darüber gesprochen?
Er hat mir schon ein paar Ratschläge mitgegeben. Aber ich will auch meine eigene Erfahrungen machen und sehen, was ich selbst von der Planung her machen kann. Und auch, wie so ein nun fast 40 Jahre altes Programm bei mir wirkt.
Und nach dem Marathon gibt es dann doch noch eine Saisonpause – oder war sie das gerade schon?
Die erste Entlastungswoche war schon ein Teil der Saisonpause, da habe ich zusammen mit Stefan Zachäus Urlaub auf Ibiza gemacht. Nach dem Marathon mache ich aber nochmal zwei Wochen Pause, in denen ich wenig mit Triathlon zu tun haben werde.