Mallorca-Blog Teil 1: "Ich schaue mir gleich mal deinen Vorbau an"

Eine Woche lang bin ich jetzt schon im Trainingscamp auf Mallorca. Und genau eine Woche lang versuche ich schon, diesen Text hier zu schreiben. Aber ich komme zu nichts. Mein erstes Fazit ist deshalb: ein Triathlon-Trainingscamp ist kein Urlaub.

Von > | 16. März 2015 | Aus: SZENE

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Anita Horn Mallorca-Blog Teil 1

Foto >Anita Horn

Das stellte vor ein paar Tagen auch ein Teilnehmer während unseres Tapas-Abends fest. Vor dem Ruhetag ohne Sport und ohne straffen Zeitplan sagte er bei seinem Lachanfall: „So habe ich hier im Urlaub noch nie geschwitzt. Ach nein, das ist ja gar kein Urlaub.“ Und Recht hat er. Wobei das mit dem Schwitzen hoffentlich nur ein Scherz war.

Letztes Jahr war ich als Teilnehmerin im WillPower-Camp in Pollenca dabei. Diesmal bin ich als Guide im Camp von Jorge Sports hier. Und lerne jeden Tag viel dazu. Zum Beispiel, dass es keinen Triathlon-Einsteiger gibt, die nichts kann.

Fazit II: Wer nicht gut laufen, radeln oder schwimmen kann, ist immerhin beim Tanzen, Relaxen oder am Buffet vorn dabei.

Zwischen Puddingteilchen und frittiertem Tintenfisch muss man als Triathlet erst einmal klar kommen. Am Anfang steht ja doch irgendwie die Gier, die Augen sind größer als der Bauch und man will alles zumindest mal probieren. Gut, dass ich insgesamt fünf Wochen auf der Insel bin. Ich bin mir sicher, dass die erste Woche kalorientechnisch eine Ausnahme war. Da ich als Guide ja auch ein bisschen Vorbild sein möchte, werde ich in der zweiten Camp-Woche mit den neuen Teilnehmern zusehen, dass ich mehr Obst und weniger Karamell-Creme esse. Klappt bestimmt.

Fazit III lautet also: Nur weil wir hier viel Sport machen, heißt das noch nicht, dass wir zehn Portionen am Tag futtern sollen.

Fazit IV: Verzicht ist auch keine Lösung. Ohne Kaffee am Morgen kann ich trotzdem keine einzige Bahn schwimmen. Und ohne Schokoladen- und Nougat-Notfall-Rationen überstehe ich keinen einzigen Tag. Energie ist wichtig. Sehr wichtig.

Die erste Gruppe hier im Camp war genial. Und ich konnte ein bisschen helfen, den Teilnehmern die Angst vor ihrem ersten Triathlon zu nehmen. Ganz einfach, indem ich meine ersten Pannen zum Besten gegeben habe. Zum Beispiel von meinem ersten Wechsel in Köln am Rheinauhafen, für den ich acht Minuten brauchte. Oder von meinem Wechsel in die Laufschuhe, als ich den Helm nicht abgesetzt habe.

Fazit V: Es gibt immer Geschichten zu erzählen. Und im Nachhinein sind sie auch meistens zum Lachen. Wenn auch meist nur für die anderen.

Ähnlich ist es mit typischen Triathleten-Ausdrücken. Neulich beim Abendessen hieß es zum Beispiel mit völlig ernster Miene eines männlichen Guides zu einer jungen Teilnehmerin: „Ich schaue mir gleich mal deinen Vorbau an“. Dass es sich dabei um das Rennrad drehte und nicht um einen schlechten Anmachspruch, haben wir verstanden. Die anderen Gäste des 4-Sterne-Hotels eher nicht. Auch schön war das Gespräch, dem ich an einem regnerischen Tag in der Lobby lauschte: „Heute stehen vier Stunden Ausfahrt auf meinem Plan", sagte da einer. Aber ich fahre lieber nur drei Stunden Rad.“ Apropos Rad. Für die lange Zeit hier habe ich natürlich mein eigenes mitgenommen. Sir Ridley auf Reisen. Der Radkoffer hat mich allerdings schon vor Reisebeginn erste Energie und Nerven gekostet.

Wenn man so ein großes schwarzes Monstrum noch nicht benutzt hat, kommt man beim Packen ganz schön ins Schwitzen. Reifen abmontieren, Aerolenker verschieben, damit der Koffer zugeht, Rahmen mit Folie umwickeln und ein paar Pullis hineinstopfen, damit nichts mehr wackelt und verrutscht. Das hat an und für sich auch geklappt. Allerdings haben die Klamotten jetzt an diversen Stellen Kettenöl-Abdrücke. Beim nächsten Mal nehme ich dann doch Mülltüten dazu.

Fazit VI: Ein Triathlet weiß nicht alles. Ratschläge zur Fleckenentfernung sind also herzlich willkommen.

Manchmal sind Tipps übrigens totale Auslegungssache. Bei unserem ersten Vortrag ging es unter anderem um das Thema Ernährung als Triathlet und hier im Camp. Ein Punkt lautete: kein Nüchtern-Training. Denn wenn die Speicher einmal leer sind, wird es von Trainingseinheit zu Trainingseinheit schwieriger (bis unmöglich), sie wieder aufzufüllen. Eine Teilnehmerin hat diese Bitte sehr individuell ausgelegt und sich vor dem morgendlichen Schwimmtraining einfach ein Glas Sekt gegönnt.

Fazit VII: Man sollte sich als Guide stets klar und unmissverständlich ausdrücken.

Anita Horn - Mallorca-Blog Teil 1 | Spontane Berg- und Talfahrt: Beim Adventure-Trail-Halbmarathon K21 Mallorca zog es Anita Horn die Schuhe aus.

Spontane Berg- und Talfahrt: Beim Adventure-Trail-Halbmarathon K21 Mallorca zog es Anita Horn die Schuhe aus.

Foto >Anita Horn

Ich habe mir am Sonntagabend übrigens auch ein Sektchen gegönnt. Nach zwei ziemlich spontanen Halbmarathons am Wochenende. Samstag sind wir zu dritt losgelaufen und in den Naturschutz- und Wanderpark Galatzó gekommen. Als uns ein paar Läufer mit Medaillen um den Hals entgegen kamen, wurden wir neugierig. Sie hatten einen Trail-Wettbewerb absolviert. Am nächsten Tag sollte es noch einen geben. Also haben wir uns kurzfristig für den Adventure-Trail-Halbmarathon K21 Mallorca angemeldet, sind am Sonntagmorgen mit dem Taxi zur Finca de Galatzó gefahren und von dort aus 21,1 Kilometer über Stock und Stein und Kies und Geröll den Berg hochgelaufen. Die Steigung hat mir schon nach 150 Metern fast die Schuhe ausgezogen. Insgesamt 601 Meter ging es hoch und 788 wieder runter – mit klatschnassen Schuhen von den Flussläufen und Matschlöchern und nicht ganz krampffrei – aber es hat sich gelohnt. Der Blick vom letzten Hügel auf die Bucht von Paguera und den Playa de Tora, wo das Ziel auf uns wartete, war unvergesslich. Nach 2:33:42 Stunden war ich da. Und am Pool habe ich mich dann gefühlt wie ein Profi. Denn die können den ganzen Tag trainieren, schlafen und essen. Und ratet mal, was ich gemacht habe, bevor die neue Gruppe für das Mallorca-Triathlon-für-Einsteiger-Camp Teil II angereist ist... Schließlich hatte ich mir vorgenommen, frisch ausgeruht in die neue Camp-Woche starten.

Fortsetzung folgt...