Wahl Marisol Casado neue Präsidentin der ITU

Szene | 29. November 2008
Marisol Casado ist beim Kongress der International Triathlon Union in Madrid kampflos zur neuen Präsidentin des Weltverbandes gewählt worden. Die Spanierin löst den Kanadier Les McDonald ab, der die ITU seit ihrer Gründung 1989 anführte.
Die Abstimmung am Sitz des Nationalen Olympischen Komittees von Spanien in Madrid erfolgte kampflos, da Lokalmatadorin Casado die einzige Kandidatin auf das höchste Amt im weltweiten Triathlonsport war. Die Kanadierin Loreen Barnett wurde ebenso ohne Gegenkandidaten ins Amt der ITU-Generalsekretärin gewählt. Auch Schatzmeister Tom Carrasco (Philippinen) und die Vizepräsidenten Antonio Alvarez (Mexiko), Bill Walker (Australien), Kyung-Sun Yu (Korea) und Dr. Sarah Springman (Großbritannien) konnte ohne Wahl den Eid auf die ITU-Satzung leisten, da es keine Gegenkandidaten gab. Ins Executive Board wurden Ria Damgren Nilsson (Schweden), Anatoly Korobov (Russland), Xin Li (China), Melissa Merson (USA), Shin Otsuka (Japan), Mario Rodriguez (Guatemala) und Terry Sheldrake (Neuseeland) gewählt.
In einer leidenschaftlichen Rede, die sie teils auf Englisch, teils auf Spanisch hielt, kündigte die neue Präsidentin Marisol Casado an, den bisherigen Erfolgskurs der International Triathlon Union fortzusetzen: Rennen auf höchsten Organisationsniveau, absolute Förderung der Athleten, die Fortsetzung der Trainingsprojekte in Entwicklungsländern und eine klare Null-Toleranz-Politik gegenüber Doping sind Schwerpunkte des Programms, mit dem die Spaniern das Erbe Les McDonalds antritt.

Les McDonald zieht sich nach 20 Jahren zurück

Vor der Wahl wurde der scheidende ITU-Präsident Les McDonald, der sich nach 20 Jahren von der ITU-Spitze zurückzieht, zum Ehrenpräsidenten bestimmt. Den Antrag und die emotionale Begründung lieferte ausgerechnet der britische Triathlonverband in Person von Dr. Sarah Springman, die sich vor vier Jahren bei der letzten Präsidentenwahl in Vancouver noch ein erbittertes Duell mit McDonald geliefert hatte.
Trotz des klaren Votums der Delegierten wollte McDonald das Amt des Ehrenpräsidenten zunächst nicht annehmen, da er selbst vor einigen Jahren bereits den Schweden Dr. Gunnar Ericsson, der als IOC-Mitglied maßgeblichen Anteil an der Aufnahme des Triathlons ins olympische Programm hatte, zum Ehrenpräsidenten hatte wählen lassen. Doch Ericsson ließ über die schwedische Vizepräsidentin Ria Damgren Nilsson ausrichten, dass er sich das Amt gern ein halbes Jahr mit McDonald teilen werde, um dann zu seinem 90. Geburtstag aus diesem auszuscheiden. Der scheidende ITU-Vizepräsident und IOC-Vizepräsident Chihura Igaya wurde zum Ehrenmitglied der ITU bestimmt.

Ära Les McDonald: In Rekordzeit nach Olympia

Les McDonald hatte die International Triathlon Union 1989 in Avignon gegen die Widerstände aus dem Lager der Modernen Fünfkämpfer ins Leben gerufen und es innerhalb der Rekordzeit von nur sieben Jahren geschafft, eine Zusage für die Aufnahme ins olympische Programm zu erreichen. Der gebürtige Brite knüpfte als leidenschaftlicher und erfolgreicher Skifahrer die ersten Kontakte in die Sportpolitik und war Anfang der 80er-Jahre einer der erfolgreichsten Altersklassen-Triathleten der Welt. Fünfmal finishte er beim Ironman auf Hawaii, wo er einige Altersklassenrekorde aufstellte.
Nach der Gründung der ITU verfolgte der heute 75-jährige Les McDonald sein großes Ziel, den Triathlonsport im olympischen Programm zu verankern, mit großem Ehrgeiz und unermüdlicher Lobbyarbeit. Seine Kontakte in die internationale Sportpolitik und seine Fähigkeit, Mitstreiter für hohe Ziele zu begeistern, ermöglichten dem Triathlonsport eine Entwicklung, die im kommenden Jahr mit der Einführung der World Championship Series einen neuen Höhepunkt erleben wird. Kritiker bemängelten seine fehlende Kompromissbereitschaft und seinen harten Umgang mit politischen Gegnern.