Mallorca-Blog Teil V: Ab auf die Schulbank!

Mixed Tapes und Nachsitzen. Kommt Euch das auch irgendwie bekannt vor? Ich mochte das eine - das andere eher weniger. Irgendwie muss ich manchmal an meine Schulzeit denken, wenn hier im Camp von Kassetten und Co. die Rede ist. Nur hat das hier überhaupt nichts mit A- und B-Seiten oder miefigen Klassenräumen zu tun, sondern mit meinem neuen Lieblingsfach. Triathlontraining.

Von > | 10. April 2015 | Aus: SZENE

Workshop - Anita Horn | Anita Horn Blog Radwerkstatt

Anita Horn Blog Radwerkstatt

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Ich gehe gern und freiwillig in AGs. An unserem letzten Ruhetag waren wir zum Beispiel bei einem Fahrrad-Workshop, um etwas über Wartung, Reparatur und Radwechsel zu lernen. Wie die i-Dötzchen hockten wir uns um ein älteres Alu-Modell von Focus und lauschten dem "Lehrer". Toll, dieser Unterricht, in dem man sich dreckig machen darf, aktiv mitarbeiten soll und immer mal mit anpackt. Was ich in der Stunde gelernt habe? Vor allem, dass man nie auslernt. Triathleten sollten unbedingt etwas (mehr) über ihren Drahtesel wissen, damit sie nicht bei jedem lockeren Bremszug sofort zum Radshop laufen zu müssen. Ich glaube auch bei mir ist da noch Luft nach oben. Wir haben aber auch gelernt, dass man an der richtigen Stelle lieber zu einem Experten gehen sollte, anstatt selbst zu handwerkeln. Und damit man dem Experten erklären kann, worum es geht, sollten einige Vokabeln nicht fehlen. Von Umwerfer und Ritzel bis Übersetzung und Nachsitz(en). Ich glaube, ich mache bald mal freiwillig einen Test. Damit nicht nur der Sattel, sondern auch mein Wissen richtig sitzt.

750 + 4x[(2x25)x5] + 2x500 + 150

Außerdem gabs an unserem Ruhetag noch eine Schwimm-AG. Wir konnten einfach nicht still sitzen. Es hat sich also nicht viel geändert im Vergleich zur Schulzeit. Wir sind ins Wasser gehüpft – und haben am Ende irgendwie doch drei Kilometer Kacheln gezählt. Mathe für Fortgeschrittene. Die Formel: 750+4x[(2x25)x5]+2x500+150. Ich habe mich zwischendurch ein paar Mal verrechnet, aber ich ich konnte zum Glück bei Valerie abgucken. Die hatte ihren „Taschenrechner“ dabei. Gut, wenn Uhren schwimmen können und Bahnen zählen. Und wenn ihre Besitzer hilfsbereit sind.

Anita Horn Mallorca-Blog - Teil V | Schwimm-AG: tri-mag.de-Bloggerin Anita Horn und ihr \"Taschenrechner\" Valerie

Schwimm-AG: tri-mag.de-Bloggerin Anita Horn und ihr "Taschenrechner" Valerie

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Das ist Valerie übrigens in jeglicher Hinsicht. Vor ein paar Tagen saß bei mir eine Rippe quer. Die hat sie erstmal wieder dorthin verfrachtet, wo sie hingehört und die Stelle gleich noch getaped. Einmal rund um den Brustkorb, mit schwarzem Klebeband. Kunstunterricht to go, in Tateinheit mit einem Bio-Chemie-Kurs. Ich habe das Tape in der Pause danach nämlich schön in der Sonne am Sportpool brutzeln lassen. Und weil es schon ein paar Eselsohren hatte und ich das Knibbeln noch nie lassen konnte, habe ich mit Erschrecken festgestellt, dass meine Haut darunter ganz hell blieb und alles drum herum immer brauner wurde. Ich habe Valerie also gebeten, das Tape wieder abzumachen, denn an das Stück am Rücken kam ich nicht ran. Und als hätte ich es geahnt, hat sie mir mit einem kräftigen Ruck das ellenlange Stück Tape vom Rücken gerissen. Jetzt war der Streifen rot-weiß und der Rücken direkt mit enthaart. Wie machen das eigentlich männliche Triathleten?

Ich bin übrigens nicht die Einzige, die hier mit Streifen herum läuft. An den letzten sonnigen Tagen, bei unseren Radausfahrten nach Son Soller de Marina und viele andere tolle Orte in der Umgebung, haben sich einige unserer Camp-Teilnehmer ordentliche Markierungen geholt. Nächste Lektion: Eincremen. Denn schon unser Erdkundelehrer wusste, dass auf Mallorca auch bei leichter Bewölkung die Sonnenstrahlen mehr Kraft haben, als der trainierteste Triathlet. Da sind meine Tapestreifen doch deutlich ungefährlicher. Und eigentlich sieht man ja kaum noch Sportler, die nicht mit dem sonderlichen, farbigen Streifensalat an irgendeinem Körperteil rumlaufen. Die meisten tun dabei so, als hätten sie eine Eins in der Klassenarbeit geschrieben. Egal ob im Nacken, am Knöchel oder quer über den halben Rücken. Egal ob in schwarz, rot, grün oder blau. Das Mixed Tape hat seine besten Tage eben doch noch nicht hinter sich. Das Mixed Tape macht Schule. Und ich gehe gern wieder hin. Ganz ohne Nachsitzen.

Achja. Endlich läuft Es wieder! Und rollt und krault. Und grinst. Das Es bin ich. Und ich kann endlich wieder trainieren. Am Wochenende – nach zwei ewigen Wochen Erkältung – konnte ich wieder locker pedalieren. 45 Kilometer in zwei Stunden. Danach hatte ich einfach nur Bock weiterzumachen! Dazu kam mein halber Freundeskreis aus Köln angereist, um eine Woche im Trainingscamp hier in Pollenca zu verbringen. Knapp 50 Leute, davon ein großer Teil von meinem Verein "mach3", inklusive Cheftrainer Johann Ackermann.

Am Ostermontag ging es direkt los mit einer lockeren Ausfahrt ins Landesinnere über Son Serra de Marina an der Küste - gekrönt von einer windig-kalten Pause im Hafencafé mit dem wahrscheinlich leckersten Kuchen der Welt (abgesehen von Mutti! Der anschließende Koppellauf tat auch gut. Da konnte ich den Beinen mal wieder zeigen, was sie dieses Jahr so erwartet. Dienstag war dann Ausfahrt Nummer zwei dran. Guide Lars führte uns auf den Puig de Inca, ein paar fiese Serpentinen hoch bis zum Aussichtspunkt Richtung Bahia de Pollenca. Herrlich! Danach mit Lichtgeschwindigkeit wieder runter und über die sogenannte Schilfstraße bei 22 km/h Gegenwind zurück. Und ich muss sagen, meine Beine reagieren auf die Belastung. Ich bin mit meinen 1,62 Meter die ganze Zeit im Wind gefahren und dachte, ich sitze auf dem Ergometer.